Australien versinkt in der Flut: Krokodil-Alarm im Hochwassergebiet
zuletzt aktualisiert: 04.01.2011 - 09:40Queensland (RPO). Nach heftigem Regen ist in dem australischen Bundesstaat ein Gebiet überflutet, das so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. Zehn Menschen starben, Tausende sind obdachlos, der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Behörden warnen vor Giftschlangen und Krokodilen. Vier deutsche Touristen wurden vor den Reptilien gerettet.
In der durch Überschwemmungen weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenen australischen Stadt Rockhampton haben die Behörden die Bewohner vor Krokodilen und Schlagen gewarnt. Für die Reptilien sei jetzt Paarungszeit, was die aus ihrer gewohnten Umwelt gerissenen Tiere besonders gefährlich mache, sagte der Nothilfekoordinator der Stadt, Scott Mahaffey, am Dienstag.
"Die Schlangen sind im Moment sehr nervös." Bei den Krokodilen komme hinzu, dass sie inmitten der umherschwimmenden Trümmer schwer auszumachen seien. Ein Helfer erzählte, er habe zwei Polizisten aus dem Wasser springen sehen, "als sie in der Nähe einen kräftigen Kiefer sahen".
Es wurden bereits vier deutsche Touristen aus einem Fluss voller Krokodile in der Nähe der nördlich von Queensland gelegenen Stadt Darwin gerettet. Die Urlauber wollten trotz Warnungen im Kakadu-Nationalpark über eine überschwemmte Straße fahren. Sie blieben in der Mitte stecken, weil ihr Motor ausfiel, und flüchteten erschrocken auf das Wagendach. Es dauerte 30 Minuten, bis die Polizei sie in Sicherheit gebracht hatte.
Hochwasser in den Philippinen
In den Philippinen sind in den vergangenen Tagen mindestens zwölf Menschen durch Überschwemmungen und Erdrutsche ums Leben gekommen. Die 270.000-Einwohner-Stadt sei inzwischen komplett überflutet und erlebe die schwersten Überschwemmungen seit zehn Jahren. Mehrere tausend Menschen mussten evakuiert werden. Laut Regierung und dem Roten Kreuz werden in anderen Gegenden des Landes noch mindestens zwei weitere Menschen nach Erdrutschen vermisst.
Die verheerenden Überschwemmungen im Nordosten Australiens haben die Stadt Rockhampton von der Außenwelt abgeschnitten. Wegen des steigenden Wasserpegels des Fitzroy-Flusses musste der Flughafen geschlossen werden. Bis zum Abend war auch die letzte in die Stadt führende Straße überflutet. "Rockhampton ist völlig abgeschnitten – eine Stadt mit 75 000 Menschen", sagte die Ministerpräsidentin des Staats Queensland, Anna Bligh. Am Abend war eine Versorgung nur noch per Militärhubschrauber möglich, wie die Zeitung "The Sydney Morning Herald" im Internet berichtete.
Der Pegel des Fitzroy soll mindestens bis heute Abend (Ortszeit) weiter steigen. Viele Familien flohen vor den Wassermassen in höher gelegene Notunterkünfte. Die Bewohner hatten sich bereits in den vergangenen Tagen mit Lebensmitteln und Wasser eingedeckt. Bürgermeister Brad Carter sagte, es könne mindestens zwei Wochen dauern, bis die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren könnten.
Die in Queensland unter Wasser stehende Fläche ist so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen, dort leben etwa 200 000 Menschen. Mindestens 22 Städte und Ortschaften in der landwirtschaftlich geprägten Region wurden überflutet. Die Überschwemmungen kosteten seit dem Beginn der tropischen Regengüsse Ende November zehn Menschen das Leben, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Drei Menschen starben am vergangenen Wochenende.
"Das ist eine große Naturkatastrophe, die Erholung wird viel Zeit brauchen", sagte die Ministerpräsidentin Julia Gillard. Die Schäden könnten sich am Ende auf mehrere Hundert Millionen Dollar belaufen.
Analysten meinen, der durch die Fluten direkt entstandene Einkommensverlust in der Agrar- und Bergbauindustrie werde mindestens sechs Milliarden australische Dollar betragen, umgerechnet rund 4,6 Milliarden Euro. Nicht abzuschätzen sind die Schäden an der Infrastruktur und die Kosten für die Aufräumarbeiten. Viele Straßen sind von den Wassermassen schwer beschädigt oder weggespült worden. Die Behebung dieser Schäden dürfte ebenfalls Milliarden kosten.
Mit Milliardenverlusten muss auch die Bergbauindustrie rechnen, nachdem Dutzende von Kohleminen in den vergangenen Tagen ihre Produktion teilweise oder ganz eingestellt haben. Der Südosten von Queensland ist eine der wichtigsten Quellen für Kokskohle auf der Welt. Die Kohleindustrie in Queensland exportiert pro Tag Kohle im Wert von 100 Millionen australische Dollar.
Die Ernteverluste, die der Landwirtschaft entstehen, könnten zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Die australischen Bauern haben eine zwölf Jahre lange Dürreperiode hinter sich. Hunderte von Betrieben sind Pleite gegangen. Jene Bauern, die durchgehalten hatten, freuten sich erst über den Regen und hofften auf die erste Ernte seit Jahren. Doch vielerorts stehen die Felder nun unter Wasser, ertrinken Schafe und Rinder.
Von den Fluten geht noch eine weitere Gefahr aus: Laut einem Bericht der britischen Zeitung "The Telegraph" warnten die Behörden die Bewohner überschwemmter Gebiete vor giftigen Schlangen und Spinnen sowie Krokodilen. Die Zeitung zitierte Äußerungen des Bürgermeisters von Rockhampton, Carter, gegenüber der BBC: "Schlangen schwimmen den Leuten zu Füßen, während sie sich den Weg durch das Wasser bahnen." Krokodile lebten im Fluss Fitzroy.
Unterdessen wurden vier deutsche Touristen aus einem Fluss voller Krokodile in der Nähe der nördlich von Queensland gelegenen Stadt Darwin gerettet. Die Urlauber wollten trotz Warnungen im Kakadu-Nationalpark über eine überschwemmte Straße fahren. Sie blieben in der Mitte stecken, weil ihr Motor ausfiel, und flüchteten erschrocken auf das Wagendach. Es dauerte 30 Minuten, bis die Polizei sie in Sicherheit gebracht hatte.
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