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Niederländische Coffee-Shops denken um: Mit Cannabis-Zerstäuber gegen das Rauchverbot

zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 07:32

Den Haag (RPO). Die einen entscheiden sich für die "Kiffkammer", andere wiederum für den Cannabis-Zerstäuber. Niederländische Coffee-Shops planen für die Einführung des Rauchverbots. Denn ab 1. Juli tritt auch in den Niederlanden ein Rauchverbot in Gaststätten in Kraft.

Seit mehr als 30 Jahren wabern Schwaden süßen Cannabis-Rauchs durch die niederländischen Coffee-Shops und zeugen von der liberalen Drogenpolitik des Landes. Wenn am 1. Juli wie schon in weiten Teilen Europas auch in den Niederlanden der Rauchverbot in Gaststätten in Kraft tritt, dürften die Zeiten des zwanglosen Kneipenkiffens aber vorbei sein. Die Inhaber von Coffee-Shops denken bereits um: Während einige Raucherräume einrichten, setzen andere auf neue Konsumformen wie den Cannabis-Zerstäuber.

Seit 1976 verkaufen in den Niederlanden speziell genehmigte Coffee-Shops sogenannte "weiche Drogen" wie Cannabis oder Pilze. Der Besitz dieser Substanzen ist zwar nicht legal, wird aber von den Behörden geduldet. Das neue Rauchverbot untersagt auch nicht den Gebrauch von Haschisch oder Marihuana, sondern gilt allein für den Tabakkonsum in öffentlichen Räumen. Anders als in den Vereinigten Staaten wird in Europa Cannabis allerdings nicht pur geraucht, sondern zumeist mit Tabak vermischt.

Coffee-Shop-Betreiber Max, dem das "Any Day" in Amsterdam gehört, setzt voll auf den Zerstäuber. Das Gerät, das in einer ähnlichen Form bereits in der Medizin zum Einsatz gekommen ist, funktioniert wie eine Wasserpfeife ohne Tabak und ohne Papier. Beim Zerstäuber verwandelt sich das Marihuana durch Druck in Rauch - der von den Rauschwilligen dann eingeatmet wird. Der Erfinder der Apparatur, Evert, rühmt sich, dass der Zerstäuber "das Bewusstsein der Konsumenten erweitert, ohne diese apathisch zu machen".

Neben Cannabis aus der Sprühflasche entscheiden sich viele Betreiber von Coffee-Shops für eine separaten Raucherraum. Im "Cremers" in Den Haag steht der Bau einer abgeschlossenen Kiffkammer ganz oben auf der Agenda. Bereits jetzt befindet sich die Verkaufsstelle in einem eigenen Raum. Andere wiederum wollen Haschisch und Marihuana künftig nur noch verkaufen und den Cannabis-Konsum in ihren Räumlichkeiten nicht mehr erlauben. So hat das "Boerejongens" in einem Amsterdamer Vorort sein Lokal kurzerhand in einen Teesalon umgewandelt. Die große Mehrzahl der Kunden komme ohnehin nur, um das "Gras" zu kaufen und rauche dann woanders, sagt Inhaber Martial van Bennekom.

Die Soziologin Nicole Maalsté glaubt, dass das mögliche Ende des Cannabis-Konsums in der Öffentlichkeit auch Risiken mit sich bringt. "In den Coffee-Shops lernen Anfänger das Kiffen von denen, die schon Erfahrung haben", sagte sie. Außerdem könnten dort Sozialarbeiter einfacher mit Konsumenten in Kontakt treten, die zu viel Drogen zu sich nähmen. Coffee-Shop-Betreiber Max befürchtet, dass gerade jungen Menschen sich Cannabis künftig auf der Straße besorgen, bei Dealern, die ihnen gleich "harte Drogen" mitanbieten würden.

Die Konsumenten selbst sehen das künftige Rauchverbot gelassen. "Uns doch egal. Dann gehen wir halt nach Hause, um zu rauchen", sagt Jorgen Ran. Allerdings bleibt die Frage, wieviel dieser Gleichgültigkeit dem bereits genossenen Cannabis zuzuschreiben ist.

Quelle: afp

 
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