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Hochhausbrand in London
Khan macht Behördenfehler für Inferno verantwortlich

Nach dem Hochhausbrand sucht Großbritannien die Schuldigen
Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan (Archiv). FOTO: dpa, wal nic
London. Der Brand im Grenfell Tower ist gelöscht. Die Ermittlungen laufen – und werfen Fragen auf. War die Gebäudeverkleidung Ursache der Katastrophe? Londons Bürgermeister Khan sagt, die Tragödie sei vermeidbar gewesen.

"Diese Tragödie ist die Folge von Fehlern und Nachlässigkeiten von Seiten der politischen Verantwortlichen, des Rathauses (im Bezirk) sowie der Regierung", sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan am Sonntag dem Sender BBC. Das Inferno sei ein "vermeidbarer Unfall" gewesen. Khan hatte zuvor an einer Trauerzeremonie für die Opfer der Katastrophe teilgenommen. 

"Die Anwohner haben das Gefühl, schlecht behandelt zu werden, weil einige von ihnen arm sind", sagte der Bürgermeister weiter. Überlebende und Angehörige der Todesopfer werfen den örtlichen Behörden vor, diese hätten die zahlreichen Hinweise und Warnungen hinsichtlich der Sicherheitsmängel in dem Sozialwohnungsbau missachtet. Unter anderem gab es Warnungen, weil ein Notausgang, Feuerlöscher sowie ein funktionierender Feueralarm fehlten.

Video: Viele Vermisste nach Hochhausbrand in London

Das Feuer im Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zum vergangenen Mittwoch ausgebrochen. Dutzende Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Die Ursache für den Brand ist noch unklar. Vermutet wird, dass das Unglück mit der Fassadenverkleidung zusammenhängen könnte, die im vergangenen Jahr im Zuge von Renovierungsarbeiten an dem 24-stöckigen Gebäude angebracht wurde.

Khan für Abriss alter Hochhäuser

Diese Gebäudeverkleidung sei in Großbritannien möglicherweise verboten, sagte Schatzkanzler Philip Hammond. Die strafrechtliche Untersuchung des Unglücks solle nun prüfen, ob es bei der Renovierung des Wohnhochhauses gesetzliche Verstöße gegeben habe, sagte der Tory-Politiker im BBC-Fernsehen am Sonntag.

Auch Premierministerin Theresa May hatte Kritik einstecken müssen, weil sie am Donnerstag bei ihrem Besuch am Hochhaus keine Anwohner getroffen hatte. Erst am Freitag suchte sie Verletzte in Krankenhäusern auf. Am Montag will Großbritannien um 11 Uhr Ortszeit in einer Schweigeminute der Opfer gedenken.

Großbrand in Londoner Hochhaus FOTO: dpa

Londons Bürgermeister brachte den Abriss von veralteten Gebäuden ins Gespräch. Dies könne bei Hochhäusern aus den 60er und 70er Jahren aus Sicherheitsgründen nötig werden, schrieb er in einem Beitrag für den "Observer". In der Wiederaufbauphase nach dem Krieg seien viele Hochhäuser entstanden, die heutigen Standards nicht mehr entsprächen, so Khan. Im Grenfell Tower soll es Berichten zufolge keine angemessenen Fluchtwege gegeben haben.

(wer/dpa)
 
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