Museum in Italien

Mann versucht Ölgemälde von Hitler zu zerstören

1933 - das Jahr der Machtergreifung FOTO: AP

Salo. In einer Ausstellung in Italien ist ein von Adolf Hitler gemaltes Ölbild von einem Unbekannten attackiert worden. Der etwa 40-jährige Täter hat  offenbar gezielt nach dem Gemälde gesucht und mit einem Schraubenzieher auf die Leinwand einzustechen versucht.

Das sagte ein Sprecher des "Museo della Follia" in Salo am Mittwoch auf Anfrage. Ordner hätten den Mann davon abhalten können, das Bild zu zerstören; er sei anschließend geflüchtet. Während der Attacke hatte er "Scheißkerl" gerufen.

Das Bild habe nur kleine Absplitterungen der Farbe erlitten. Der Besitzer, ein privater Sammler in Deutschland, habe sich nach einer Prüfung des Schadens entschieden, auf eine Anzeige zu verzichten. Das etwa 35 mal 40 Zentimeter große titellose Gemälde zeigt in düsteren Umbra- und Rosttönen eine scheinbar endlose Raumflucht, im Vordergrund einen sitzenden Mann an einem Tisch und eine stehende Figur. Rechts unten trägt es die Signatur "Adolf Hitler".

Es ist das erste Mal, dass das Werk des späteren "Führers" in einer öffentlichen Ausstellung gezeigt wird. Sein Entstehungsdatum ist unklar. 1907 hatte sich Hitler erfolglos an der Wiener Kunstakademie beworben. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg hielt er sich als Kunstmaler mit Postkartenmotiven über Wasser.

In Salo ist das Hitler-Gemälde in einer thematischen Schau zu Kunst und Wahnsinn zu sehen. Dass das Bild nicht besser gegen Angriffe geschützt war, begründete der Museumssprecher mit seinem "dürftigen künstlerischen Wert" gegenüber Werken von Francisco de Goya oder Francis Bacon, die ebenfalls Teil der Ausstellung mit rund 200 Exponaten sind.

Ausstellungskurator Vittorio Sgarbi verurteilte die Attacke. Werke wie dieses seien "mit Verachtung und Distanz" zu betrachten, aber "ohne die Zensur und den Hass zu reproduzieren, den eben die Diktaturen ausdrückten", sagte er laut italienischen Medien. Hitlers Werk selbst nannte Sgarbi "das Bild eines Verzweifelten", das an Franz Kafka erinnere. Man sehe in ihm nichts Großes, nur "Elend". Insofern sage es viel über Hitlers Psyche.

Das Begleitmaterial zur Ausstellung zitiert einen Ausspruch Hitlers gegenüber dem britischen Botschafter Nevile Henderson: "Ich bin Künstler und kein Politiker. Sobald die Polenfrage gelöst ist, möchte ich mein Leben als Künstler beenden." Die Ausstellung ist bis 16. November in Salo zu sehen. Danach wechselt sie nach Neapel.

(felt/KNA)

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