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Messerattacke in Ägypten
Opfer in Hurghada waren zwei Frauen aus Niedersachsen

Messerattacke in Ägypten: Zwei Frauen aus Niedersachsen sterben
Ein Strand am Roten Meer in Hurghada (Archivbild) FOTO: afp
Hurghada. Bei der Messerattacke im ägyptischen Urlaubsort Hurghada am Roten Meer sind zwei deutsche Frauen getötet worden. Sie kommen aus Niedersachsen, bestätigte das dortige Innenministerium.

"Die Nachricht von dem heimtückischen Messerattentat im ägyptischen Badeort Hurghada, dem am gestrigen Freitag zwei Frauen aus Niedersachsen zum Opfer gefallen sind, macht mich sehr betroffen", sagte dazu Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Angaben eines Sprechers der Staatskanzlei. "Es ist immer wieder unbegreiflich, warum Täter derart sinnlose Gewalttaten gegenüber friedlichen Menschen ausüben. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer, denen ich viel Kraft wünsche. Ich gehe davon aus, dass die ägyptischen Behörden alles Notwendige unternehmen."

"Traurig, bestürzt und wütend"

Zuvor war vom Bundesinnenministerium bestätigt worden, dass zwei deutsche Urlauberinnen unter den Opfern waren. Nach allem, was bislang bekannt sei, sollte die Tat gezielt ausländische Touristen treffen, "ein besonders hinterhältiger und verbrecherischer Akt, der uns traurig, bestürzt und wütend zurücklässt", sagte eine Ministeriumssprecherin am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.

Mitarbeiter der Deutschen Botschaft Kairo seien vor Ort und stünden mit den ägyptischen Behörden in Kontakt. Mit Blick auf die Opfer fügte die Sprecherin hinzu: "Unser tiefempfundenes Beileid gilt in diesen schweren Stunden ihren Familien und Freunden."

Der Angreifer habe bei der Bluttat am Strand einer Hotelanlage zwei  Deutschte und vier weitere Menschen verletzt, hatte der staatliche ägyptische Informationsdienst (SIS) bereits am Freitagabend mitgeteilt. Bei den weiteren Opfern soll es sich ebenfalls um Ausländer handeln. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Die Deutsche Presseagentur meldet unterdessen unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Angreifer soll der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört haben. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht.

Wer ist der Täter?

Einem Medienbericht zufolge soll es sich bei dem Messerstecher um einen 27 Jahre alten Studenten handeln. Er habe bisher keine Vorstrafen gehabt, meldete die ägyptische Zeitung "Al-Masry al-Youm" am Samstag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Demnach stammt der Mann aus dem Nil-Delta im Norden Ägyptens. In seinem Heimatort habe er einen gute Ruf, zitiert das Blatt einen Verantwortlichen aus dem Sicherheitsapparat. Offiziell bestätigt sind diese Aussagen bisher jedoch nicht.

Auch über die Identität der deutschen Opfer gehen die Aussagen noch auseinander: Ein mutmaßlicher Bekannter der getöteten Frauen hatte der Nachrichtenagentur dpa gesagt, es habe sich bei den deutschen Opfern - anders als zunächst berichtet - nicht um Urlauberinnen gehandelt, sondern um dauerhafte Bewohnerinnen Hurghadas. Er habe die beiden persönlich gekannt, sagte der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, Peter-Jürgen Ely, am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Eine weitere Bekannte von ihm habe die Frauen nach der Tat identifiziert.

Immer wieder Anschläge

Der Tourismus in Ägypten kämpft seit den gesellschaftlichen Unruhen und dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im Jahr 2011 mit Problemen. Immer wieder kam es zu Anschlägen, die sich nicht nur gegen Sicherheitskräfte, sondern auch gegen Touristen richteten. Vor zwei Jahren stürzte zudem eine russische Passagiermaschine kurz nach dem Start aus dem Ferienort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel ab. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) behauptete später, das Flugzeug mit 224 Menschen an Bord durch eine Bombenexplosion zum Absturz gebracht zu haben.

Der Konsul der deutschen Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sowie ein Beamter des Bundeskriminalamtes wurden noch in der Nacht in Hurghada erwartet. Unter anderem sollen sie den Tatort besichtigen und die Rückführung der Leichen in die Wege leiten. Außerdem sollen Aufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet werden, wie die Deutsche Presse-Agentur vom Hotelmanagement erfuhr.

Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums war der Angreifer von einem öffentlich zugänglichen Küstenstreifen aus an den Hotelstrand geschwommen und dort mit dem Messer auf Touristengruppen losgegangen. Die ägyptische Nachrichtenseite "Al-Masry Al-Youm" meldete unter Berufung auf den Manager des Hotels "El Palacio", der Täter habe zunächst an einem benachbarten Hotelstrand Urlauber attackiert, bevor er sich zum Strand seiner Anlage weiterbewegte. Dort sei er von Sicherheitsleuten und Gästen überwältigt worden.

"Feige und niederträchtige Tat"

Fotos im Internet zeigten, wie der außer Gefecht gesetzte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Wer der Mann ist und was ihn zu der Tat bewegte, war auch Stunden nach dem Vorfall noch offen.

Auf einem anderen Bild, das ägyptische Medien verbreiteten, liegt eine blutverschmierte Touristin mit Bikini und Sonnenbrille auf einem Sofa in einer Hotellobby.

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Angriff. "Diese feige und niederträchtige Tat, die sich gezielt gegen Urlauber gerichtet zu haben scheint, die einfach nur eine unbeschwerte und erholsame Zeit am Meer verbringen wollten, verurteilen wir auf das Schärfste", erklärte ein Sprecher des Ministeriums. "Wir trauern mit den Familien der Opfer und hoffen, dass alle, die bei dem Angriff verletzt worden sind, rasch und vollständig wieder gesund werden."

Auch der Sprecher der Bundesregierung kondolierte auf Twitter:

Zur Herkunft der verletzten Urlauber gab es unterschiedliche Angaben.
Die Agentur Tass meldete unter Berufung auf die Botschaft der Ukraine in Kairo, unter den Opfern seien - entgegen erster Berichte - keine ukrainischen Staatsbürger. Die Agentur Interfax berichtete, dass eine russische Frau verletzt worden sei und berief sich dabei auf das russische Konsulat. Das tschechische Außenministerium bestätigte, dass eine 36 Jahre alte tschechische Touristin bei der Messerattacke am Bein verletzt worden sei. Sie schwebe aber nicht in Lebensgefahr.

Hurghada ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Scharm el Scheich das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei deutschen Urlaubern beliebt. Der Badeort ist vor allem für seine durchgängig warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt bekannt, weshalb Hurghada als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer gilt.

(vek/hebu/AFP/dpa)
 
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