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Montblanc-Massiv
Retter bringen alle in Seilbahn festsitzenden Touristen ins Tal

Montblanc-Massiv: Retter bringen alle in Seilbahn festsitzenden Touristen ins Tal
Drei der festhängenden Gondeln der Seilbahn. FOTO: ap, LB DS
Chamonix . Nach einer eisigkalten Nacht in einer über dem Montblanc-Massiv fest hängenden Seilbahn sind 33 Touristen am Freitagmorgen gerettet worden.

Sie waren die letzten von zunächst 110 Menschen, die wegen einer Panne seit Donnerstagnachmittag in fast 3800 Meter Höhe eingeschlossen waren. Rettungskräfte konnten am frühen Morgen die verhedderten Kabel der Seilbahn wieder richten, wie der Bürgermeister von Chamonix, Eric Fournier, sagte.

Anschließend seien die 33 Menschen in den wieder betriebsbereiten Gondeln zu nächstgelegenen Stationen gebracht worden. Die Geretteten, darunter drei Kinder, wurden nach Fourniers Worten nach Chamonix und in das nahe gelegene italienische Courmayeur ausgeflogen.

53 der 110 durch die Kabelpanne Eingeschlossenen konnten noch bis zum Abend mit Rettungshubschraubern aus Frankreich und dem nahe gelegenen Italien zu Boden gebracht werden. Als Nebel aufzog, musste die Rettungsaktion per Helikopter abgebrochen werden - und die Behörden griffen "Plan B" zurück: Zwölf Menschen, die sich in Gondeln nahe dem Boden befanden, leiteten Bergführer per Seil über einen Gletscher zurück.

Decken und Wasser für die Nacht

Zwölf weitere Urlauber konnten nach Fourniers Worten im Laufe der Nacht auf diese Weise ebenfalls aus Gondeln geholt werden. Die übrigen 33 mussten aber in großer Höhe bis zum Morgen ausharren, weil ihre Kabinen zu hoch für eine Rettung per Seil hingen. Fünf Rettungskräfte versorgten die Eingeschlossenen mit Decken und Wasser und standen ihnen in der kalten Bergnacht bei.

Die Seilbahn Vallée Blanche erreicht eine Höhe von 3778 Metern und verbindet in einer Fahrtzeit von 30 bis 35 Minuten den berühmten Gipfel Aiguille du Midi (3842 Meter) mit dem in Italien gelegenen Pointe Helbronner (3462 Meter). Touristen und Alpinisten bietet sich dabei normalerweise ein spektakuläres Bergpanorama.

Die noch am Donnerstagabend Geretteten sprachen von einer angespannten und riskanten Aktion. "Wir waren fast zehn Stunden in der Gondel", sagte Kathy Cook, eine Urlauberin aus dem US-Staat Michigan. Die Hubschrauber mussten den Angaben zufolge zunächst die Kabel umfliegen, die ein Risiko darstellten. Anschließend wurde ein Retter auf die Dächer der Gondel - eine Fläche "nicht größer als ein Tisch" - abgeseilt. Er gurtete dann die Passagiere für die Rettung an.

Experte: Panne ist absolute Ausnahme

Die Seilbahn-Panne am Montblanc ist aus Expertensicht ein absoluter Ausnahmefall. Eigentlich seien Seilbahnen die sichersten Verkehrsmittel der Welt, sagte Hannes Rechenauer vom Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) in München am Freitag der Deutschen Presse-Agentur, "weil alle Seilbahnen mit einem doppelten Sicherheitssystem versehen sind". Bei einem Stillstand etwa wegen eines Stromausfalls könne die Bahn in der Regel per Notstromaggregat weiterfahren. Hinzu kämen zahlreiche Checks und Wartungen. Rechenauer räumte aber ein: "Es gibt dann so außergewöhnliche Ereignisse, die dann auch alle paar Jahre mal passieren europaweit."

(felt/ap/dpa)
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