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"Ein Gefühl der Wut und Ohnmacht" in Belgien
Missbrauchsfälle stellen Kirche auf die Probe
Brüssel (RPO). Die katholische Kirche in Belgien kämpft mit der Bewältigung der zahlreichen Missbrauchsfälle durch Geistliche. Nach langem Schweigen bekannte sich die Kirche am Montag öffentlich zu den aufgedeckten Fällen. Erzbischof Andre-Mutien Leonard versprach den Opfern Hilfe und die Bestrafung der schuldig gewordenen Priester. "Ein Gefühl der Wut und Ohnmacht" habe die Kirche ergriffen, räumte er am Montag ein. Die Krise habe die Kirche so tief getroffen, dass es unmöglich sei, einen einfachen Ausweg zu finden.

Ein am Freitag vorgelegter staatlicher Untersuchungsbericht war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Missbrauchsskandal in der Kirche weit größere Ausmaße hat als bislang bekannt. Demnach haben 488 Zeugen der Kommission ihre Qualen offenbart, das jüngste Opfer war den Angaben zufolge zwei Jahre, als es von einem Geistlichen missbraucht wurde.

13 Opfer begingen Selbstmord

Erst nach dem Rücktritt des mit Missbrauchsvorwürfen belasteten Erzbischofs von Brügge im April sei das Schweigen allmählich gebrochen worden, hieß es weiter. Familienmitglieder und enge Freunde geben in dem Bericht an, dass die Selbstmorde von 13 Opfern mit dem Missbrauch durch Geistliche zusammenhing. Etliche seien auch 50 Jahre nach dem Missbrauch noch immer traumatisiert.

In dem Bericht hieß es, dass Missbrauch in allen Bereichen der Kirche vorgekommen sei, insbesondere aber an katholischen Internaten landesweit. Die meisten Fälle ereigneten sich demnach in den 60er und 70er Jahren. Das Spektrum habe dabei von Berührungen bis hin zu Oral- und Analverkehr sowie erzwungener und gegenseitiger Masturbation gereicht.

Quelle: apd/bs
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