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Diebstahl, Drogenbesitz und Fälschung
Der Entführer der EgyptAir-Maschine hatte Vorstrafen

Fotos: Entführte EgyptAir-Maschine landet auf Zypern
Fotos: Entführte EgyptAir-Maschine landet auf Zypern FOTO: afp
Larnaka. Die Entführung einer Passagiermaschine von Ägypten nach Zypern ist am Dienstag nach stundenlangem Nervenkrieg ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Der Entführer ist juristisch kein unbeschriebenes Blatt und muss nun in U-Haft.

Der Ägypter ergab sich am Flughafen von Larnaka der Polizei, wie die zyprische Regierung erklärte. Die mehr als 60 Insassen der EgyptAir-Maschine ließ der Mann frei. Er sei offenbar "psychisch labil", sagte Außenminister Ioannis Kasoulides. Zudem wurde bekannt, dass der 58-Jährige bereits im Gefängnis gesessen hat und wegen diverser Delikte vorbestraft war.

Der Mann namens Seif Eddin Mustafa sei wegen Diebstahls, Drogenbesitzes und Fälschung bereits der Justiz bekannt gewesen, teilte das ägyptische Innenministerium weiter mit. Eine Sicherheitskontrolle hatte er am Morgen am Flughafen von Alexandria nach gründlicher Durchsuchung passiert - allerdings befanden sich in seiner Handtasche Gegenstände, die er später zu einer Sprengstoffgürtel-Attrappe zusammenbaute. Damit habe er die Kursänderung der Maschine nach Zypern erwirkt, wie ägyptische Behörden mitteilten.

Während der Entführung des Flugzeugs, das eigentlich von Alexandria binnen 30 Minuten Kairo erreichen sollte, stellte der Mann Forderungen, die "keinen Sinn" gemacht hätten und "zu zusammenhangslos" gewesen sein, um ernst genommen zu werden, so Kasoulides weiter. Die Exfrau des Mannes stammt aus Zypern und lebt auch dort, wie es aus Polizeikreisen hieß. Sie sei von der Polizei zum Flughafen gebracht worden. Der Entführer habe verlangt, dass ihr ein Brief ausgehändigt werde, sagte Kasoulides. Auch dessen Inhalt sei völlig zusammenhanglos gewesen.

Zuvor habe der Mann ferner die Freilassung weiblicher Gefangener aus ägyptischen Gefängnissen verlangt, diese Forderung aber später wieder fallengelassen und stattdessen Zusicherungen von EU-Vertretern gefordert, die jeglicher Logik entbehrten, sagte der Außenminister. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Entführung des Flugzeugs nach Zypern keinen terroristischen Hintergrund gehabt habe. Allerdings habe der Mann durchaus gefährlich gewirkt.

Ein zyprisches Gericht hat derweil Untersuchungshaft für den Entführer angeordnet. Staatsanwalt Andreas Lambrianou teilte am Mittwoch mit, gegen den 59-Jährigen würden Vorwürfe der Entführung, illegalen Besitzes von Sprengstoff, Flugzeugentführung und Androhung von Gewalt erhoben. Die Untersuchungshaft wurde zunächst auf acht Tage festgesetzt.

Kein terroristischer Hintergrund

Flug MS181 war am Dienstagmorgen in der Küstenstadt Alexandria nach Kairo gestartet. An Bord befanden sich mindestens 55 Passagiere, darunter 26 Ausländer, und sieben Besatzungsmitglieder. Unter den Ausländern waren acht US-Amerikaner, vier Briten, vier Niederländer, zwei Belgier, ein Franzose, ein Italiener, zwei Griechen und ein Syrer, wie das ägyptische Luftfahrtministerium mitteilte. Drei weitere Ausländer hätten nicht identifiziert werden können.

Mustafa ließ nach und nach seine Geiseln frei. Am Nachmittag verließen schließlich die letzten sieben - vier Besatzungsmitglieder und drei Passagiere - das Flugzeug. "Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder sind in Sicherheit", sagte der ägyptische Luftfahrtminister Scharif Fathi, nachdem auch Mustafa selbst das Flugzeug verlassen hatte und festgenommen worden war.

Erste Berichte, wonach der Entführer einen echten Sprengstoffgürtel mit an Bord schmuggeln konnte, ließen weitere Fragen zur Sicherheit an ägyptischen Flughäfen aufkommen. Ende Oktober war eine russische Maschine kurz nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord kamen ums Leben. Russland führte den Absturz auf einen Sprengsatz zurück. Die Terrormiliz Islamischer Staat erklärte, sie habe den Absturz herbeigeführt.

(felt/ap)
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