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Grausame Mordserie
Schwulen-Aktivist in Bangladesch erstochen

Dhaka. In Bangladesch hat sich in kurzem Zeittraum eine grausame Mordserie zugetragen, die kein Ende zu nehmen scheint. Mit Macheten und Messern werden Freidenker wie Buchautoren, Blogger und Professoren niedergemetzelt. Das jüngste Opfer ist ein Schwulen-Aktivist.

Die Täter hätten sich als Mitarbeiter eines Kurierdienstes verkleidet und sich so Zugang zur Wohnung von Xulhaz Mannan in der Hauptstadt Dhaka verschafft, sagte ein Polizeisprecher am Montag unter Berufung auf Augenzeugen. Seit Anfang vergangenen Jahres wurden in dem überwiegend muslimischen Land zahlreiche Religionskritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten getötet.

Human Rights Watch sieht Angriff auf Redefreiheit

Erst am Samstag war ein Universitätsprofessor auf der Straße in der Nähe seines Hauses ermordet worden. Auch zwei Ausländer - ein italienischer Entwicklungshelfer und ein japanischer Bauer - waren unter den Opfern. Zu vielen dieser Taten bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Regierung bestreitet hingegen, dass der IS in Bangladesch aktiv ist und spricht von lokalen extremistischen Gruppen.

Mehrere Männer wurden bereits festgenommen - doch die Anschläge gehen weiter. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sieht in der Serie einen Angriff auf die Redefreiheit. Mannan, das Ziel der jüngsten Attacke, war nach Angaben des bangladeschischen Nachrichtensender Somoy Television Chefredakteur des ersten Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transgender-Magazins Bangladeschs.

Das Heft mit dem Namen Roopbaan erschien erstmals im Januar 2014. Mannan arbeitete auch für die US-Botschaft in Dhaka. Sie sei "am Boden zerstört", erklärte US-Botschafterin Marcia Bernicat.

Getötete Blogger standen auf Todesliste der Extremisten

Die beiden Blogger Niloy Neel und Avijit Roy, die das Magazin in ihrem weithin bekannten Blog Muktomona lobten, wurden auf ähnliche Weise wie Mannan niedergemetzelt. Sie standen wie viele der Getöteten auf einer Liste mit 84 Namen, die Extremisten im Jahr 2013 veröffentlichten.

Daraufhin flohen einige Autoren aus dem Land, auch nach Deutschland. Angehörige sexueller Minderheiten werden in dem südasiatischen Land häufig diskriminiert. Auch per Gesetz dürften sie keinen Geschlechtsverkehr haben. Sex zwischen Homosexuellen kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden.

Etwa 90 Prozent der Bewohner Bangladeschs sind Muslime. Es herrscht generell eine liberale und säkulare kulturelle Ausrichtung - doch versuchen Islamisten, mit Terror und Einschüchterung verstärkt Druck auszuüben. Bei der Wahl 2008, bei der zuletzt islamistische Parteien zugelassen waren, erhielten diese nur geringe Unterstützung aus der Bevölkerung.

(dpa)
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