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Airbus Delta Anschlag USA Weihnachten 091225
  Foto: J.P. Karas, AP
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Terrorplan an Weihnachten: Mutige Passagiere stoppen den Attentäter

zuletzt aktualisiert: 26.12.2009 - 12:29

Detroit (RPO). Der Schock sitzt noch tief bei den Passagieren des Flugs 253 von Amsterdam nach Detroit. Rund 20 Minuten vor der Landung in der Nacht zu Samstag versuchte der 23-jähriger Nigerianer, einen Sprengsatz im Flugzeug zu zünden. Doch der Anschlag schlug fehl. Passagiere überwältigten den Attentäter.

Als der Flug 253 der US-Linie Northwest Airlines bereits auf den Flughafen von Detroit zusteuerte, versuchte Abdul Faruk A., seinen mörderischen Plan in die Tat umsetzen. Der 23-Jährige entzündete Sprengstoff, den er allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz an Bord des Airbus geschmuggelt hatte, um die mehr als 280 Insassen des Linienflugs zu töten.

Dass der Terroranschlag am ersten Weihnachtstag aber fehlschlug, war wohl der Ungeschicklichkeit des Attentäters - und der Geistesgegenwart einiger Passagiere - zu verdanken: Der junge Mann, der nach eigenen Angaben mit dem Terrornetzwerk Al Qaida in Verbindung stand, fing durch den brennenden, aber nicht explodierenden Sprengstoff Feuer und wurde sofort von den Mitreisenden überwältigt.

"Erst gab es einen Knall. Alle waren ein bisschen erschrocken. Doch als wir uns umschauten, konnten wir zunächst nichts entdecken", sagte der Passagier Syed Jafry aus Ohio nach der Landung dem US-Sender CNN. Er saß nach eigenen Angaben in der 16. Reihe, drei Reihen hinter den 23-jährigen Täter, und bekam ziemlich genau mit, was sich dann weiter abspielte. "Nach wenigen Sekunden sahen wir ein Licht - wie eine Flamme - und dann Feuer. Einige Leute wurden fast panisch, sie rannten auf den Brandherd zu, versuchten, an Wasser, Decken, einen Feuerlöscher zu kommen."

Ein junger Mann hinter Jafry behielt die Nerven: Er stürmte ebenfalls nach vorne und half zunächst den anderen Passagieren, die Flammen zu ersticken. Dann packte er sich den Verdächtigen und rang ihn nieder. Besatzungsmitglieder halfen, Abdul Faruk A. in die erste Klasse zu zerren, um ihn von den anderen Passagieren zu isolieren. Laut Jafry hatte der junge Mann schwere Verbrennungen und wehrte sich nicht. Etwa zwanzig Minuten später landete der in Amsterdam gestartete Airbus A330 unbeschadet auf dem Flughafen von Detroit.

Sie dachten, ihre letzte Stunde habe geschlagen

Andere Passagiere berichteten dem lokalen Nachrichtenkanal WDIV, dass der mutmaßliche Terrorist einige Zeit vorher mit einem Kissen vor dem Bauch und einer Spritze in der Hand von der Toilette auf seinen Platz zurückgekehrt sei. Kurz darauf seien von seinem Platz Rauch und Flammen aufgestiegen. Er habe einen Knall wie von einem geplatzten Luftballon gehört - "und eine Minute später hörte ich, wie eine Frau immer wieder schrie: 'Was machen Sie denn da, was machen Sie denn da'", erzählte der Passagier Elias Fawaz.

Während einige Flugzeuginsassen von dem Drama in der Mitte des Flugzeugs gar nichts mitbekamen, glaubte Richelle Keepman, ihre letzte Stunde habe geschlagen. Die Frau aus Wisconsin saß nur wenige Reihen vor dem Verdächtigen. Der Knall, das Feuer und das anschließende Gemenge seien "schrecklich" gewesen, erzählte sie WDIV: "Ich dachte, das war's." Zina Saiga sah noch, wie ein Mann den überwältigten Attentäter mit "heruntergelassener Hose nach vorne zog". Melinda Dennis saß in der ersten Klasse und konnte den Nigerianer genau beobachten: "Er sagte nichts. Sein Bein war ziemlich verbrannt, aber er blieb ganz ruhig, zeigte keinen Schmerz. "

Gerüchte um Hintergründe des Anschlags

Nach der Landung wurde das gesamte Gepäck der 278 Passagiere nochmals kontrolliert, wie die US-Behörde TSA mitteilte. Fluggäste müssten sich auf "zusätzliche Überprüfungsmaßnahmen" einstellen, um die Sicherheit auf nationalen und internationalen Flügen zu gewährleisten.

Der Täter wurde nach der Landung verhört. Dabei sagte der Mann aus, er habe mit Hilfe einer mit Chemikalien gefüllten Spritze Pulver zur Explosion bringen wollen, das er an seinem Bein festgeklebt hatte.

Nach Angaben des Republikaners Peter King, der Mitglied des Heimatschutzauschusses im Repräsentantenhaus ist, war der Anschlag ziemlich ausgeklügelt. "Der Sprengsatz scheint anders gewesen zu sein als das, was wir bisher kennengelernt haben", sagte King dem Fernsehsender "Fox News". Der Nigerianer habe den Flug bereits in seiner Heimat Nigeria angetreten. Der Name des Täters, der nach Zeitungsberichten Abdul Farouk Abdulmutallab lauten soll, stand zwar nicht auf einer Flugverbotsliste. Bei der Suche in anderen Geheimdienst-Datenbanken sei der Name aber schnell aufgetaucht. Jetzt müsse herausgefunden werden, ob der Vorfall Teil eines größeren Plans gewesen sei und noch weitere Anschläge drohen könnten, sagte King.

Über die Hintergründe der Tat kursierten in amerikanischen Medien verschiedene Versionen: Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter, der Nigerianer habe im Verhör zudem erklärt, dass Al-Qaida-Kommandeure aus dem Jemen ihm den Sprengsatz gegeben und erläutert hätten. Der Sender NBC meldete dagegen, der Täter habe im Verhör behauptet, den Anschlag ohne Hintermänner geplant zu haben. Nach US-Fernsehberichten soll der Täter an einer Universität in London Ingenieurswissenschaften studiert haben.

Inzwischen hat sich die britische Kriminalpolizei Scotland Yard in die Ermittlungen eingeschaltet. In Absprache mit den US-Behörden gebe es in London Durchsuchungen, sagte eine Sprecherin am Samstag. Nähere Angaben zu den betroffenen Gebäuden oder Einrichtungen machte sie nicht.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf Flugreisen

Nach dem Terroranschlag ordnete US-Präsident Barack Obama erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf Flugreisen an. Es müssten alle angemessenen Maßnahmen getroffen werden, forderte Obama laut seinem Sprecher Bill Burton nach einer Telefonkonferenz mit Sicherheitsberatern. Burton sagte weiter, dass der auf Hawaii seinen Urlaub verbringende Präsident über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werde.

Der Vorgang in der Nacht zu Samstag erinnert an den Fall des britischen "Schuh-Bombers" Richard Reid. Vor acht Jahren, kurz vor Weihnachten, versuchte Reid, eine Boeing der American Airlines auf dem Weg von Paris nach Miami in die Luft zu sprengen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September waren die Sicherheitsvorkehrungen zwar hoch, und doch war es ihm gelungen, den Sprengstoff in seinen Schuhen an Bord zu schmuggeln. Eine Stewardess konnte damals verhindern, dass er ihn zündete.

Quelle: AFP/rm

 
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