Massaker von Las Vegas

Paddock überwies Freundin 100.000 Dollar auf die Philippinen

FOTO: rtr, HK/CLH/

Las Vegas. Der mutmaßliche Todesschütze von Las Vegas hatte seine Tat offenbar akribisch geplant. Nun gerät auch die Freundin von Stephen Paddock in den Fokus der Ermittler.

Nach Ansicht der Polizei traf Stephen Paddock umfangreiche Vorkehrungen, bevor er am Sonntag auf die Festival-Besucher in Las Vegas schoss. Er nehme an, dass der 64-Jährige Überwachungskameras innerhalb und außerhalb der Suite im 32. Stock des Hotels angebracht habe, um den Flur vor seinem Zimmer zu überwachen, sagte Sheriff Joseph Lombardo am Dienstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Der Schütze haben offenbar sehen wollen, ob sich jemand seinem Zimmer näherte.

Las Vegas - Schießerei in Casino-Hotel Mandalay Bay FOTO: dpa, wie

Eine Kamera sei auf einem Esswagen des Zimmerservice vor dem Raum platziert worden, sagte Lombardo weiter. Eine weitere Kamera sei am Türspion angebracht gewesen. Ein Sicherheitsmann des Hotels, der sich am Sonntag dem Raum näherte, als die tödlichen Schüsse auf die Menschen fielen, sei durch die geschlossene Tür ins Bein geschossen worden. Der Fakt, dass Paddock die Menge an Waffen in seinem Raum hatte, lasse darauf schließen, dass die Tat genau geplant war.

100.000 Dollar an Freundin überwiesen

"Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er alles, was er tat und seine Handlungen abschätzte", sagte Lombardo. In dem Hotelzimmer waren 23 Schusswaffen gefunden worden, zudem Munition und Vorrichtungen, um eigentlich halb-automatische Waffen zu Automatischen umzubauen. Auch ein Computer wurde sichergestellt. In Paddocks Haus in Mesquite waren 19 Waffen, in seinem Haus in Reno sieben entdeckt worden.

Wie Lombardo weiter bestätigte, laufen Gespräche mit der Freundin des Täters. Marilou Danley war zur Tatzeit nicht in den USA. Australischen Medienberichten zufolge war sie mit Freundinnen im Urlaub auf den Philippinen. Die 62-jährige Frau sei im September eingereist, bestätigte ein Sprecher der philippinischen Bundespolizei NBI. Später habe sie dort eine Überweisung in Höhe von 100.000 Dollar (umgerechnet 85.193 Euro) von Paddock erhalten.

Danley kehrt in die USA zurück

Die US-Ermittler erhoffen sich von der Australierin Aufklärung über die Motive des 64-jährigen Mannes, der am Sonntagabend von seinem Hotelzimmer in Las Vegas aus 58 Besucher eines Country-Festivals erschoss und hunderte verletzte. Lombardo nannte Danley eine "Person von Interesse". So bezeichnen Ermittler Menschen, von denen sie sich wichtige Informationen versprechen, die aber gegenwärtig nicht zwangsläufig als Tatverdächtige eingestuft werden.

Die tödlichsten Angriffe und Amokläufe in den USA FOTO: dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Danley traf am späten Dienstagabend in den USA ein. Die 62-Jährige sei in Los Angeles angekommen, berichtete die "New York Times". Sie soll dem Vernehmen nach noch am Mittwoch befragt werden. Er erwarte bald Informationen von Danley, hatte Sheriff Lombardo zuvor gesagt. Er sei zuversichtlich, dass die Behörden das Motiv Paddocks offenlegen könnten.

Country-Musiker Jason Aldean, der gerade auf der Bühne des Festivals stand, als das Massaker begann, sagte drei geplante Auftritte ab. Die für das Wochenende geplanten Shows in den US-Städten würden aus Respekt vor den Opfern von Las Vegas nicht stattfinden, erklärte der Musiker in einer Mitteilung. Es sei eine emotionale Erfahrung für alle Beteiligten gewesen und er brauche nun Zeit, um zu trauern und seiner Familie und Freunden nah zu sein.

(wer/ap/dpa)

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