| 18.58 Uhr

Krzysztof Charamsa
Schwuler Priester greift die Kirche an

Fotos: Priester Krzysztof Charamsa bekennt sich zu seiner Homosexualität
Fotos: Priester Krzysztof Charamsa bekennt sich zu seiner Homosexualität FOTO: dpa
London. Der nach seinem Outing beim Vatikan in Ungnade gefallene polnische Priester Krzysztof Charamsa hat in einem Brief an Papst Franziskus schwere Vorwürfe erhoben. Das Handeln des Vatikans sei verlogen. Schließlich sei der Klerus "voller Homosexueller".

Für Millionen Homosexuelle weltweit mache die Kirche das Leben "zur Hölle", so der Ex-Mitarbeiter der römischen Glaubenskongregation in dem Schreiben, aus dem der britische Sender BBC (Mittwoch) zitiert. Dass der Vatikan gegen schwule Priester vorgehe, sei heuchlerisch; der Klerus sei "voller Homosexueller".

Der 43-jährige Charamsa hatte sich Anfang Oktober mit seinem katalanischen Partner in Rom als homosexuell geoutet. Der Glaubenskongregation, für die er gearbeitet hatte, warf er eine "paranoide Homophobie" vor. Darauf verlor er umgehend seinen Posten im Vatikan sowie seine Lehrbefugnis für päpstliche Hochschulen. Zwei Wochen später suspendierte ihn sein Heimatbischof im polnischen Pelplin von seinen priesterlichen Aufgaben.

Die BBC zitiert Charamsa mit den Worten, er habe sich nach einer "langen und schmerzlichen Zeit der Prüfung und des Gebets" entschlossen, die "Gewalt der Kirche" gegen Homosexuelle und andere sexuelle Minderheiten öffentlich anzuprangern. Er rief "alle schwulen Kardinäle, schwulen Bischöfe und schwulen Priester" auf, "den Mut zu haben, diese fühllose, unfaire und brutale Kirche zu verlassen".

Der Kirche warf er einen homosexuellenfeindlichen Hass vor, "Ausschluss, Marginalisierung und Stigmatisierung von Menschen wie mir". Ihnen würden "Menschenrechte verweigert", so auch das Recht auf eine Familie. Die Kirche füge Homosexuellen und ihren Angehörigen "unermessliches Leid" zu.

Zugleich dankte Charamsa Papst Franziskus für dessen Worte und Gesten gegenüber Homosexuellen. Franziskus hatte während seines USA-Besuchs einen schwulen Bekannten begrüßt. Früher hatte er sich deutlich gegen eine Verurteilung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesprochen.

Charamsa betonte aber, die Worte des Papstes hätten nur dann Gewicht, wenn alle Äußerungen des Heiligen Stuhls, die Homosexuelle verletzten, zurückgezogen würden. Darunter nannte er auch eine 2005 von Benedikt XVI. (2005-2013) erlassene Vorschrift, nach der Männer mit "tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen" nicht zur Priesterausbildung zugelassen werden dürfen.

(KNA)
 
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