| 17.14 Uhr

Motorradgang "Nachtwölfe"
Lautes Gedenken auf röhrenden Maschinen

"Nachtwölfe" brechen nach Berlin auf
"Nachtwölfe" brechen nach Berlin auf FOTO: ap
Hunderte Mitglieder des russischen Motorradclubs "Nachtwölfe" sind am Samstag zu einer Tour durch halb Europa aufgebrochen. Mit Schlachtrufen und martialischem Auftreten wollen sie an den Siegeszug der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg erinnern. Ihr Ziel: die Gedenkfeiern zur Kapitulation Hitler-Deutschlands am 9. Mai.

"Nach Berlin!", riefen die Rocker in Anlehnung an den Schlachtruf der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg, als sie unter ohrenbetäubendem Getöse in der russischen Hauptstadt zu ihrer geplanten Tour quer durch Mitteleuropa starteten. Bei ihrer Abfahrt schwenkten sie rote Fahnen mit Stalin-Porträts und dem Rote-Armee-Slogan "Für das Vaterland! Für Stalin!"

Fotos: "Nachtwölfe": Das ist Putins Biker-Klub FOTO: afp

"Wir haben keine Angst vor dem Empfang, den man uns in Berlin bereiten wird", sagte Rocker Alexej Wereschtschjagin aus dem ostukrainischen Lugansk, wo er an der Seite der prorussischen Rebellen gegen die ukrainischen Regierungstruppen kämpft. "Auch unsere Großeltern hatten keine Angst."

Die "Nachtwölfe" wollen aus Anlass des Sieges über Hitler-Deutschland vor 70 Jahren den 6000 Kilometer langen Weg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg von Moskau quer durch Ost- und Mitteleuropa nachfahren. Am 9. Mai, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands, soll die Tour in Berlin enden. Nachdem Polen den "Nachtwölfen" am Freitag die Durchreise untersagt hatte, werden führende Mitglieder der Gruppe wohl auch nicht nach Deutschland einreisen dürfen.

2013: Putin und Rocker-Chef weihen Denkmal ein FOTO: ap, Alexei Nikolsky

"Führenden Mitgliedern der 'Nachtwölfe' wird die Einreise nach Deutschland verweigert", hieß es am Samstag in Regierungskreisen in Berlin. Die deutschen Behörden hätten zudem jene Visa annulliert, die "unter Vorspiegelung falscher Tatsache erschlichen" worden seien.

In einer gemeinsamen Erklärung begründeten Sprecher des Auswärtigen Amts und des Bundesinnenministeriums die Entscheidung. "Wir glauben nicht, dass das dem Ziel dient, einen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen zu leisten", hieß es in der in Berlin verbreiteten Erklärung. "Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass der Jahrestag in Würde begangen wird. Wir stellen uns mit Nachdruck gegen jegliche Instrumentalisierung des unermesslichen Leids der Opfer und des Widerstands gegen die Naziherrschaft."

Es wird erwartet, dass letztlich etwa rund 30 Mitglieder des dem Kreml nahestehenden Motorradclubs am 9. Mai in Berlin eintreffen, da der Mehrheit die Visa zur Einreise in den Schengenraum verweigert wurden. "Wenn sie uns nicht alle zusammen einreisen lassen, dann kommen wir eben einer nach dem anderen von unterschiedlichen Orten aus", kündigte der Anführer der "Nachtwölfe", Alexander Saldostanow, am Samstag an. 200 Mitglieder eines anderen Motorradclubs gedachten bereits am Samstag in Polen der dort getöteten Soldaten der Roten Armee.

(AFP)
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