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Erdbeben in Ecuador
Wie Spezialisten aus Duisburg im Katastrophengebiet helfen

Nach Erdbeben: Helfer aus Duisburg treffen in Ecuador ein
Häuser und Straßen sind völlig zerstört. FOTO: dpa, cem cda ms soe
Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in Ecuador ist mittlerweile auf mehr als 500 gestiegen. Viele Menschen werden noch vermisst. Der Schaden ist groß, aber Hilfe kommt aus aller Welt. Auch ein Team der Duisburger Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany ist vor Ort. Von Jessica Kuschnik

Es ist spät in der Nacht, doch für die Helfer der Rettungsorganisation I.S.A.R. Germany ist an Schlaf gar nicht zu denken. Sie sind unterwegs nach Manta, einer Hafenstadt in Ecuador. Dort lag das Epizentrum des Erdbebens, das am Samstagabend mit einer Stärke von 7,8 vor allem den rund 100 Kilometer breiten Küstenstreifen 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Quito getroffen hat.

"Die Gefahr ist allgegenwärtig", erzählt Thomas Laackmann, medizinischer Leiter der Hilfsorganisation. "Die Straßen sind zerstört, es gibt viele Verletzte und Tote – die Situation ist katastrophal." Seit Dienstagmorgen sind er und zwei weitere Helfer von I.S.A.R. in Ecuador. Die Abkürzung der Organisation aus Duisburg steht für "International Search and Rescue" (Internationale Suche und Rettung). In Erdbebenregionen sind sie oft mit ihren Hunden im Einsatz, um Verschüttete zu retten – doch dafür ist es diesmal einfach zu spät, sagt Sprecher Stefan Heine. 

Helfer stehen unter extremer Belastung 

Thomas Laackmann ist medizinischer Leiter bei I.S.A.R. Germany. FOTO: wka, privat

Nach dem Erdbeben in Ecuador ist die Zahl der Todesopfer auf 525 gestiegen. Hunderte werden noch vermisst, Hoffnung, einige von ihnen lebend zu bergen, gibt es kaum. Für die Helfer aus Duisburg geht es um 3 Uhr morgens nach Manta. "In den größeren Städten wird unsere Hilfe derzeit nicht mehr benötigt", sagt Laackmann.

Die Fahrt in die Hafenstadt ist beschwerlich, es geht auf den teils zerstörten Straßen nur langsam voran. "Für uns ist das eine extreme Belastung. Wir bekommen wenig Schlaf, sind ständig unterwegs, und die Uhr läuft mit", sagt der Helfer. Doch er und sein Team sind erfahren. "Uns geht es soweit gut."

Vor Ort  spricht Laackmann mit Vertretern der Gemeinden und den Rettungskräften. "Wir müssen klären, ob ein weiteres Team von uns mit Medikamenten nachkommen soll. Und wir überlegen uns, wie wir mit langfristigen Projekten helfen können." Denn obwohl noch nicht alle Toten geborgen, noch nicht alle Vermissten gefunden sind, haben die Aufräum- und Aufbauarbeiten bereits begonnen. "Die Regierung hat hier alles sehr gut organisiert", sagt Laackmann.

Dauer des Aufenthalts ist ungewiss 

Er kennt sich aus mit der Arbeit in Katastrophengebieten. Seit 2007 ist er ehrenamtlich für I.S.A.R. Germany im Einsatz, war während des Ebola-Ausbruchs in Liberia, nach dem schweren Beben in Nepal Teil des Rettungsteams, half auf Haiti und den Philippinen.  

Wie lange die Helfer noch in Ecuador sein werden, wissen sie nicht. Sollten Medikamente benötigt werden, dann bleibt das Team, um diese zu verteilen. Nach Angaben des Katastrophenschutzes in Ecuador (SNGR) sind bei dem Beben 4605 Menschen verletzt worden. Und auch Hilfsprojekte sollen erst vor Ort angestoßen werden, bevor es zurück nach Deutschland geht. 

Laut dem ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa handelt es sich bei dem Beben um die schlimmste Katastrophe in Ecuador seit dem Jahr 1949. Damals waren bei einem Erdbeben der Stärke 6,8 im Zentrum des Landes mehr als 5000 Menschen gestorben. Der Wiederaufbau werde nach ersten Schätzungen zwei bis drei Milliarden Dollar kosten, erklärte Correa.

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