Kabul fordert Bestrafung der Verantwortlichen: Nato erschießt irrtümlich vier afghanische Soldaten
zuletzt aktualisiert: 30.01.2010 - 12:17Kabul (RPO). Bei dem Zwischenfall in der Nacht zum Samstag in der Provinz Wardak südwestlich von Kabul haben Nato-Soldaten versehentlich vier afghanische Soldaten getötet. Wie ein Sprecher des Provinzgouverneurs mitteilte, wurden sieben weitere Afghanen verletzt.
Die internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) sprach von einem "bedauerlichen Zwischenfall" und kündigte eine Untersuchung an. Das Kabuler Verteidigungsministerium erklärte, die Verantwortlichen müssten ermittelt und bestraft werden.
Nach Angaben der ISAF und des afghanischen Verteidigungsministeriums ereignete sich der Zwischenfall am Samstagmorgen um 03.00 Uhr bei einem abgelegenen Kontrollpunkt an einer Gebirgsstraße in der Provinz Wardak. ISAF-Soldaten, die von einem Einsatz gegen die Taliban zurückkehrten, seien von der afghanischen Besatzung des Kontrollpunktes unter Beschuss genommen worden, sagte ein ISAF-Sprecher, Brigadegeneral Eric Trembley.
Die Einheit, die auch von afghanischen Soldaten begleitet worden sei, habe das Feuer erwidert und Luftunterstützung angefordert. Bei dem Luftangriff wurden vier afghanische Soldaten getötet und sieben weitere verletzt.
Ein Sprecher der Provinzregierung sagte, der Zwischenfall gehe auf ein Missverständnis zurück, ohne Einzelheiten zu nennen. Im November vergangenen Jahres waren bei einem Feuergefecht zwischen Verbündeten acht Afghanen - vier Soldaten, drei Polizisten und ein Übersetzer - getötet worden.
Ein afghanischer Übersetzer erschoss unterdessen nach Angaben aus Nato-Kreisen zwei US-Soldaten und tötete sich danach selbst. Das wurde am Samstag bekannt. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.
Seit Jahresbeginn sind damit nach Angaben der Internetseite icasualties.org bereits 44 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet worden, darunter 29 aus den USA.
Afghanische Taliban dementieren Treffen mit UN
Die afghanischen Taliban dementierten am Samstag Berichte, sie hätten sich mit UN-Vermittlern zu einem Sondierungsgespräch über Friedensaussichten getroffen. Angaben über ein Treffen zwischen Taliban-Vertretern und dem Leiter der UN-Mission in Afghanistan, Kai Eide, seien völlig aus der Luft gegriffene Gerüchte, hieß es in einer Erklärung des Taliban-Rates.
Eide hat bisher kein Treffen mit Taliban öffentlich bestätigt. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte aber angedeutet, Eide wolle sich selbst ein Bild über die Vorstellungen einiger Taliban machen. In deren Dementi wurde die Fortsetzung des Krieges in Afghanistan bekräftigt. Die Ablehnung von Friedensangeboten habe der US-Strategie in Afghanistan einen "vernichtenden Schlag" versetzt.
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