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Fernsehinterview: Natascha Kampusch ohne Kopftuch

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 19.12.2006 - 08:41

Wien (RP). Hundert Tage nach ihrer Flucht aus dem Kerker ihres Entführers hat Natascha Kampusch dem Journalisten Christoph Feurstein ein zweites Interview gegeben. Millionen Zuschauer sahen gestern Abend bei RTL eine 18-Jährige, deren Aussehen sich stark von dem ersten Fernsehauftritt kurz nach der Entführung unterschied.

Die junge Frau trägt kein Kopftuch mehr, ihre langen blonden Haare fallen glatt über die Schultern. Offensichtlich hat sie auch zugenommen: Ihre Wangen sind voller geworden, sie ähnelt wieder mehr dem pausbackigen Mädchen auf einem Foto, das kurz vor der Entführung aufgenommen worden war. In dem Gespräch schildert sie ihr Leben nach der Gefangenschaft:

„Zum einen, ich kann mich nicht alleine in der Öffentlichkeit bewegen, das wäre zu riskant. Meist ist es ganz harmlos, ab und zu schreckt es mich kurz, wenn jemand ruft: Hallo - wie wenn er mich oder meine Begleitung kennen würde. Aber das ist irgendeine fremde Person. Viele Leute meinen es auch nur gut mit einem, lächeln einen an und gratulieren, dass man frei ist.“

Sie berichtet, dass sie empfindlich auf fremde Gerüche und Geräusche, ja sogar auf Essensgewohnheiten reagiert. Allerdings habe sie keine Kontaktprobleme: „Ich war immer ein sozialer Mensch und hatte keine Schwierigkeiten im sozialen Umgang.“

Ausführlich geht sie auch auf den Skiausflug mit ihrem Entführer Wolfgang Priklopil ein: „Ich wollte ja gar nicht Skifahren mit ihm. Das war seine Idee, weil er gemeint hat, dass er mit mir ein normales Leben führen möchte. Jedenfalls die Autofahrt war ein Horror, es war richtig grotesk, wie bei einem alten Ehepaar, nur dass ich irrsinnige Angst hatte. Er konnte ja nie sicher gehen, dass ich nicht versuchen würde zu fliehen oder jemanden aufmerksam zu machen.“

Starke Menschenscheu

Zudem habe sie unter Kreislaufproblemen gelitten „Das sind Fremde (gemeint hier: die anderen Skifahrer), und wie sollen irgendwelche Menschen darauf aufmerksam werden, dass irgendwas nicht stimmt. Beim Runterfahren, wie soll man da irgendjemanden etwas vermitteln, da braucht man ja auch Zeit. Das hätte eben lange gedauert, und ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine sehr starke Menschenscheu, eine sehr leise schwache Stimme und dann noch ihn im Genick. Er hat eben auch immer behauptet, dass er diese Menschen auch umbringen würde, denen ich etwas mitteile, oder mich.“

„Er wollte im Prinzip kein Unmensch sein, und ich habe ihm auch mehrmals gesagt, dass ich es einfach nicht zulassen werde, dass ich als gebrochener und kaputter Mensch dahinvegetiere und in einem Verlies ende. Und ob es ihm nicht auch klar ist, dass das kein natürlicher Zustand ist, in einem Keller, ich habe das Ganze manchmal Sarkophag genannt, weil es verschlossen ist, tödlich.“

In solchen Gesprächen habe Priklopil manchmal gesagt, dass er sich bemühen werde, es ihr „so schön wie möglich“ zu machen. „Er brach dann wieder in Aggressionen aus, aber mehr wollen wir darüber nicht sprechen.“

Wir haben die wichtigsten Zitate aus dem Interview zusammengestellt.


 
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