Biografie "3096 Tage" erscheint: Natascha Kampusch enthüllt ihre Geschichte
VON BARBARA SCHMICKLER - zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 18:52Düsseldorf (RPO). Ihr Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen: Am 2. März 1998 verschwindet die zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Weg zur Schule - trotz der größten österreichischen Polizeisuchaktion aller Zeiten gibt es mehr als acht Jahre kein Lebenszeichen von ihr. Im Sommer 2006 gelingt ihr die Flucht. Vier Jahre danach enthüllt Kampusch nun ihr Leiden.
In drei Tagen kommt Natascha Kampuschs Biografie auf den Markt. Nachdem sie mit ihrem ersten Interview und ihrem Job als Moderatorin für Aufsehen gesorgt hatte, tritt sie am kommenden Donnerstag wieder in die Öffentlichkeit. Bei einer Lesung in einer Wiener Buchhandlung vor rund 700 Zuschauern wird sie ihr Buch "3096 Tage" präsentieren. Montagabend ist sie in der ARD-Talkshow "Beckmann" zu Gast.
Geld am Schicksal verdienen?
Macht Kampusch nun genau das, was sie selbst häufig kritisiert hatte - Geld an ihrer schrecklichen Geschichte verdienen? Teile ihres Buches wurden in der Bild vorab veröffentlicht, bei Beckmann tritt sie gegen Bezahlung auf. Die Sendung wurde bereits am Wochenende aufgezeichnet, laut Medienberichten sagte die 22-Jährige dort: "Ich will die ganze Geschichte loswerden, es ist eine Art Ballastpaket für mich." Zudem erkklärte die Österreicherin, die meisten Menschen sähen die Dinge zu einfach: "Entweder schwarz oder weiß."
Doch wer denkt, Kampusch hätte sich auf 220 Seiten ihre Seele vom Leib geschrieben, der irrt. Sie verfasste das Buch nicht selbst, sondern engagierte zwei Schreiber. Die Arbeit soll nicht ohne Konflikte verlaufen sein, berichtet eine österreichische Internetseite.
Mittlerweile sind auch Protokolle von Nataschas Gesprächen bei der Polizei veröffentlicht worden. Details der Entführung und der eheähnlichen Gemeinschaft mit ihrem Entführer Wolfgang Priklopil wurden öffentlich. Die österreichische Internetseite oe24.at meint, Unstimmigkeiten zwischen dem Buch und den Protokollen gefunden zu haben. Müsste die Kampusch-Story zum Teil neu geschrieben werden?
Buch als "positiver Schritt"
Für Kampusch selbst sei das Buch ein positiver Schritt, sagt zumindest der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverband Österreichischer Psychologen im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung". "Wenn jemand so etwas freiwillig tut - und davon gehe ich im Fall Natascha Kampusch aus -, dann hat er sich den Weg ausgesucht, der ihm gut tut", sagte Binder-Krieglstein. Der Psychologe glaubt, dass diese Art der Verarbeitung eine Strategie der 22-Jährigen sei. Die Biografie sei ein weiterer Schritt zur Bewältigung der dramatischen Ereignisse.
Laut einem Medienbericht sagte Kampusch bei Beckmann, ihr gehe es gut: "Ich habe Freunde gefunden, auch wenn es nicht ganz leicht war. Es ist eine starke Belastung für jeden, der mit mir befreundet ist, auch meine Vergangenheit mitzutragen."
Natascha Kampusch war achteinhalb Jahre von einem psychisch kranken Nachrichtentechniker gefangen gehalten worden. Ihr Entführer und Peiniger Wolfgang Priklopil hatte Kampusch als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt. Nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft in einem Keller in einer Wohnsiedlung bei Wien konnte sie sich am 23. August 2006 befreien. Insgesamt war sie 3096 Tage in der Hand ihres Peinigers.
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