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Mexiko-Stadt
Chefermittler im Fall der entführten Studenten in Mexiko tritt zurück

Polizei und Militär entdecken Massengrab in Mexiko
Polizei und Militär entdecken Massengrab in Mexiko FOTO: dpa, jn mam ms
Mexiko-Stadt. Vor rund zwei Jahren wurden Dutzende junge Studenten verschleppt – jetzt ist der leitende Ermittler zurückgereten. Die Angehörigem der entführten hatten ihn heftig kritisiert. Der Spitzenbeamte bekommt einen neuen Posten. Menschenrechtler sprechen von einer Absolution.

Rund zwei Jahre nach der Entführung und mutmaßlichen Tötung von 43 Lehramtsstudenten in Mexiko ist der Chefermittler versetzt worden. Präsident Enrique Peña Nieto habe Tomás Zerón zum technischen Sekretär der Nationalen Sicherheitskommission ernannt, teilte das Innenministerium am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Zuvor hatte der Leiter der Einheit für kriminalistische Ermittlungen bei der Generalstaatsanwaltschaft seinen Rücktritt eingereicht.

Die Studenten des linken Lehrerseminars Ayotzinapa waren im September 2014 von Polizisten verschleppt und Zeugenaussagen zufolge einer kriminellen Gruppe übergeben worden. Mitglieder der Bande räumten ein, die jungen Männer getötet und verbrannt zu haben. An der offiziellen Version gibt es allerdings erhebliche Zweifel.

Menschenrechtler kritisieren Versetzung

Zerón war zuletzt in die Kritik geraten. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission warf dem Ermittler vor, eine Tatortbegehung mit einem Verdächtigen gemacht zu haben, die nicht offiziell registriert wurde. Am Tag darauf wurde an der Stelle ein Sack mit Asche und Knochenresten gefunden - die einzigen Beweisstücke, die bis heute eindeutig einem der Opfer zugeordnet werden können. Vertreter der Opferfamilien sprachen von einer Manipulation des Tatorts.

Menschenrechtler kritisierten die Versetzung von Zerón. Der Spitzenbeamte sei nun direkt dem Präsidenten unterstellt und erhalte eine Absolution, sagte der Direktor des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro Juárez, Mario Patrón, am Donnerstag im Radiosender Fórmula.

Ermittler schaffte mehrere Schläge gegen organisiertes Verbrechen

In Zeróns Amtszeit als Leiter der Ermittlungsgruppe gelangen der Generalstaatsanwaltschaft mehrere spektakuläre Schläge gegen das organisierte Verbrechen. Er koordinierte die Festnahme des Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán im Februar 2014. Der Chef des Sinaloa-Kartells brach später aus einem Hochsicherheitsgefängnis aus, konnte aber wieder gefasst werden.

Zerón war auch verantwortlich für die Festnahme des Chefs des Beltrán-Leyva-Kartells, Héctor Beltrán Leyva, im Oktober 2014 und die Befreiung von mehreren Entführungsopfern.

(isw/dpa)
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