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Erdbeben in Nepal
Bergsteiger filmt Lawine am Mount Everest

Fotos: Viele Tote bei Erdbeben in Nepal
Fotos: Viele Tote bei Erdbeben in Nepal FOTO: dpa, ns bjw
Kathmandu. Nahezu minütlich steigt nach der Katastrophe in Nepal die Zahl der Toten. Wegen der schlechten Versorgungslage drohen Epidemien. Ein Video eines deutschen Bergsteigers zeigt das Ausmaß der Naturgewalt am Mount Everest. Bergsteiger berichten, wie sie durch schicksalhafte Fügung überlebten.
  • Behörden erhöhen die Zahl der Opfer auf 3200
  • Nachbeben erschweren die Suche nach Überlebenden
  • Starke Regenfälle erhöhen Gefahr von Erdrutschen
  • Augenzeugen berichten, wie sie überlebten
  • EU verspricht drei Millionen Euro an Soforthilfe

Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Himalaya finden die Helfer weiter zahlreiche Tote. Allein in Nepal seien mindestens 3200 Menschen ums Leben gekommen, sagte Laxmi Dhakal vom Innenministerium in Nepal am Montag.

Für die Rettungs- und Hilfsarbeiten würden alle verfügbaren Kräfte eingesetzt. Das Militär erklärte, 90 Prozent aller nepalesischen Soldaten seien im Einsatz. Zahlreiche Staaten und Organisationen haben nach dem gewaltigen Beben mit der Stärke 7,8 Helfer nach Nepal entsandt. Auch aus Deutschland sollten weitere Hilfsflüge starten.

Den Überlebenden machten in der Nacht starke Regenfälle zu schaffen. Viele Bewohner der Region leben in Zeltstädten, da sie sich aus Angst vor Nachbeben nicht in ihre Häuser zurücktrauen. Nepals Regierung spricht von mehr als 6000 Verletzten. Überlebende berichten, viele Straßen seien durch Erdrutsche oder aufgerissenen Teer nicht passierbar. Nachbeben lassen die Erde weiter erzittern. Die Gefahr von Erdrutschen ist groß.

Plötzlich schwenkt die Kamera nach links

Während das schlimmste Erdbeben seit 81 Jahren das Kathmandu-Tal verwüstet hat, spielt sich am Mount Everest ein eigenes Drama ab. Dort waren mindestens 19 Bergsteiger und Helfer in einer Lawine gestorben. Dutzende sitzen noch am höchsten Berg der Welt fest. Der deutsche Bergsteiger Jost Kobusch filmte, wie eine Lawine auf das Basislager zurollte.

"Die Erde bebt", hört man einen Mann auf Englisch sagen, vereinzelt ertönt Gelächter. Dann schwenkt die Kamera abrupt nach links, die Bergsteiger haben bemerkt, was auf sie zukommt: Eine riesige Wand aus Eis und Schnee stürzt auf das Camp zu, die Männer versuchen so schnell wie möglich, hinter Steinen und Zelten Deckung zu finden.

Dann ist nur noch das Weiß zu sehen. Auf dem Video sind Stimmen zu hören. Die Männer fluchen, atmen schwer. "Komm unter meine Jacke", sagt ein Mann. "Bist du ok?" Nach etwa anderthalb Minuten richten sich die Männer auf und sehen sich um, immer in der Annahme, dass gleich eine weitere Lawine folgen könnte. Einer schlägt vor, sich im Küchenzelt zu sammeln. "Da ist kein Küchenzelt mehr", heißt es dann.

Schon am Sonntag berichteten Bergsteiger, was sie am Basiscamp des Everest erlebten. So auch der Däne Carsten Lillelund Pedersen. Ein Fels rettete ihm das Leben. Als die Lawine wie eine gewaltige weiße Wand auf ihn zurollte, konnte sich der Däne hinter den Stein retten. Den Studenten Azim Afif überraschte die Katastrophe beim Essen. "Als wir aus dem Zelt rannten, kam eine riesige Eiswand auf uns zu. Die Sherpas schrien: Rennt um Euer Leben."

Das Erdbeben trat eine gewaltige Lawine los, die das Basis-Camp zerstörte. Die Katastrophe traf das in 5270 Metern Höhe an der Grenze zu China gelegene Camp mitten in der Hauptsaison. "Derzeit sind besonders viele Bergsteiger aus aller Welt in Nepal unterwegs", sagt Andrea Händel, Sprecherin des Deutschen Alpenvereins (DAV). Grund sei die Schönwetterphase im Mai. Viele Bergsteiger hätten dort deshalb bereits ihr Lager eingerichtet.

Neun Bergsteiger hatten großes Glück

Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet FOTO: afp, ras/fk

Fast tausend Bergsteiger, Führer und Träger sollen während des Lawinenabgangs in den 500 Zelten untergebracht gewesen oder bereits am Berg gewesen sein. Etwa 400 sollen ausländische Touristen sein. Teilnehmer von Trekking-Touren des DAV und des DAV Summit Clubs sind nach bisherigen Informationen nicht von dem Unglück betroffen.

Großes Glück hatten neun Bergsteiger aus Griechenland. Sie entgingen dem verheerenden Erdbeben, weil ein Bergführer sie bestohlen hatte. "Wir sind vergangene Woche in Kathmandu angekommen und haben dort festgestellt, dass unser Sherpa mit dem Geld verschwunden war, das wir ihm gegeben hatten", sagte Nerit Sophokles Paitis, einer der Bergsteiger, am Sonntag dem griechischen Fernsehen. Seine Gruppe habe den Vorfall den nepalesischen Behörden gemeldet und schließlich beschlossen, am Freitag nach Griechenland zurückzukehren.

Einen Tag später bebte die Erde.

(dpa AFP AP)
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