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Zwei Babys gestorben - 1253 Kleinkinder erkrankt: Milchpulverskandal in China weitet sich aus

zuletzt aktualisiert: 15.09.2008 - 16:44

Peking (RPO). Der Skandal um verseuchtes Milchpulver in China hat wesentlich größere Ausmaße als bisher bekannt: Mindestens 1253 Babys sind nach dem Verzehr von vergiftetem Milchpulver erkrankt, zwei Säuglinge starben an der verseuchten Milch, wie das Gesundheitsministerium in Peking am Montag mitteilte.

Besorgte Eltern in China bringen ihre Babys zu einem medizinischen Check.  Foto: AFP, AFP
Besorgte Eltern in China bringen ihre Babys zu einem medizinischen Check. Foto: AFP, AFP

Insgesamt etwa 10.000 Säuglinge und Kleinkinder könnten das mit der giftigen Chemikalie Melamin belastete Produkt der Firma Sanlu getrunken haben. Damit korrigierte das Ministerium seine Angaben deutlich nach oben. Die chinesischen Behörden machen private Milch-Sammelstationen für die Verunreinigungen verantworlich. Der neuseeländische Partner des Milchpulverproduzenten Sanlu sprach von "Sabotage".

Das Wichtigste habe es jetzt, die erkrankten Kinder medizinisch zu versorgen und weitere Todesfälle zu verhindern, sagte der stellvertretende chinesische Gesundheitsminister Ma Shaowei. Die vergifteten Babys, die nach Mas Angaben aus der nordwestlichen Provinz Gansu stammten, starben bereits im Mai und im Juli. 340 Babys und Kleinkinder liegen laut Ministerium im Krankenhaus, 53 von ihnen sich in einem ernsten Zustand.

Laut der staatlichen Zeitung "China Daily" wurden bisher 19 Verdächtige in dem Fall festgenommen. Es handele sich um Mitarbeiter von Sammelstationen, die Milchlieferungen von Bauern abholen. Die Herstellerfirma Sanlu hatte zuvor Bauern beschuldigt, das Milchpulver verunreinigt zu haben.

Die neuseeländische Firma Fonterra als Anteilseigner von Sanlu sprach am Montag von "Sabotage". Sein Unternehmen habe bereits Anfang August von der Verunreinigung erfahren und Sanlu aufgefordert, das Pulver sofort vom Markt zu nehmen, sagte Fronterra-Chef Andrew Ferrier. Doch Sanlu habe sich an die chinesischen Regeln halten müssen. "Wir haben zusammen mit Sanlu alles getan, damit dass Produkt aus den Läden verschwindet", beteuerte Ferrier.

Die neuseeländische Regierungschefin Helen Clark erklärte, ihre Regierung habe am 5. September von der Verunreinigung erfahren. Drei Tage später sei die chinesische Regierung informiert worden, nachdem lokale Behörden sich geweigert hätten, zu reagieren. Das chinesische Gesundheitsministerium wies Vorwürfe zurück, die Behörden hätten zu spät reagiert.

Das Milchpulver war nach offiziellen chinesischen Angaben mit der Industriechemikalie Melamin verseucht, die eigentlich zur Herstellung von Plastik und Klebstoffen verwendet wird. Bauern und Milchbetriebe fügen das Pulver jedoch auch Milch hinzu, um betrügerisch den Proteingehalt zu erhöhen. Dies kann Nierensteine verursachen, die bei Babys normalerweise höchst selten vorkommen. Viele Frauen auf dem Land in China füttern ihre Babys mit Milchpulver, weil sie aufgrund als Wanderarbeiter ihre Kinder bei Verwandten zurücklassen und deshalb nicht stillen können. In China kommt es immer wieder zu Krankheits- und Todesfällen wegen mangelnder Produktsicherheit.

Unternehmen entschuldigt sich

Der Hersteller des verunreinigten Milchpulvers in China hat sich bei den Konsumenten und den Angehörigen von erkrankten Kindern entschuldigt. Der Vizepräsident der Sanlu-Gruppe, Zhang Zhenling, verlas am Montag während einer Pressekonferenz in Shijiazhuang eine entsprechende Erklärung, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Der "ernste" Zwischenfall habe zahlreichen Babys und ihren Familien Leid zugefügt. "Wir bedauern dies zutiefst", hieß es in der Erklärung. "Die Sanlu-Gruppe entschuldigt sich in aller Aufrichtigkeit."

Der Firmenvertreter teilte weiter mit, dass sämtliches Milchpulver von Sanlu, das vor dem 6. August produziert wurde, zurückgerufen worden sei. Auch das Pulver, das nach diesem Datum hergestellt wurde, werde zurückgenommen, wenn Kunden Zweifel an der Sicherheit hegten.

Quelle: afp

 
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