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100.000 Tonnen Unrat: Neapel erstickt im Müll

zuletzt aktualisiert: 06.01.2008 - 20:12

Neapel (RPO). Neapels Müllproblem entwickelt sich zur Katastrophe. Auf den Straßen der süditalienischen Metropole stapelten sich laut einer Hochrechnung bereits 100.000 Tonnen Unrat. Staatschef Giorgio Napolitano rief zur Beendigung der "Abfall-Tragödie" auf. Ministerpräsident Romano Prodi rief die Regierung für Montag zusammen. Auch das Militär will dem Müll-Chaos nicht tatenlos zusehen.

Überall Müll: In Neapels Straßen stapelt sich der Unrat. 100.000 Tonnen in der ganzen Region sollen es bereits sein.  Foto: AFP, AFP
Überall Müll: In Neapels Straßen stapelt sich der Unrat. 100.000 Tonnen in der ganzen Region sollen es bereits sein. Foto: AFP, AFP

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa wuchs der Müllberg allein in Neapel auf mehr als 4.500 Tonnen an. Die Agentur stützte ihre Hochrechnungen auf offizielle Quellen. In der Region Kampanien, wo rund 5,7 Millionen Menschen leben, wurde seit Ende vergangenen Jahres kein Abfall mehr eingesammelt. In der Region, deren Hauptstadt Neapel ist, mangelt es an Mülldeponien. Aufgebrachte Einwohner gingen gegen das stinkende Ärgernis, indem sie die Abfallberge in Brand steckten.

Napolitano, der selbst aus Neapel stammt, bezeichnete das Dauerproblem als "echte Tragödie". Prodi ordnete an, dass die wegen der Müllberge geschlossenen Schulen am Montag wieder aufmachen. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas forderte die italienische Regierung zu konkreten, unverzüglichen Maßnahmen zum Schutz der Volksgesundheit und der Umwelt auf. "Erklärungen des guten Willens reichen nicht mehr", sagte Dimas der Zeitung "La Repubblica". Die EU-Kommission hatte bereits im Juni ein Verfahren gegen Italien wegen Verstoßes gegen die Richtlinien zur Müllentsorgung eingeleitet.

Polizisten schlagen auf Demonstranten ein

Die Polizei teilte mit, bei Protesten gegen die Wiedereröffnung der Deponie in Pianura am Rande von Neapel hätten Demonstranten Steine auf Polizisten geworfen, die eine Blockade aufheben wollten. Auf Bildern des Fernsehsenders Sky TG 24 war zu sehen, wie Polizisten mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgingen, um sie auseinanderzutreiben.

In der Nacht zum Sonntag beruhigte sich die Lage, am Tage waren nur noch rund 30 Gegner der Anlage vor Ort. In der Nacht zuvor waren zwei Demonstranten verletzt worden, als sie sich 20 Lastwagen in den Weg stellten, die Material für die Inbetriebnahme der Deponie liefern sollten.

Die Anwohner der 1996 geschlossenen Deponie sperren sich aus Angst vor Gestank gegen deren Wiedereröffnung. Die Halde soll bis zum kommenden Jahr Abhilfe gegen die Mülllawinen schaffen. 2009 soll eine Müllverbrennungsanlage in Betrieb gehen.

Mülldeponien chronisch überlastet

Neapel und die gesamte Region leiden unter einem dauerhaften Entsorgungsproblem. Die Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen sind chronisch überlastet, außerdem wurden von der örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen. Das Geschäft mit der Müllentsorgung ist nach Ansicht von Experten nach dem Drogenschmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Camorra. Seit 1994 gab der Staat mehr als eine Milliarde Euro aus und ernannte acht Kommissare in Folge, um die Krise zu beizulegen - bislang jedoch ohne Erfolg.

Die italienische Armee will dem Müll-Chaos in Neapel nicht tatenlos zusehen. Verteidigungsminister Arturo Parisi sagte am Sonntag laut der Nachrichtenagentur Ansa, die Ingenieurtruppen aus Caserta in der Region Neapel würden den örtlichen Behörden Fahrzeuge für den Abtransport der Müllhaufen vor den Schulen zur Verfügung stellen.


 
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