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Kritik von Präsident Calderon: Mexiko fühlt sich wegen Schweinegrippe diskriminiert

zuletzt aktualisiert: 04.05.2009 - 07:55

Mexiko-Stadt (RPO). Mexikos Präsident Felipe Calderon hat einige Staaten scharf kritisiert. Wegen der Schweinegrippe würden sie gezielt gegen seine Landsleute diskriminierende Maßnahmen ergreifen. Dies geschehe aus "Unwissenheit und Fehlinformation", sagte er am Sonntag in Mexiko-Stadt, ohne ein Land beim Namen zu nennen.

Der mexikanische Botschafter in China hatte zuvor mitgeteilt, dort seien mehr als 70 Mexikaner in die Isolierstation eines Krankenhauses gebracht worden. Einige davon hätten keine Symptome der Schweinegrippe gezeigt.

Calderon kritisierte in einem Fernsehinterview China aber zumindest andeutungsweise. Er verwies darauf, dass Mexiko nicht wie andere Staaten in der Vergangenheit versucht habe, die Epidemie zu verheimlichen. China war 2003 international kritisiert worden, weil die Regierung zunächst dementiert hatte, dass es Probleme wegen der Lungenkrankheit SARS gebe.

China wies die Vorwürfe Calderons zurück. Das Außenministerium in Peking erklärte, es würden nicht gezielt Mexikaner isoliert. Man hoffe, dass Mexiko mit dem Problem "in einer objektiven und ruhigen Art umgeht".

Zahl der Schweinegrippe-Toten in Mexiko steigt auf 22

Die mexikanische Regierung hat unterdessen die Zahl der Schweinegrippe-Toten angehoben. Das Influenza-Virus vom Typ A/H1N1 sei inzwischen in 22 Fällen als Todesursache und bei 568 Erkrankten nachgewiesen worden, sagte Gesundheitsminister José Angel Cordova am späten Sonntagabend. Seine US-Kollegin Kathleen Sebelius zeigte sich trotz weiterer Erkrankungsfälle "vorsichtig optimistisch" über eine Eindämmung der Epidemie.

Laut Cordova wurden in Mexiko bisher mehr als 1500 Verdachtsfälle untersucht. In 590 Fällen sei das Virus nachgewiesen worden. Bei den 22 Toten handele es sich um 15 Frauen und sieben Männer, sagte der Gesundheitsminister. Die meisten von ihnen stammten demnach aus der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Zuletzt war von 19 Toten und 487 Erkrankten die Rede gewesen.

Inzwischen würden weniger Menschen wegen Schweinegrippe in Krankenhäusern behandelt, ergänzte Cordova. Die Erkrankungen verliefen "immer weniger ernst". Voraussichtlich werde bereits am Mittwoch die vor rund einer Woche angeordnete Schließung von Restaurants und öffentlichen Einrichtungen in Mexiko-Stadt aufgehoben. Bereits wenige Stunden zuvor hatte Cordova erklärt, dass sich die Epidemie auf dem Rückzug befinde. Nach wie vor sei aber Wachsamkeit angezeigt.

Ganz Mexiko sehnt sich nach einem normalen Alltag. Zahlreiche Menschen des katholischen Landes beteten am Sonntag trotz abgesagter Messen für ein Ende der Epidemie. Mehrere Gottesdienste wurden im Freien gefeiert. Das Fernsehen übertrug die Messe der Kathedrale von Mexiko-Stadt, die dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten wurde. Ein Pater organisierte in der Hauptstadt zudem Hausbesuche von Geistlichen bei Kranken und besorgten Familien.

Zuversicht in den USA

In den USA zeigten sich die Gesundheitsbehörden trotz einer weiter steigenden Zahl Schweinegrippe-Fälle zuversichtlich. Der Leiter des US-Zentrums für Krankheitsüberwachung und Vorbeugung (CDC), Richard Besser, sprach am Sonntag im Fernsehsender ABC von "ermutigenden Anzeichen" bei der Bekämpfung der Krankheit.

"Man muss die Dinge ins Verhältnis setzen", sagte Besser dem TV-Sender Fox. So stürben an der jährlichen Grippewelle in den USA 36.000 Menschen. Seinen Angaben zufolge wurde das Schweinegrippen-Virus inzwischen bei 226 Grippe-Patienten in 30 der 50 Bundesstaaten nachgewiesen. Am Samstag lag die Zahl der Krankheitsfälle in den USA noch bei 160, die Zahl der betroffenen Bundesstaaten bei 21.

Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius sagte dem Sender CBS, die vorliegenden Informationen über die Krankheit erlaubten es, "vorsichtig optimistisch" zu sein. Keinesfalls jedoch dürften die Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie nachlassen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde das Virus bisher in mindestens 18 Ländern nachgewiesen. Inzwischen bestätigte auch El Salvador erste Erkrankungsfälle. In Kanada, dem hinter Mexiko und den USA am drittstärksten betroffenen Land, stieg die Zahl der Infizierten auf 101. Dort war am Samstag erstmals eine Übertragung von Mensch auf Tiere nachgewiesen worden. China setzte daraufhin den Import von Schweinefleisch aus der kanadischen Provinz Alberta aus. In Ägypten kam es wegen einer umstrittenen Massenschlachtung zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Schweinezüchtern und Sicherheitskräften. Dabei wurden mindestens sieben Polizisten und acht Demonstranten verletzt.

Quelle: AP

 
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