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Berichte über weitere Übergriffe
Skandal um Missbrauch in Hilfsorganisationen weitet sich aus

Missbrauch bei Oxfam und Ärzte ohne Grenzen: Skandal weitet sich aus
Logo von Ärzte ohne Grenzen (Archiv). FOTO: Jens Kalaene/dpa
Paris/London. Die Hilfsorganisation Oxfam kündigt einem Mitarbeiter wegen sexuellen Fehlverhaltens - und stellt ihn in einem anderen Land wieder ein. Auch Ärzte ohne Grenzen meldet Übergriffe.

Der Skandal um Missbrauch bei großen Hilfsorganisationen weitet sich aus. Nach Oxfam berichtet nun auch Ärzte ohne Grenzen von sexuellen Übergriffen in den eigenen Reihen. Es habe im vergangenen Jahr 24 gemeldete Fälle von Missbrauch oder sexueller Belästigung gegeben, teilte die Organisation am Donnerstag in Paris mit. Im Zusammenhang damit seien 19 Mitarbeiter entlassen worden. Nicht alle Fälle würden aber zentral gemeldet. Daher könne die tatsächliche Zahl der Übergriffe höher liegen.

Ärzte ohne Grenzen betonte in der Mitteilung, man habe sich seit Jahren der Vorbeugung von Missbrauch verschrieben. So gebe es zum Beispiel ein Meldesystem, damit Opfer schnell Hilfe suchen könnten. Trotzdem seien noch Verbesserungen nötig. Insgesamt hätten sich im vergangenen Jahr in 146 Fällen Mitarbeiter wegen Fehlverhaltens innerhalb der Organisation gemeldet, darunter waren auch Mobbing-Fälle. Die Hilfsorganisation, die medizinische Unterstützung in Krisengebieten leistet, beschäftigt mehr als 40.000 Menschen.

Die Debatte über Missbrauch in Hilfsorganisationen war in der vergangenen Woche durch Berichte über Sexpartys von Mitarbeitern der Organisation Oxfam mit Prostituierten in Haiti und im Tschad losgetreten worden. Die britische Vizechefin Penny Lawrence trat daraufhin zurück. Eine Ex-Oxfam-Managerin hatte zudem berichtet, dass Männer Sex von Frauen als Gegenleistung für Hilfen verlangt hätten.

Mitarbeiter erst entlassen, dann wieder eingestellt

Am Donnerstag gab Oxfam einen weiteren "schlimmen Fehler" zu: Ein Mitarbeiter, dem wegen sexuellen Fehlverhaltens im Erdbebengebiet von Haiti 2011 gekündigt worden war, wurde später wieder als Berater in Äthiopien eingestellt. "Das hätte nie passieren dürfen", teilte die Organisation mit. Es werde geprüft, wie es dazu kommen konnte.

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, die britische Schauspielerin Minnie Driver und der Sänger Baaba Maal aus dem Senegal gaben inzwischen ihre Ämter als Oxfam-Botschafter auf. Viele Spender stoppten bereits ihre Zahlungen für diesen internationalen Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen.

Die katholische Hilfsorganisation Cafod in Großbritannien entließ einen Mitarbeiter wegen "unangemessenen Verhaltens". Die Vorfälle ereigneten sich noch bei Oxfam, wo der Mann zuvor gearbeitet hatte. Man sei aber erst durch britische Journalisten auf die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter aufmerksam geworden, sagte Cafod-Direktor Chris Bain.

(wer/dpa)
 
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