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Experten untersuchen Wrackteil
Eine Nummer und eine Tasche könnten zu Flug MH370 führen

Fotos: Gehört das Wrackteil von La Reunion zum Flug MH370?
Fotos: Gehört das Wrackteil von La Reunion zum Flug MH370? FOTO: afp, MM
Sydney. Schon mehrfach hat das Meer Wrackteile angeschwemmt, von denen Experten einen Hinweis auf Flug MH370 erhofften. Jedes Mal vergeblich. Nach dem Fund auf La Réunion ist die Lage anders. Mehrere Anhaltspunkte lassen Experten hoffen.

Sie halten eine Verbindung zwischen dem Flugzeugwrackteil im Indischen Ozean und dem auf mysteriöse Weise verschwundene Flug MH370 für möglich. Analysen und Modellrechnungen über den möglichen Absturzort bestätigten dies, teilte die australische Regierung am Donnerstag mit. Am Donnerstagmorgen fand ein Helfer zudem eine verwitterte Tasche. Auch über sie lässt sich möglicherweise eine Verbindung herstellen.

Australiens Verkehrsminister spricht von einer "realistischen Möglichkeit", dass das angeschwemmte Wrackteil in La Réunion zum verschwundenen Flug MH370 gehört. Der Fund sei eine bedeutende Spur, sagte Warren Truss bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Australien koordiniert die Suche nach dem am 8. März 2014 verschwundenen Flugzeug von Malaysia Airlines im Indischen Ozean.

Mehrere Anhaltspunkte denkbar

An dem Wrackteil, das eine Flügelklappe zu sein scheine, sei die aufgedruckte Nummer BB670 gefunden worden, sagte Truss weiter. Das sei keine Serien- oder Registrierungsnummer, aber vielleicht eine Wartungsnummer. Auch diese könne helfen, die Herkunft des Flugzeugteils herzuleiten. Zudem wies Truss auf eine eingestanzte Nummer hin, mit der man die Flugklappe genau zuordnen könne. Das werde aber noch einige Zeit dauern.

tagesschau.de zitiert in der Sache den amerikanischen Flugexperten Greig Feith. Ihm zufolge gibt  es noch weitere Möglichkeiten, die Flugklappe zuzuordnen: "Die Lackierung gibt einen Hinweis, die Art des Farbaufstrichs, dann natürlich der Aufbau des Flügelteils und dann natürlich die Seriennummer, falls eine gefunden wird."

Mehrere Stimmen gehen mittlerweile davon aus, dass das Wrackteil von einer Boeing 777 stammt. Das würde auch zu Flug MH370 passen. "Es ist so gut wie sicher, dass die Flügelklappe von einer Boeing 777 stammt", sagte der malasische Vize-Verkehrsminister Abdul Aziz Kaprawi der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Untersuchungsteam sei auf dem Weg nach La Reunion. Auch US-Ermittler wollen auf Fotos ein Merkmal entdeckt haben, das auf eine Boeing 777 hinweise, berichtete der US-Sender CNN.

Auch die Muscheln geben Hinweise

Truss dämpfte alletrdings die Hoffnungen, mit Hilfe des am Mittwoch angeschwemmten Trümmerteils rasch den Absturzort und damit den Rumpf der Maschine ausfindig machen zu können. "Wenn es von MH370 stammt, hat dieses Wrackteil mehr als ein Jahr im Wasser getrieben. Das ist nicht sehr hilfreich beim Versuch herauszufinden, wo das Flugzeug genau ist", sagte er vor Journalisten. Allerdings deuteten die Strömungsmodelle darauf hin, dass man im richtigen Gebiet suche.

Australische Meeresbiologen schauten außerdem, ob die Muscheln auf dem etwa zwei Meter langen Teil dazu passen, dass MH370 mehr als 16 Monate lang im Wasser getrieben haben müsste. Truss warnte allerdings: Selbst wenn die Flügelklappe vom verschwundenen Flugzeug stamme, wisse man noch immer nicht, wo der Rumpf liege. Aber man könne nachvollziehen, ob die Suchmannschaften "ungefähr am richtigen Ort" unterwegs seien.

