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Katastrophale Dürre
Wasser-Cops drehen Las Vegas den Hahn zu

Las Vegas: Wasser-Cops drehen Spielerstadt den Hahn zu
Robert Calvin bei seinen Kontrollgängen in Las Vegas. FOTO: dpa, kde sab
Las Vegas. Las Vegas droht eine historischen Dürre. Die Wasservorräte der Casino-Metropole reichen nicht aus. Die US-Stadt spart, wo sie nur kann - nicht zuletzt mit dem Einsatz sogenannter Wasser-Cops.

Erbarmungslos brennt die Sonne auf die US-Metropole Las Vegas. Schwer lastet an dem Nachmittag die Hitze auf der südwestlichen Millionenstadt. Langsam schiebt sich ein klobiger weißer Pick-up durch die Straßen der Vorstadt. Am Steuer sitzt Robert Calvin. Als "Wasser-Cop" einer Sondereinheit wacht er darüber, dass in Amerikas trockenster Stadt nichts verschwendet wird.

Seit mehr als zehn Jahren wird Las Vegas von Trockenheit geplagt. Der Region im US-Bundesstaat Nevada droht eine historische Dürre, wie die örtliche Wasserbehörde mitteilt. Durch die wachsende Bevölkerung der zwei Millionen Einwohner zählenden Stadt schrumpfen die ohnehin knappen Wasservorräte. Als Gegenmaßnahme dreht Las Vegas sprichwörtlich überall dort den Hahn zu, wo es möglich ist, und bereitet verbrauchtes Wasser wieder auf. Ob aus Dusche oder Toilette, das Abwasser wird recycelt. Mehr als die Hälfte fließt wieder gereinigt durch die Hähne. Doch nun muss mit der kostbaren Flüssigkeit auch außerhalb der vier Wände sparsam umgegangen werden.

Falsch eingestellte Sprenkelanlagen, tropfende Springbrunnen und fehlerhafte Sanitärtechnik sind der Stadt ein Dorn im Auge. Seit zehn Jahren spüren die Wasser-Cops undichte Stellen auf. "Dort!", ruft Calvin und zeigt auf einen kleinen Bach entlang des Bordsteins. "Eine laufende Bewässerungsanlage!", sagt er und macht sich auf die Suche nach dem Übeltäter. Der 28-Jährige ist in Las Vegas aufgewachsen. Seit seiner Kindheit hat die Stadt ein Bewusstsein für das Ungleichgewicht zwischen dem Wasservorrat und -verbrauch entwickelt.

Im 19. Jahrhundert hatten sich Siedler an den Quellen der Wüstenoase Las Vegas niedergelassen. Inzwischen reichen die natürlichen Ressourcen nicht mehr aus. Die Region bezieht nach Angaben der Wasserbehörde im Süden des Bundesstaates Nevada rund 90 Prozent ihres Wassers aus dem nahe gelegenen Colorado River. Der eingeschränkte Wasservorrat, Dürre und Hitze zwingen die Metropole zum Sparen. Die für das Übermaß bekannte Casino-Stadt hat ihren Wasserverbrauch laut Behördenangaben in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Drittel reduziert und sich damit zum Vorbild des nachhaltigen Umgangs mit Wasser entwickelt.

Das Recycling-Programm umfasst auch Kanäle und Fontänen - die Wahrzeichen der Stadt. In Restaurants wird nur Wasser serviert, wenn es explizit bestellt wurde. Prämien haben Hausbesitzer angespornt, mehr als die Hälfte aller Rasenflächen durch Sträucher und Altmetall-Palmen zu ersetzen. "Die brauchen kein Wasser", sagt Calvin. Auch sein Rasen musste Wüstensträuchern weichen. Knausrigkeit im Umgang mit Wasser ist in Las Vegas eine Tugend. "Ich bin geizig", sagt Calvin stolz. "Ich gieße nicht viel und ermahne meine Kinder immer, den Wasserhahn zuzudrehen, wenn sie ihre Zähne putzen."

Doch Las Vegas muss weiter sparen. Mit 446 Litern pro Tag verbraucht ein Einwohner nach Angaben der örtlichen Wasserbehörde fast dreimal so viel wie ein Deutscher. In Deutschland liegt der tägliche Verbrauch nach Angaben des Umweltministeriums bei 120 Litern am Tag. In Las Vegas fließt die meiste Flüssigkeit in die Landschaftsbewässerung, und die Wasser-Cops helfen den US-Behörden dabei, jeden Tropfen zu sparen.

Calvin folgt dem verräterischen Rinnsal in Richtung der Vorstadthäuser. In einigen Gärten wachsen Kakteen, in anderen liegt Plastikrasen oder Schotter. Doch noch immer leuchtet mancherorts die Rasenfläche trotzig in sattem Grün. Inzwischen hat Calvin den Übeltäter entdeckt: Eine automatische Berieselungsanlage läuft in der Tageshitze. Das ist laut Vorschrift verboten. Fast dekadent spritzt das Wasser über üppig grünes Gras und tropft auf den Gehweg. "Das verdunstet bevor es die Kanalisation erreicht hat", sagt Calvin und schüttelt den Kopf. Mit einer Videokamera dokumentiert er das Vergehen. In zehn Jahren haben die Wasser-Cops rund 50 000 Bußgelder verhängt und 1,3 Millionen Dollar eingesammelt.

Die meisten Verstöße seien keine Absicht. "Niemand will Geld aus dem Fenster werfen", sagt Calvin. Er klärt unwissende Mitbürger auf und macht sie darauf aufmerksam, wie sie umsichtiger mit der kostbaren Ressource umgehen können. Er wolle die Menschen nicht erwischen, sondern ihnen helfen, sagt er. Auch bei dieser Kontrolle werden keine Handschellen klicken. Calvin wird die Übeltäter freundlich auf die Vorschriften hinweisen. Zwei Wochen haben sie Zeit, das Problem zu beheben, sonst droht ihnen ein Bußgeld.

(dpa)
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