Paolo di Lauro, 53, war bis zu seiner Festnahme am 16. September 2005 einer der wichtigsten Köpfe der vertikal organisierten Camorra in Neapel. Er kontrollierte zwei Jahrzehnte den
Drogen- und Waffenhandel, Prostitution und Glücksspiel in seiner Heimatstadt.
Laut Polizeiangaben verdiente er eine halbe Million Euro pro Tag, weshalb er sich den Spitznamen
„Der Millionär“ verdiente. 144 Morde werden di Lauro zur Last gelegt. Die meisten gehen auf den blutigen
Drogenkrieg in Neapel von Anfang 2004 bis Sommer 2005 zurück. Professionelle Killer schossen auf offener Straße.
Teilweise ließ di Lauro die Konkurrenz im
48-Stunden-Takt ermorden, berichteten die Ermittler. Zum Verhängnis wurde ihm schließlich seine
Vorliebe für teuren Fisch. Da die Polizei seine Leibspeise kannte, folgte sie einer Frau, die fast täglich die kostbarsten Flossentiere auf dem Markt kaufte - und fand das Versteck des Mafiabosses.
Salvatore„Toto“Riina , 76, wird für mehr als
1000 Morde verantwortlich gemacht. Mehrere Dutzend soll er selbst verübt haben. Man nennt ihn deshalb „Die Bestie“. Riina stieg durch Drogenhandel und Bestechung zum mächtigen Mann in Sizilien auf.
Als solcher ließ er den Mafiaboss Stefano Bontate ermorden und wurde selbst der
Boss der Bosse. Größte Schrecken verbreitete er mit gezielten
Attacken gegen den Staat. Unter anderem ließ er die populären Mafiajäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ermorden. Bis zur Ergreifung 1993 galt er 20 Jahre als „flüchtig“. Dabei lebte er die ganze Zeit auf
Sizilien.
Vermutlich gab ihm die Regierung durch
Bestechung und Einschüchterung die notwendige Deckung. Der Mord an Falcone aber erhöhte den Druck. Riina wurde in seiner Villa in Palermo festgenommen. Bis 1997 saß er im
Hochsicherheitsgefängnis Asinara auf Sardinien ein, inzwischen im Knast von Ascoli.
BernardoProvenzano, 74, wurde im Dorf Corleone, dem berüchtigten Nest der Mafia auf Sizilien, geboren. In den blutigen Mafiakriegen der 1980er Jahre stieg er zum
Drahtzieher im Heroingeschäft auf und wurde Nachfolger von Toto Riina nach dessen Verhaftung 1993.
Wegen der Art, wie er seine Feinde ermordete, verdiente sich Provenzano den Beinamen
„Der Traktor“. Er schoss seinen Opfern zuerst in die Beine, um ihnen langsam das Leben auszuhauchen.
43 Jahre suchte ihn die Polizei vergeblich, ohne wirklich zu wissen, wie Provenzano aussah. Am 11. April 2006 gelang es, den Mafiaboss in einer Hütte bei Corleone aufzuspüren.
Dort fand man kleine Zettel, die „Pizzini“, auf denen Provenzano seine Anweisungen erteilte.
Mehr als 50 Morde gehen auf sein Konto, viele weitere Taten liegen noch im Dunkeln. Bis heute rätselt die Polizei, wer sein
Nachfolger in der hierarchisch organisierten Mafia Siziliens ist.
GuiseppeBellocco, 59, zählt wie die übrigen Mafiabosse zu den 30 größten Verbrechern Italiens. Aufnahmen von ihm sind Mangelware.
Am 7. Juli ging der Anführer der ’Ndrangetha, die auch für die Morde in Duisburg verantwortlich gemacht wird, ins Netz der Polizei.
Spezialeinheiten überwältigten ihn im Keller-Verließ eines Bauernhofs in der Nähe des Örtchens Mileto. Zehn Tage hatten sie das Landhaus observiert und sicherten den Luftraum mit Hubschraubern, bevor sie Belloco
nach zehn Jahren Fahndung erwischten.
Ihm werden mehr als
30 Morde zur Last gelegt, außerdem Drogenhandel und Erpressung. Offenbar vereinigte sich unter seiner Führung der Clan der Bellocco mit der Familie Pesce zur gefährlichsten Untergruppierung der ’Ndrangetha, der „Cosa Pesce-Belloco“. Die Ermittler erklärten nach seiner Verhaftung, die
militärisch organisierte Struktur der Clans in Kalabrien habe einen schweren Schlag erlitten.