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Umweltschützer kritisieren Italien: Mafia versenkte Giftfässer im Mittelmeer

zuletzt aktualisiert: 21.09.2009 - 09:47

Rom (RPO). Die italienische Mafia missbraucht das Mittelmeer offenbar schon seit Jahrzehnten als Deponie für giftige Abfälle, darunter auch radioaktive Fässer. Umweltschützer werfen dem italienischen Staat Desinteresse bei der Aufklärung vor.

Das Bild zeigt die ein Fass mit Giftmüll. Offenbar missbrauchte die Mafia das Mittelmeer jahrelang als Müllabladeplatz.  Foto: REGIONE CALABRIA, AFP
Das Bild zeigt die ein Fass mit Giftmüll. Offenbar missbrauchte die Mafia das Mittelmeer jahrelang als Müllabladeplatz. Foto: REGIONE CALABRIA, AFP

Jahrelang hat ihn kaum einer ernst genommen, aber jetzt haben sich Sebastiano Venneris schlimmste Befürchtungen bestätigt: 28 Kilometer vor der Küste entdeckte die Staatsanwaltschaft von Paola in Kalabrien das Wrack der "Cunsky". Ihre Ladung: 120 Behälter voller Atommüll. Nach Aussagen eines geständigen Mittäters hatten die Mafiosi das Schiff in den 90er Jahren dort versenkt. Es ist wohl nur der Beginn einer Enthüllungsstory, die sich bereits wie ein Fass ohne Boden ausnimmt. Unter den Wogen des Mittelmeers lagert jede Menge Gift, mindestens seit 1992 und ohne jede Überwachung.

Venneri ist Vize-Chef der Umweltorganisation Legambiente, die schon seit dem Jahr 1994 versucht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Mafia-Praktiken mit den toxischen Abfällen zu lenken. Es bedurfte jedoch der Aussage eines reumütigen Verbrechers, bis die Ermittler Anfang September ihren erschreckenden Fund in 500 Meter Tiefe machten. Mittlerweile geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass es noch mindestens 32 weitere Fälle gibt.

"Es war im Januar, ungefähr halb acht Uhr abends", erinnerte sich der ehemalige Angehörige der kalabresischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta, als er 2006 vor der Mailänder Staatsanwaltschaft sein Geständnis zur Versenkung der "Cunsky" zu Protokoll gab. "Wir hatten Sprengkapseln dabei", fuhr er fort, und schilderte dann, wie die Organisation den Frachter zum Sinken brachte. Der Sprengstoff sei aus den Niederlanden gekommen, der Atommüll sei norwegischen Ursprungs gewesen, fügte er noch hinzu. Und dann verriet er den Ermittlern, wo genau sie die "Cunsky" vor der Küste Kalabriens suchen müssten. Mehr als drei Jahre später, am 12. September 2009, entdecken sie schließlich das Wrack.

Unter den Augen der italienischen Armee

Doch der Mafia-Aussteiger war damit noch nicht am Ende seiner Enthüllungen angelangt. In der Woche nach dem Fund berichtete er der italienischen Presse von weiteren Aktivitäten des organisierten Verbrechens. So habe die 'Ndrangheta tausende Fässer mit radioaktivem Inhalt nach Afrika gebracht. Unter den Augen der italienischen Armee seien diese im damals von Italien kontrollierten Hafen des somalischen Bosasso zum Verschwinden gebracht worden.

Auch als an der Nordküste Siziliens Atommüll aus dem 1995 gesunkenen Frachter "Koralin" gefunden wurden, schien das die italienischen Behörden nicht sonderlich zu interessieren. Das Justizministerium in Rom schloss damals die Akten. Ein ehemaliger Staatsanwalt aus Kalabrien wirft dem Ministerium außerdem vor, die Bereitstellung von 50.000 Euro für nähere Ermittlungen "ohne die geringste Erklärung" verweigert zu haben. Vielleicht sei der italienische Staat nur sorglos, sagt Umweltschützer Venneri dazu. "Man sollte aber auch die Möglichkeit nicht verkennen, dass die Affären unter den Teppich gekehrt werden sollten."

Für die Badegäste des Mittelmeers besteht nach Venneris Aussage durch die giftigen und strahlenden Abfälle keine unmittelbar Gefahr. Anders sieht es jedoch mit der Tierwelt aus - und damit im weiteren Verlauf der Nahrungskette auch für Menschen. Wer Fisch aus dem Mittelmeer verspeise, der "riskiert es, giftige Stoffe auf dem Teller wiederzufinden", sagt Venneri.

Quelle: AFP/sdr

 
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