Der Ozeanograf David Griffin sagte dem australischen Rundfunksender ABC, Meeresströmungen und Winde könnten schwimmende Teile Tausende Kilometer weit zur Insel La Réunion vor der Küste Afrikas bringen. Dort war eine große Flügelklappe eines Flugzeugs aufgetaucht. Die Malaysia-Airlines-Maschine mit 239 Menschen an Bord war vor mehr als einem Jahr spurlos verschwunden.

4000 Kilometer entfernt

Ermittler des Flugzeugbauers Boeing arbeiten an der Identifizierung des angespülten Wrackteils. Nach Berichten lokaler Medien war das zwei Meter lange Tragflächenstück an der Küste im Osten der zu Frankreich gehörden Insel im Indischen Ozean gefunden worden.

Das Flugzeug war am 8. März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur in Südostasien nach Peking vom Radar verschwunden. Das Flugzeug flog nach den Ermittlungen noch sieben Stunden nach dem letzten Radarkontakt Richtung Süden, wie automatische Satellitensignale nahelegten. Ermittler gehen bislang davon aus, dass die Maschine westlich von Australien abstürzte, als das Benzin ausging. Niemand weiß, was an Bord passiert ist. Die Piloten hatten nie Probleme gemeldet oder Alarm geschlagen.

Zwischen dem Fundort und der Position, von der das letzte Signal der Maschine aufgefangen wurde, liegen rund 4000 Kilometer. Schiffe mit Unterwasser- und Sonargeräten suchen seit mehr als einem Jahr in einem riesigen Gebiet des Indischen Ozeans nach dem Wrack. Es ist eine der abgelegendsten Meeresregionen der Welt. Das Wasser ist dort teils 6000 Meter tief. 55 000 Quadratkilometer sind bislang ergebnislos abgesucht worden, wie die australische Koordinationsstelle für die Suche (JACC) mitteilte.

Wohl keine Explosion

Strömungen und Wind würden Wrackteile vom Suchgebiet zuerst nach Norden tragen, sagte Ozeanograf Griffin bei ABC weiter. Von dort würde alles, was aus dem Wasser ragt, entlang des Äquators nach Westen treiben. "Und La Réunion liegt sehr nah am Äquator." Der Luftfahrtforscher Peter Marosszeky von der Universität von New South Wales sagte ABC, die Bestimmung des Wrackteils müsste eigentlich schnell gehen. Jedes Teil trage normalerweise eine sicher befestigte Edelstahlplatte mit Nummern.

Das gefundene Tragflügelteil sehe nicht so aus, als sei es durch eine Explosion vom Rumpf getrennt worden, sagte John Cox, Chef der Luftfahrt-Consultingfirma Safety Operating Systems, dem US-Sender NBC. Sollte das Teil zu der vermissten Boeing gehören, deute dies auf eine "sanfte Landung" hin, wahrscheinlich auf dem Wasser.

Malaysia Airlines wollte sich an Spekulationen über den Fund zunächst nicht beteiligen. "Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren", teilte Malaysia Airlines in Kuala Lumpur mit. Auch die malaysische Regierung warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen, ehe es nicht eindeutige Beweise gebe.

Angehörige bleiben zurückhaltend

Die Mehrheit der Passagiere von MH370 stammte aus China. Angehörige äußerten sich skeptisch über den Fund. Viele fürchten, es handele sich nur um ein Gerücht und warten auf eine offizielle Bestätigung.
"Es ist so weit weg, wo sie das Teil gefunden haben", wunderte sich Liu Dongliang, dessen Bruder an Bord der Maschine war. "Die Nachricht kommt nicht von einer offiziellen Quelle, deswegen bezweifle ich, dass es wahr ist", sagte Liu Dongliang am Donnerstag telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking. "Ich will meinen Bruder zurück."

Auch Chen Pu, dessen Frau in dem Flugzeug war, sagte: "Es ist wieder ein Gerücht wie so viele Gerüchte davor. Ich glaube es nicht und würde empfehlen, keine Gerüchte zu verbreiten." Die Angehörige Mei Ling sagte: "Ich habe das Verbindungsbüro angerufen. Es ist nicht bestätigt, dass es ein Wrackteil von MH370 ist." Es würde ihr auch nicht reichen. Sie wolle wissen, wo die Menschen aus dem Flugzeug seien - "nicht nur irgendwelche Teile eines Flugzeuges", sagte sie.

(dpa REU)
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