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Deutschland will Auslieferung: KZ-Wärter "Iwan" zu krank für Prozess?

zuletzt aktualisiert: 06.03.2009 - 15:02

Frankfurt (RPO). Tausende Menschen soll er im KZ Sobibor in die Gaskammern getrieben haben. Fünf Jahre lang saß er in Israel in der Todeszelle – dann kam er frei. Jetzt rechnet der 88-jährige Iwan Demjanjuk täglich mit seiner Abschiebung aus den USA nach Deutschland, wo ihm der Prozess gemacht werden soll. Aber der Ukrainer wehrt sich. Angeblich ist er zu krank.

Der frühere KZ-Wächter John Demjanjuk soll schnellstmöglich an Deutschland ausgeliefert werden.  Foto: AP, AP
Der frühere KZ-Wächter John Demjanjuk soll schnellstmöglich an Deutschland ausgeliefert werden. Foto: AP, AP

Iwan Demjanjuk soll einer der letzten lebenden KZ-Aufseher sein, der während des Zweiten Weltkriegs den planmäßigen Mord an Millionen Juden und anderen Minderheiten ausführte. Sollte es sich bei Demjanjuk tatsächlich um "Iwan, den Schrecklichen" handeln, machte er sich der Beihilfe an tausendfachem Mord schuldig. Eine Frage konnte bisher aber nie eindeutig beantwortet werden: Ist Demjanjuk tatsächlich "Iwan, der Schreckliche?"

Eine Untersuchung der Münchener Staatsanwaltschaft macht dies immer wahrscheinlicher. Die Behörde untersuchte einen SS-Dienstausweis und konnte diesen einer ersten Untersuchung zufolge eindeutig Demjanjuk zuordnen. Ende Februar erging der Haftbefehl. Demjanjuk lebt derzeit als Staaenloser mit seiner Frau in den USA. Seinen Vornamen änderte er in John. Das Ehepaar rechnet stündlich mit der Abschiebung.

Info

Beim KZ Sobibor handelte es sich um ein so genanntes Vernichtungslager im Südosten Polens. Schätzungen zufolge wurden dort zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 bis zu 250.000 Menschen durch die Nazis ermordet. Der größte Teil der Opfer waren Juden.

Seit dem Ende des Weltkriegs hat Demjanjuk eine lange Odysse hinter sich. Er arbeitete in Deutschland als Lastwagenfahrer, bevor er 1952 in die USA auswanderte. Die schweren Vorwürfe kamen Ende der 70er Jahre auf. 1986 lieferten die USA Demjanjuk nach Israel aus, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Auf Grundlage von KGB-Akten wurde er 1988 zum Tode verurteilt. Fünf Jahre später kam er wieder frei. Neue Zweifel an seiner Identität machten dies erforderlich.

Sollte ihm mit der neuen Beweislage der Prozess in Deutschland gemacht werden, erscheint eine Verurteilung als sehr wahrscheinlich. Aber Demjanjuk und seine Familie kämpfen gegen eine Auslieferung. Nach Angaben seines Sohnes leidet Demjanjuk an einer Blut- und Knochenmarkkrankheit und benötigt regelmäßig Infusionen. Seine Frau deutete im Gespräch mit einer Reporterin des "Spiegel" an, Demjanjuk leide an Demenz. Sein Anwalt bezeichnet ihn als "kranken, alten Mann". Den Darstellungen zufolge würde der Greis einen Prozess gesundheitlich nicht durchstehen.

Der Ausgang des Falls Demjanjuk erscheint offen. Bereits in der Vergangenheit gelang es Verdächtigen vergleichbarer Greueltaten mit Hinweis auf ihr Alter und Gesundheitsprobleme einem Prozess zu entgehen. Für Aufsehen sorgte im Februar der Fall Aribert Heim. Nachdem KZ-Arzt hatte Ermittler jahrzehntelang gesucht. Der "Schlächter von Mauthausen" war bereits im Jahr 1992 von der Öffentlichkeit unbemerkt in Kairo gestorben.


 
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