Albanien: Mindestens vier Tote bei Explosion in Munitionslager
zuletzt aktualisiert: 16.03.2008 - 11:39Gerdec (RPO). Eine Explosionsserie in einem Munitionslager bei Tirana hat am Samstag mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. 243 Personen, darunter viele Kinder, wurden nach Regierungsangaben verletzt.
Die Explosionen begannen am Samstag und dauerten bis in die Nacht zum Sonntag - insgesamt 14 Stunden. Berisha sprach von einem Unfall bei der Zerstörung von überzähliger Munition.
Hunderte Soldaten und Polizisten riegelten das Gelände am Sonntag ab, über dem noch immer Rauch aufstieg. Innenminister Budschar Nischani erklärte, zum Zeitpunkt der Explosion hätten 121 Menschen in dem Munitionslager gearbeitet. Die erste Explosion in dem rund zehn Kilometer nördlich von Tirana gelegenen Dorf Gerdec löste eine Kettenreaktion aus. Noch Stunden später waren Detonationen zu hören und dies auch noch bis ins 190 Kilometer entfernte Skopje. Sie richteten auch auf dem nahe gelegenen internationalen Flughafen Tiranas Schäden an. Für mindestens eine halbe Stunde wurde der Flugverkehr unterbrochen.
Albanien hortete seit 1945 rund 100.000 Tonnen Munition
Drei Dörfer mit insgesamt 4.000 Einwohnern wurden evakuiert, wie Berisha erklärte. Auch aus den umliegenden Dörfern flohen Einwohner vor dem Inferno. In dem Gebiet fiel der Strom aus. Staatspräsident Bamir Topi rief die Bürger zur Ruhe auf, "Panik und Chaos" müssten verhindert werden. Fernsehbilder zeigten einen riesigen Feuerball über dem Lager, während Trümmerteile und Munitionssplitter auf Häuser und Autos fielen. Häuser in zwei Kilometer Entfernung wurden beschädigt.
Berisha sagte, die vom früheren kommunistischen Regime seit 1945 in Albanien gehortete Munition sei eine fortwährende Bedrohung und Gefahr. "Es gibt eine kolossale, verrückte Menge von Munition", sagte er. "Ich schließe menschliches Versagen nicht aus." In dem Depot wurde überzählige Munition zerstört. Berisha erklärte, dabei sei es zu einem Unfall gekommen. Ein terroristischer Hintergrund wurde nach Polizeiangaben nicht vermutet. Albanien lagert in ehemaligen Militärhallen nach Angaben des Verteidigungsministeriums rund 100.000 Tonnen Munition. Im vergangenen Jahr wurden 6.000 bis 7.000 Tonnen zerstört.
NATO schickt Blutkonserven
Die albanischen Behörden erklärten unter Berufung auf Augenzeugen, weil zwischen der ersten Explosion und den folgenden rund zehn Minuten vergingen, hätten viele Menschen rechtzeitig das Gelände verlassen können.
Die NATO-Friedenstruppe im benachbarten Kosovo schickte Hubschrauber und Blutkonserven zum Unglücksort. In Pristina bildeten sich lange Schlagen vor dem größten Krankenhaus, in dem die Menschen Blut spenden wollten. Auch Mazedonien bot seine Hilfe an: Außenminister Antonio Milososki flog nach Tirana, um seine Unterstützung zu bekunden und Blut zu spenden.
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