Airbus-Absturz über dem Atlantik: Militär findet weitere Flugzeugteile
zuletzt aktualisiert: 03.06.2009 - 17:49München (RPO). Bei der Suche nach der über dem Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine hat die brasilianische Luftwaffe weitere Trümmerteile des Flugzeuges gefunden. Nach Angaben eines Armeesprechers sichtete ein Aufklärungsflugzeug am Mittwoch große Wrackteile im Atlantik.
Sie befänden sich in einiger Entfernung zu ersten Trümmern, die am Vortag rund 1000 Kilometer vom brasilianischen Festland entfernt geortet worden waren. Die Trümmer seien im Radius von fünf Quadratkilometern verstreut. Gesichtet wurde unter anderem ein etwa sieben Quadratmeter großes Metallteil sowie eine 20 Kilometer lange Treibstoffspur, sagte Armeesprecher Jorge Amaral.
Nur wenige Tage vor dem Absturz hatte es gegen ein anderes Flugzeug der Gesellschaft in Südamerika eine Bombendrohung gegeben. Die Maschine, die am 27. Mai von Buenos Aires in Argentinien nach Paris fliegen sollte, sei darauf von der Polizei durchsucht worden, ohne dass etwas gefunden worden sei, teilte Air France am Mittwoch in Paris mit.
Die Gesellschaft sieht demnach keinerlei Verbindung zum Absturz ihrer Maschine am Montag auf dem Weg von Brasilien nach Paris. Aus Flughafenkreisen in Paris hieß es, anonyme Bombendrohungen gebe es an allen Airports der Welt "regelmäßig".
Die Ursache des Unglücks über dem Atlantik ist bisher unklar. Nach automatisch verschickten Fehlermeldungen des Flugzeugs waren mehrere Geräte ausgefallen; Air France vermutete darauf einen Blitzschlag.
Die französische Regierung schließt derzeit auch einen Terroranschlag nicht aus; in französischen Medien war spekuliert worden, Terroristen hätten laxere Sicherheitsvorkehrungen in Brasilien nutzen können, um eine Bombe an Bord zu schmuggeln.
Fünf deutsche Opfer sind identifiziert
Fünf der insgesamt 26 deutschen Opfer, die bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren, sind derweil identifiziert. Nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) handle es sich um zwei Frauen im Alter von 44 und 31 Jahren und zwei Männer im Alter von 57 und 54 Jahren aus München sowie einen 42 Jahre alten Mann aus Erlangen.
Zu den den übrigen Insassen der Air-France-Maschine, die einen Weiterflug nach München gebucht hatten, gehören demnach ein in Österreich lebender 32 Jahre alter Deutscher und dessen 27-jährige österreichische Lebensgefährtin.
Bei drei weiteren Passagieren mit einem Weiterflug nach München stehen laut LKA die Personalien noch nicht abschließend fest. Der Airbus A330 war in der Nacht zum Montag auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris verunglückt. Die Maschine hatte 228 Menschen an Bord.
Unterdessen bleibt für die Suche nach den Flugschreibern nur vier Wochen Zeit. Denn nur ungefähr dreißig Tage lang senden die Black Boxes einmal pro Sekunde einen Ortungston aus.
Suche nach Flugzeugschreibern dauert an
Und das Meer an der Absturzstelle ist bis zu 4700 Meter tief - noch nie zuvor ist eine Bergung von Flugschreibern aus derartigen Tiefen gelungen. Ohne die Aufzeichnungen der Flugschreiber dürfte die Ursache des Unglücks für immer unklar bleiben.
In den Black Boxes enthalten sind der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder. Im "Flight Data Recorder" werden in der Regel die Flugdaten der letzten 25 Stunden aufgezeichnet - von der Flughöhe über Geschwindigkeit und den Kurs bis zu Angaben zu den Triebwerken. Im Stimmenrekorder werden dagegen mindestens die letzte halbe Stunde des Funkverkehrs der Piloten, ihre Gespräche untereinander und alle Geräusche im Cockpit und an Bord gespeichert.
"Theoretisch sind die Flugschreiber dafür gebaut, Tiefen von bis zu 6000 Meter unter dem Meeresspiegel standzuhalten und durch ihre Ortungssignale gefunden zu werden", sagt Martine Del Bono, Sprecherin der französischen Flugsicherheitsbehörde BEA. Ein Stahlmantel schützt die Geräte beim Absturz, kurzzeitig müssen sie auch Temperaturen von 1100 Grad aushalten.
High-Tech im Einsatz
Neben Kriegsschiffen und U-Booten hat Frankreich für die Suche auch sein modernstes Meeresforschungsschiff losgeschickt, die "Pourquoi pas?". Es ist mit leistungsfähigen Sonar- und Radargeräten ausgestattet und hat mehrere Tauchroboter an Bord, die bis zu 6000 Meter tief den Meeresgrund absuchen können.
Doch für ihren Einsatz müssten die Suchtrupps zunächst wissen, wo die Black Boxes - die in Wahrheit orangefarben und nicht schwarz sind - ungefähr liegen. Ob ihr Ortungston erfasst werden kann, hängt nicht nur von der Tiefe, sondern auch "von der Temperatur, dem Salzgehalt und Strömungen" ab, sagt Pierre-Yves Dupuy vom Hydrografischen und Ozeanografischen Dienst der französischen Marine. Bei einem Flugzeugabsturz vor dem ägyptischen Badeort Scharm el Scheich im Januar 2004 hatte es fast zwei Wochen gedauert, bis die Flugschreiber im Roten Meer gefunden wurden - in "nur" gut 1000 Metern Tiefe.
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