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Energie
Los Angeles schwimmt in Öl

Los Angeles schwimmt in Öl
Diese Karte zeigt alle aktiven Ölförderstätten (die schwarzen Punkte) in Los Angeles. FOTO: State of California
Los Angeles. Los Angeles – das sind Hollywood, Glamour und viele geplatzte Träume entlang der Prachtboulevards. Es ist aber auch die Stadt des Öls. Unter Los Angeles liegt eins der größten Felder der USA und gefördert wird an fast jeder Ecke. Oft versteckt von der Öffentlichkeit oder geschickt ins Stadtbild eingebunden. Von Ludwig Jovanovic

Ein Trip über den West Pico Boulevard, einer der Hauptstraßen in Los Angeles und bekannt aus vielen TV-Serien, Filmen oder Musikvideos. An der Ecke zum South Doheny Drive springt der Cardiff Tower ins Auge. In dem jüdisch geprägten Stadtteil könnte er Teil einer Synagoge sein. Tatsächlich aber beherbergt der Turm eine Pumpstation, um aus 40 Bohrlöchern jedes Jahr 260.000 Barrel Öl zu fördern.

Etwas weiter östlich, in Richtung des Venice Boulevard, fährt man auf dem West Pico an der Ecke zur South Genesee Avenue an einem fensterlosen Gebäude vorbei. Büros könnten dort untergebracht sein, in denen das Sonnenlicht keinen Zutritt hat. Das müssen furchtbare Arbeitsbedingungen sein, wenn Menschen dort an Schreibtischen sitzen würden. Doch hinter den Mauern arbeiten Pumpen, um knapp 500.000 Barrel Öl und rund 750 Millionen Kubikmeter Gas zu fördern. In Los Angeles kein Einzelfall.

Auf den noblen Hillcrest Golfplatz in den Cheviot Hills finden sich etwas versteckt zwei Öl-Bohrlöcher. Und der rund 50 Meter hohe Venoco Flower Tower an der Beverly Hills High School sieht mit seinem bunten, von Blumen geprägten Design aus wie ein Kunstwerk, das an den Eiffelturm erinnert. Hinter der bunten Fassade aber werden jedes Jahr hunderttausende Barrel und Erdgas gefördert. Für die Schule ein profitables Geschäft: Zwischen 300.000 und 700.000 Dollar im Jahr sollen es sein. Die Summe hängt davon ab, wen man fragt.

Die Ölfelder der Stadt in einer Aufnahme aus dem Jahr 1906. FOTO: Library of Congress

Diese Liste ließe sich fast schon beliebig verlängern – auch um Ölbohr-Inseln vor der Pazifik-Küste der Stadt der Engel, die im Öl schwimmt. Nach Angaben der LA Daily News gibt es derzeit in dem Stadtgebiet 3000 aktive Öl-Bohrlöcher. Denn im nur etwa 80 mal 40 Kilometer großen Los Angeles Basin, das im Nordwesten an die Santa-Monica-Berge, im Südosten an die San-Joaquin-, im Osten an die Puente-Hügel und im Westen an die Palos-Verdes-Halbinsel angrenzt, findet sich eine der "höchsten Konzentrationen an Rohöl in der Welt", wie der Geologische Dienst der USA in einer Studie aus dem Jahr 2013 schreibt. Insgesamt 68 Ölfelder wurden identifiziert. Eins davon mit dem Namen Wilmington-Belmont sei mit knapp drei Milliarden Barrel sogar das viertgrößte der USA.

Der Geologische Dienst hat in seiner Studie zumindest für die zehn größten Felder auch abgeschätzt, wie viel Öl sich noch fördern lässt. Je nach Aufwand seien es zwischen 1,4 und 5,6 Milliarden Barrel – nur aus den zehn untersuchten Gebieten. Mit den weiteren 58 Feldern sei die Menge noch sehr viel größer. Vergleicht man das mit dem Gesamtverbrauch der USA im Jahr 2014 von knapp sieben Milliarden Barrel nach Regierungsangaben wird deutlich, welches Potenzial Los Angeles hat: Die Ölfördermenge würde ausreichen, um die gesamten Vereinigten Staaten vermutlich länger als ein Jahr mit dem flüssigen Rohstoff zu versorgen.

Kein Wunder also, dass in der dicht besiedelten Gegend die Förderindustrie boomt, die aber tatsächlich nie aufgehört, die Stadt der Engel zu beflügeln. Die ehemalige Kleinstadt verdankt ihren Reichtum, ihren Flair und Zauber seit dem Ende des 19. Jahrhunderts vor allem dem Öl. 1892 lebten dort nur 50.000 Menschen. Das änderte sich schlagartig, als Edward Laurence Doheny mit seinem Partner Charles Canfield durch Zufall Öl entdeckte – dort, wo heute das Dodger Stadium steht.

Das müssen Sie in L.A. sehen FOTO: AP

Die Industrie wuchs rasant. Bis 1923 wurde ein Viertel des gesamten weltweiten Bedarfs gefördert. Mit dem Öl kamen die Menschen – aus den USA ebenso wie Immigranten aus Mexiko und Japan: Bereits 1900 waren es 100.000, 1939 mehr als 1,5 Millionen. Auch beflügelt von der Filmindustrie, die 1913 in Hollywood begann – als Cecile B. DeMille mit Jesse Lasky und dessen Schwager Samuel Goldwyn in der boomenden Stadt eine Scheune mietete und ein Studio darin einrichtete.

Los Angeles wuchs und das oft um die Ölbohrlöcher herum, die ins Stadtbild eingebunden worden sind und heute unauffällig weiter arbeiten – auf Parkplätzen hinter Shoppingcentern, zwischen Wohnsiedlungen und neben Friedhöfen. So versteckt, dass man oft genauer hinsehen oder den Schritt um eine Ecke wagen muss. Dann kann man sie bisweilen entdecken: Ölförderpumpen, deren gleichmäßiger Takt den Herzschlag der Stadt bestimmt. Seit mehr als 120 Jahren.

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