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Unglück in Saudi-Arabien
Hadsch führt mehr als 700 Pilger in den Tod

Hadsch fordert in Mina 717 Menschenleben
Hadsch fordert in Mina 717 Menschenleben FOTO: ap
Mina. Die muslimische Pilgerfahrt Hadsch nach Mekka hat erneut für Hunderte Gläubige tödlich geendet. Bei einer Massenpanik kamen am Donnerstag in Mina mindestens 717 Menschen ums Leben, wie das saudi-arabische Direktorium für Zivilschutz mitteilte.

Mindestens 800 weitere Pilger seien bei dem Unglück in Mina verletzt worden. Zu der fünftägigen Pilgerreise sind auch in diesem Jahr rund zwei Millionen Menschen aus aller Welt in Mekka zusammengekommen.

Bei den Massenveranstaltungen kommt es trotz der umfassenden Sicherheitsmaßnahmen immer wieder zu Unfällen und Tragödien. In diesem Jahr sind rund 100.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Gerade in Mina, einem großen Tal rund fünf Kilometer vor den Toren Mekkas, gab es in der Vergangenheit schon mehrfach Tote in den Menschenmassen. An dem Ort wird als Teil des Ritus während der Pilgerfahrt immer am ersten Tag des islamischen Opferfestes symbolisch der Teufel gesteinigt. Kieselsteine werden dabei auf drei Steinwände geworfen. In Mina sind außerdem mehr als 160.000 Zelte aufgestellt, in den die Pilger übernachten.

Panik an der Dschamaratbrücke 

Zu der Panik kam es am Vormittag, als die Pilger auf dem Weg zu der großen, mehrstöckigen Dschamaratbrücke waren. Sie war erbaut worden, um den durch die Massen erzeugten Druck zu mildern und Pilger davor zu schützen, niedergetrampelt zu werden. Mehr als 220 Rettungswagen und 4000 Mitglieder von Rettungsteams wurden zur Hilfe geschickt.

Auf Amateurvideos in den sozialen Netzwerken sind grausame Szenen mit unzähligen Leichen zu sehen. Männer in weißen Gewändern liegen auf einer sonnenüberfluteten Straße inmitten zerdrückter Rollstühle und Wasserflaschen. Auf von den Behörden veröffentlichten Fotos sind Helfer zu sehen, die die Verletzten auf Tragen betten und sie zu Krankenwagen bringen.

2006 wurden 360 Pilger getötet

Das Unglück war das schlimmste seit 2006. Damals wurden bei einer Massenpanik in derselben Gegend mehr als 360 Pilger getötet. Vor knapp zwei Wochen erst stürzte ein Kran auf die Große Moschee in Mekka. Mindestens 111 Menschen starben, rund 400 wurden verletzt. Die Behörden hatten außergewöhnlich starken Wind für das Unglück verantwortlich gemacht.

1990 ereignete sich die bislang schlimmste Katastrophe im Zuge der Hadsch-Festlichkeiten. In einem überfüllten Fußgängertunnel zu den heiligen Stätten in Mekka kam es zu einer Massenpanik. 1426 Pilger wurden in den Tod gerissen.

Pilger umkreisen die Kaaba

Die diesjährige Wallfahrt hatte am Dienstag begonnen, Pilger umkreisten dabei die Kaaba, das würfelförmige Gebäude im Zentrum der Großen Moschee. Am Mittwoch begingen die Muslime den Höhepunkt der Wallfahrt am Berg Arafat, der sich rund 20 Kilometer östlich von Mekka befindet.

Der Hadsch ist eine der fünf Säulen des Islam. Der Islam schreibt vor, dass jeder gläubige und gesunde Muslim in einmal im Leben mitmacht und dabei den Weg nachvollzieht, den der Prophet Mohammed einst ging. Pilger nehmen dafür nicht nur körperliche Strapazen auf sich, sondern sparen oftmals viele Jahre, um sich diese Reise leisten zu können. Als Anerkennung dafür werden sie anschließend mit dem Titel "Hadschi" geehrt.

(ap)
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