Wegen Tötung eines Juden: Lebenslange Haft für Chef der "Bande der Barbaren"
zuletzt aktualisiert: 11.07.2009 - 13:01Paris (RPO). Wegen der brutalen Tötung eines jungen Juden hat ein Gericht in Paris den Anführer der selbst ernannten "Bande der Barbaren" zu lebenslanger Haft verurteilt.
Youssouf Fofana war einer von insgesamt 27 Angeklagten, darunter neun Frauen, und Kopf der Bande, die vor knapp dreieinhalb Jahren den damals 23-jährigen Ilan Halimi über drei Wochen hinweg langsam zu Tode gefoltert hatte. Fofanas Komplizen wurden zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und 18 Jahren verurteilt. Nur zwei Angeklagte wurden freigesprochen.
Halimi war im Februar 2006 auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, nachdem ihn seine Peiniger nackt, geschunden und entkräftet an Bahngleisen nördlich von Paris zurückgelassen hatten. Das Verbrechen hatte weit über die Grenzen Frankreichs hinaus für Entsetzen gesorgt.
Der heute 28-jährige Fofana wollte mit der Entführung bis zu 450.000 Euro Lösegeld erpressen. Er bezeichnet sich als Islamisten und reckte bei der Urteilsverkündung am Freitagabend beide Daumen in die Höhe. Schon zum Auftakt des Prozesses Ende April hatte er das Gericht verhöhnt und auf die Frage nach seinem Namen geantwortet: "Afrikanischer Barbar, bewaffnet, aufrührerisch, salafistisch." Als sein Geburtsdatum gab er den 13. Februar 2006 an, den Todestag seines Opfers.
Anwalt der Familie hält Urteile für zu milde
Das Gerichtsverfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil zwei der Angeklagten zur Tatzeit minderjährig waren. Der Anwalt von Halimis Familie kritisierte einige der Urteile als zu milde und forderte die französische Justizministerin Michele Alliot-Marie auf, Berufung einzulegen. Das Gericht habe dem antisemitischen Aspekt der brutalen Tat nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt, sagte Anwalt Francis Szpiner der Nachrichtenagentur AP.
Unter anderem sei die damals minderjährige Frau, die Halimi in die Falle gelockt hatte, zu nur neun Jahren Haft verurteilt worden, sagte Szpiner. Wegen guter Führung könnte sie in wenigen Jahren freikommen. Die Staatsanwaltschaft hatte bis zu zwölf Jahre Gefängnis gefordert.
Kurz nach der Urteilsverkündung kam es zu einer Schlägerei zwischen mehreren jüdischen Jugendlichen und einem Anwalt der Verteidigung, die die Polizei beendete. Zwischen einigen Angeklagten und Polizisten gab es ebenfalls ein kurzes Handgemenge.
Kritiker werfen der Polizei vor, mögliche antisemitische Motive der "Bande der Barbaren" bei ihren Ermittlungen anfangs ignoriert zu haben. Der Fall schürte die Angst vor wachsendem Antisemitismus in Frankreich.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum