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Viele offene Fragen zum Inzest-Fall von Amstetten: LKA-Chef: Es gab einen Mitwisser

zuletzt aktualisiert: 30.04.2008 - 22:01
Amstetten (RPO). Angesichts des schockierenden Inzest- und Missbrauchsfalls von Amstetten stellt sich immer stärker die Frage, wie es  Josef F. gelang, 24 Jahre lang sein Kellerverlies und den Missbrauch an seiner Tochter geheim zu halten. Jetzt zeigt sich der führende Ermittler sicher: Es gab einen Mitwisser.
Josef F. hat Medienberichten zufolge eine dunkle Vergangenheit.  Foto: AP, AP
Josef F. hat Medienberichten zufolge eine dunkle Vergangenheit. Foto: AP, AP

Wer ist der Mitwisser?

Spuren eines anderen Mannes konnten die Ermittler bislang noch nicht finden. Überraschend daher die Aussage von LKA-Chef Polzer am Mittwoch gegenüber der Zeitung "Bild": "Irgendjemand aus dem (familiären) Umfeld musste das wissen." Dieser habe die Behörden in der vergangenen Woche „vertraulich“ darüber informiert, dass Josef F. und seine Tochter Elisabeth die todkranke Tochter in der Klinik von Amstetten besuchen würden. Die Polizei verrät den Namen des Mitwissers nicht, es scheint auch unklar, ob seine Identität den Ermittlern bekannt ist.


Welche Rolle spielt der Sohn von Josef F.?

Medienberichten zufolge besaß ein Sohn von Josef F. einen Schlüssel zum Keller. Mietern stellte er sich als Hausmeister vor. Sabine Kirschbichler, eine ehemalige Mieterin sagte der Zeitschrift „Brigitte“: „Wenn wir was brauchten, eine Fliese kaputt war oder was mit der Elektrik, dann ging er in den Keller und holte Ersatz. Immer sofort.“ Danach habe er die Kellertür stets sorgfältig abgeschlossen. Der Kontakt zwischen Vater und Sohn soll gut gewesen sein. Ein Nachbar will laut Berichterstattung der Zeitung „Express“ gesehen haben, dass der Sohn auch säckeweise Lebensmittel in die Garage der F.s geschafft habe: „Im Nachhinein kommt es einem seltsam vor, dass der älteste Sohn der Familie so viel Lebensmittel in die Garage schaffte, dass er eine Schubkarre dafür brauchte.“


Ahnte Josef F.s Frau wirklich nichts?

Sie war seit Jahren mit Josef F. verheiratet, hatte mit ihm sieben Kinder. Bisher konnte ihr nicht beweisen werden, von dem Vorgang Kenntnis zu haben. Dass die Frau jahrelang nichts bemerkte, erscheint indes immer noch schwer zu glauben.

Hätte der Brandschutzkontrolleur etwas merken können?

Bei der Überprüfung der Heizkessel in Josef F.s Keller vor neun Jahren war er ganz nah an dem Verlies, sah und hörte aber nichts. Die Eingangstür zu den geheimen Räumen war hinter einem Regal versteckt. Wahrscheinlich hatten die Gefangenen Angst, auf sich aufmerksam zu machen.


Woher stammt Josef F.s Vermögen?

Josef F. besitzt nicht nur das Mehrfamilienhaus, in dessen Keller er seine Tochter einsperrt und missbrauchte. Er besitzt auch fünf weitere Immobilien, darunter eine Wohnanlage mit zwei Geschäften. Gesamtwert: 2,2 Millionen Euro. Finanziert wurde der Kauf der Häuser mit einem Kredit der Landeshypo.


Wie krank sind die Kinder aus dem Keller?

Tochter Kerstin (19) litt seit ihrer Geburt an Epilepsie, jetzt liegt sie im künstlichen Koma. Sie hat zerstörte Nieren, außerdem Hirnschäden. Die beiden anderen Kinder sind schwer verstört. Ihr Sprachvermögen ist unterentwickelt, sie können zwar sprechen, verständigen sich untereinander aber durch eine eigene Sprache aus Knurr- und Gurrlauten. Auch ihre Motorik ist eingeschränkt, sie können nicht gut aufrecht laufen, weil das Verlies nur 1,60 bis 1,70 Meter hoch ist. Ein Ergotherapeut soll ihnen jetzt „richtiges“ Laufen beibringen. Da sie nie an der Sonne waren, fehlt Ihnen Vitamin D. Es ist noch nicht klar, unter welchen weiteren Mängelerscheinungen die Kinder leiden. Wie weitreichend die Spätfolgen der Gefangenschaft und des Missbrauchs sein werden, ob die Kinder jemals ein normales Leben führen werden, ist noch nicht klar.


Was wird aus den Kindern und ihrer Mutter?

Sowohl die Tochter von Josef F. als auch ihre Kinder sollen voraussichtlich neue Namen und Identitäten bekommen, damit sie in ihrem weiteren Leben nicht noch stärker als ohnehin schon unter der Schande ihres Missbrauchers leben müssen. Allerdings ist Österreich klein, und schon jetzt werden nach Berichten des Fernsehsenders ORF Bilder der Opfer meistbietend von einigen Nachbarn verkauft.

Lesen Sie unsere komplette Berichterstattung zum Fall Amstetten hier.


 
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