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Jakarta Anschläge
  Foto: AP, AP
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Terror in Jakarta: Experte ist sich sicher: Meistgesuchter Terrorist steht hinter Attentaten

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 18.07.2009 - 09:24

Jakarta/Düsseldorf (RPO). Die indonesische Hauptstadt Jakarta befindet sich im Schockzustand: Bei zwei zeitgleichen Bombenanschlägen auf Luxushotels wurden mindestens neun Menschen getötet. Nach Erkenntnissen der Ermittler tragen die Selbtsmordattentate klar die Handschrift der von dem Islamisten Noordin Mohammed Top geführten Splittergruppe der Terrororganisation Jemaah Islamiya.

Die Vorgehensweise belege, dass die Attentate "eindeutig mit Noordin M. Top in Verbindung stehen", zitierte die Nachrichtenagentur Antara am Samstag den Chef des Antiterrorstabs im Sicherheitsministerium in Jakarta, Ansyaad Mbai. Top gilt als Drahtzieher mehrerer Anschläge in den vergangenen Jahren.

Laut Experten zog er als einer der Hauptverantwortlichen bei den verheerenden Anschlägen auf Bali im Jahr 2002 und auf das Hotel Marriott in Jakarta im Jahr 2003 im Hintergrund die Fäden. Auf Bali wurden damals 202 Menschen getötet, im Marriott-Hotel zwölf Menschen. Seither ist Top der in Indonesien meistgesuchte Extremist. 

Seit Freitag sind die Hotels eine Trümmerwüste

Zwei gewaltige Sprengsätze haben die indonesische Millionenmetropole Jakarta aus ihrem friedlichen Alltag gerissen. Binnen weniger Minuten wurden mindestens neun Menschen getötet, über 50 weitere verletzt und zwei Luxushotels zum Teil zerstört. Das Ritz-Carlton und das benachbarte Marriott gleichen einer Trümmerwüste. Die Fassade der beiden Hotels wurden von der Wucht der Detonation teilweise weggerissen, dichte Rauchwolken stiegen zum Himmel empor. Die Straße vor den Hotels war von Trümmern und Glassplittern übersät.

Die Angaben übwer die Zahl der Toten schwankte noch am Samstagmorgen. Laut der Nachrichtenagentur AP gab es acht Tote, darunter seien nach Angaben der indonesischen Regierung vier Ausländer. Fünf der Toten seien identifiziert worden, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag mit. Dabei handele es sich um zwei Australier sowie je eine Person aus Neuseeland, Singapur und Indonesien.

Nachdem sich der erste Rauch gelegt hat, beginnt die Ursachenforschung. Wer steckt hinter den Anschlägen? Und was wollen die Urheber damit bezwecken?  Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, bei denen die Polizei von Selbstmordattentaten ausgeht. Ein Überwachungsvideo aus dem Ritz-Carlton zeigt einen Mann mit Rucksack und Koffer, der kurz vor der Explosion das Restaurant betritt.

Islamisten im Verdacht

In dem vom örtlichen Fernsehsender TV One ausgestrahlten Video ist der Mann mit Anzug und Baseball-Kappe zu sehen, wie er ins Restaurant geht und dabei sehr unbeholfen wirkt. Den Anschlag im Marriott legt die Polizei einem Attentäter zur Last, der sich als Hotelgast tarnte und so ins Café des Hotels gelangte. Dort habe er eine mitgebrachte Bombe gezündet, sagt Polizeichef Wahyono. Diese ersten Erkenntnisse, die Koordination der Explosionen und die Auswahl der Ziele lassen ahnen, dass keine Anfänger am Werk waren.

In Indonesien fällt der Verdacht sofort auf eine Organisation: Jemaah Islamiyah. Regierungssprecher Dino Patti Djalal ließ zunächst offen, ob das Terrornetzwerk involviert ist. Für den indonesischen Terrorismusexperten Rohan Gunaratna war die Angelenheit in einer ersten Analyse: "Die einzige Gruppe mit der Absicht und dem Potenzial, Angriffe auf westliche Ziele auszurichten, ist Jemaah Islamiyah."Trotz des harten Durchgreifens der indonesischen Sicherheitskräfte in den vergangenen Jahren sei sie "immer noch eine sehr fähige Terrororganisation".

Die Organisation ist nicht unbekannt: Jemaah Islamiyah (deutsch: "Islamischer Weg") soll für die verheerenden Anschläge auf der indonesischen Urlausbinsel Bali verantwortlich sein, bei denen 2002 über 200 westliche Touristen ums Leben kamen. Schon 2003 explodierte eine Autobombe vor dem Mariott und tötete zwölf Menschen. Im aktuellen Fall spricht auch die hohe Zahl von Ausländern, die Opfer des Anschlags wurden, für eine Verwicklung der Jemaah Islamiyah. Die Hotels dürften als "weiche Ziele" mit einer vergleichsweise geringen Sicherung gezielt ausgesucht worden sein. 

Erst am Donnerstag hatten australische Experten des Strategic Policy Institute vor neuen Anschlägen durch radikale Splittergruppen der Organisation gewarnt.

Traum vom islamischen Gottesstaat

Aber was wollen die Attentäter? Indonesien ist mit seinen rund 240 Millionen Einwohnern in einem besonderen Spannungsfeld. Über 80 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. In großen Teilen des Landes wird ein liberaler Islam praktiziert, doch in einigen wenigen Regionen gilt die Scharia. Jemaah Islamiyah kritisiert den Liberalismus vieler Muslime und fordert eine strengere Auslegung der Religion. 

Damit liegt das Netzwerk auf einer Linie mit Al Kaida und der philippinischen Extremistengruppe Abu Sayyaf, zu denen angeblich Kontakte bestehen. Nach Angaben des US-Thinktanks "Council on Foreign Relations" strebt die Organisation eine Vereinigung der islamischen Staaten in der Region an.

Doch dieses Ziel ist in weiter Ferne. Lange Zeit war es ruhig um die Jemaah Islamiyah, da die Regierung den Kampf gegen den Terror verschärft hatte. Seit fast vier Jahren hat es Indonesien keinen größeren Terroranschlag mehr gegeben. Die Regierung wertete dies als Erfolg ihrer Sicherheitspolitik. Sprecher Djalal räumte deshalb ein, dass die jüngsten Attentate einen Rückschlag markierten. Er fügte aber hinzu: "Der Präsident hat seinen Ruf mit seiner Anti-Terror-Politik begründet. Er wird jeden jagen, der dahinter steckt - da sollte sich niemand täuschen."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte unterdessen, dass "die Täter und Hintermänner" gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Sein Ministerium bemühte sich derweil um Informationen über mögliche deutsche Opfer. Derzeit gebe es dafür keine Hinweise, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittag in Berlin. Die deutsche Botschaft in Jakarta sei eingeschaltet.

Mit Agenturmaterial.

Quelle: AP

 
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