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16-jähriger Junge: Mutmaßlicher Priester-Mörder in Türkei gefasst

zuletzt aktualisiert: 07.02.2006 - 09:50

Ankara (rpo). Vor zwei Tagen wurde in der türkischen Stadt Trabzon ein aus Italien stammender katholischer Priester in seiner Kirche ermordet. Jetzt konnten die türkischen Behörden den mutmaßlichen Täter fassen. Laut Nachrichtenagentur Anadolu handelt es sich um einen 16-jährigen Jungen.

Bei dem Zugriff in Trabzon sei eine Waffe beschlagnahmt worden, hieß es weiter. Der 61-jährige Priester aus Piverno bei Rom war vor der Kirche Sankt Maria in der Stadt an der Schwarzmeerküste mit zwei Kugeln erschossen worden. Er hatte sich seit fünf Jahren in der Türkei aufgehalten.

Papst Benedikt XVI. hat sich tief erschüttert über die Ermordung des italienischen Priesters Andrea Santoro (60) im türkischen Trabzon geäußert. "Ich hoffe, dass sein vergossenes Blut zum Samen der Hoffnung wird, um echte Brüderlichkeit unter den Völkern zu schaffen", schrieb der Papst in einem Kondolenztelegramm an den römischen Kardinalvikar Camillo Ruini. In einem weiteren Telegramm an den Apostolischen Vikar für Anatolien, Bischof Luigi Padovese, sprach Benedikt XVI. der christlichen Gemeinde in der Türkei seine Anteilnahme aus und unterstrich seine "feste Absage an jede Form von Gewalt".

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Außenminister Abdul Gül verurteilten die Tat entschieden. "Einen Priester zu ermorden, und das auch noch an einer Gebetsstätte, ist inakzeptabel, und ich verurteile es vorbehaltslos", wird Erdogan in den Medien zitiert. Gül erklärte, die Regierung halte den brutalen Mord für eine Einzeltat und hoffe, dass das Klima der Toleranz, das im Land herrsche, keinen Schaden nehme. Auch Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi äußerte sich erschüttert.

Schuss ins Herz

Santoro war am Sonntag in seiner Kirche in der türkischen Schwarzmeerstadt Trabzon erschossen worden. Die Polizei habe den Mörder, der den Tatort mit dem Ruf "Allah ist größer" verlassen habe, inzwischen auf Grund von Zeugenaussagen und einer Überwachungskamera identifiziert, hieß es am Montagmittag in italienischen Medien. Der Name des Täters, der den Priester von hinten mit zwei Schüssen, davon einem ins Herz, tötete, sei bislang aber noch nicht bekannt gegeben worden.

Das Motiv der Tat liegt weiter im Dunkeln. Der Geistliche habe in jüngster Zeit mehrfach telefonische Drohungen erhalten, bestätigten Ordensleute aus Rom, mit denen er in Brief- und Telefonkontakt stand. Santoro habe sich mit dem organisierten Verbrechen angelegt, als er versuchte, Prostituierte aus der ehemaligen Sowjetunion aus den Fängen von Zuhältern zu befreien. Einer anderen Version zufolge könnte es sich um die Tat eines Geistesgestörten handeln.

Der 1945 in Priverno bei Latina südlich von Rom geborene Santoro war 2000 zur Seelsorge in die Türkei entsandt worden. Er kümmerte sich um die winzige Gemeinde in der Schwarzmeerregion und bemühte sich um einen Dialog mit Muslimen. Zuvor war er als Pfarrer in mehreren römischen Pfarrgemeinden tätig. Nach Freigabe des Leichnams soll in der römischen Lateranbasilika die Totenmesse stattfinden.

Sorge, aber keine Angst

Besorgt äußerte sich nach dem Mord die Türkische Bischofskonferenz. "Derzeit leben wir in einem Klima der Unsicherheit, und man spürt einige Spannung", betonte ihr Sprecher, Monsignore Georges Marovitch. Angst gebe es jedoch nicht. Die Kirche unterhalte "beste Dialog-Beziehungen sowohl mit den zivilen Behörden als auch mit den Muslimführern".

Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Dienstagsausgabe) würdigte den ermordeten Andrea Santoro als "Brückenbauer zwischen noch weit voneinander entfernten Ufern". Er selbst habe sich als Kommunikator zwischen dem Nahen Osten und dem Westen, zwischen Islam, Judentum und Christentum verstanden.

Quelle: afp2

 
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