Dreifach-Mörder Marc Dutroux droht nun lebenslange Haft: Nach acht Jahren: Genugtuung für ganz Belgien
zuletzt aktualisiert: 17.06.2004 - 19:39Arlon (rpo). Ganz Belgien atmet auf. Knapp acht Jahre hat die Nation im "Fall Dutroux" auf die Wahrheit gewartet, jetzt hat die Justiz festgestellt: Marc Dutroux ist ein Mörder. Das Schwurgericht in Arlon sprach ihn am Donnerstag schuldig.
Dutroux hat nicht nur drei Menschen vorsätzlich umgebracht, darunter die beiden entführten Mädchen An (17) und Eefje (19), er hat auch die achtjährigen Freundinnen Julie und Mélissa auf dem Gewissen, die in seinem Folterkerker grausam verhungerten. Dutroux droht nun lebenslange Haft. Entsprechend erleichtert äußerten sich seine Opfer in einer ersten Reaktion: Die 20-Jährige Sabine Dardenne, die die Qualen überlebte, zeigte sich mit dem Urteil hochzufrieden.
Die zwölf Geschworenen des Gerichts im südbelgischen Arlon ließen bei der Urteilsverkündung keinen Zweifel: Dutroux ist schuldig, und das in allen wichtigen Anklagepunkten. Sie sprachen ihn selbst der Verbrechen schuldig, die er bis zuletzt hartnäckig leugnete und für die es zum Teil keine hinreichenden Beweise gab: Dutroux verschleppte und vergewaltigte nach Überzeugung der Laienrichter alle sechs Mädchen. Er selbst hatte nur die Entführung und den Missbrauch an den beiden Überlebenden Sabine und Laetitia Delhez zugegeben. Dutroux zeigte sich während der Verkündung der Schuldsprüche wie immer ungerührt. Er machte sich Notizen und telefonierte nur am Schluss einmal mit seinem Anwalt.
Keine Regung
Auch Dutroux' Ex-Frau Michelle Martin zeigte kaum eine Regung. Auf sie und den Komplizen Michel Lelièvre warten nach dem harten Schuldspruch Strafen von bis zu 35 Jahren. Martin hatte während des 15-wöchigen Prozesses bekannt, Julie und Mélissa in dem Kellerverlies keine Nahrung gegeben zu haben. Angeblich hatte die dreifache Mutter Angst, die "kleinen Monster" könnten sie anfallen. Dafür wird die 44-Jährige nun büßen müssen. Lelièvre muss sich als Komplize der Kinderentführungsbande verantworten.
Einen Eklat gab es dagegen um den mutmaßlichen Dutroux-Komplizen Michel Nihoul: Nach einigem Hin und Her sprach das Gericht den 63-Jährigen überraschend in allen Hauptanklagepunkten frei. Damit ist - zumindest juristisch - der Verdacht ausgeräumt, Nihoul sei Kopf eines Kindersprostitutions-Rings gewesen. An ein solches "Netzwerk" mit Verbindung in höchste politische Kreise glauben allerdings 70 Prozent aller Belgier. Das Urteil dürfte daher für erhebliche Diskussionen sorgen.
Auf der Jury lastete während der dreieinhalb Tage ihrer Beratungen ein immenser öffentlicher Druck. Wohl niemand in Belgien wollte Marc Dutroux als das Justizopfer sehen, als das er sich selbst hinstellte. Zwei Drittel aller Belgier forderten in Umfragen zu Beginn des Prozesses sogar die Todesstrafe für Dutroux. Die Kapitalstrafe wurde zwar im Juli 1996 abgeschafft - ausgerechnet einen Monat vor Dutroux' Festnahme - aber mit dem harten Urteil gegen ihn dürften die Geschworenen auch jene zufrieden gestellt haben, die in dem Prozess eine reine "Maskerade" sahen.
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