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Erdbeben in Nepal
Erste Helfer erreichen vom Beben zerstörte Himalaya-Dörfer

Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet
Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet FOTO: afp, ras/fk
Gorkha . Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal sind in den abgelegeneren Gebieten erste Helfer eingetroffen: Hubschrauber aus Indien landeten am Dienstag im Bezirk Gorkha, in dem die Menschen seit Samstag auf sich allein gestellt waren.

Die internationalen Rettungsbemühungen nahmen Tempo auf. Regierungschef Sushil Koirala rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Die Zahl der Toten stieg auf mehr als 5000 - darunter ein Deutscher. Es wurde allerdings damit gerechnet, dass sich die Opferzahl weiter erhöht: Nach einem neuen Lawinenabgang am Dienstag wurden nach ersten Schätzungen 250 Menschen vermisst.

Die Lawine raste in Ghodatabela an der beliebten Trekking-Route Langtang ins Tal, wie ein Behördenvertreter mitteilte. Auch ausländische Touristen könnten demnach betroffen sein. Schlechtes Wetter behinderte die Such- und Bergungsarbeiten.

Fotos: Erdbeben zerstört Weltkulturerbe FOTO: dpa, bjw

In Gorkha rannten Einwohner mit ausgestreckten Armen auf die ersten Hubschrauber zu, baten um Wasser und Nahrung und darum, in Sicherheit gebracht zu werden. "Der Boden hört nicht auf zu beben. Jedes Mal fühlt es sich an, als würden wir gleich verschluckt. Ich will nur weg von hier", sagt die 24-jährige Sita Gurung und zeigt auf ihr zerstörtes Haus. Laut einem AFP-Reporter löschte das Beben der Stärke 7,8 am Samstagmittag ganze Dörfer aus.

Bei einer Krisensitzung sagte Regierungschef Koirala, die Behörden unternähmen alles, um die Bedürftigen mit Zelten, sauberem Wasser und Lebensmitteln zu versorgen. Sie seien aber von der schieren Zahl der Hilferufe aus den entlegenen Himalaya-Dörfern überwältigt: "Von überall treffen Bitten um rasche Hilfe ein, aber wir sind nicht in der Lage, überall gleichzeitig Rettung zu organisieren, da uns Ausrüstung und Experten fehlen." In einer Fernsehansprache am Abend rief Koirala drei Tage Staatstrauer aus.

Zerstörte Tempel und Paläste in Nepal FOTO: ap, BA RSI

Nach Angaben des nepalesischen Innenministeriums starben in dem Himalaya-Staat mehr als 5000 Menschen, rund hundert weitere kamen im benachbarten Indien und China ums Leben. Die Zahl der Verletzten stieg auf über 10.000. Insgesamt sind von den Auswirkungen des Bebens nach Einschätzung der Vereinten Nationen rund acht Millionen Menschen betroffen. Die UNO stellt aus ihrem Nothilfefonds 15 Millionen Dollar (13,7 Millionen Euro) zur Verfügung.

Das Welternährungsprogramm (WFP) startete am Dienstag einen Großeinsatz, um 1,4 Millionen Menschen in den kommenden drei Monaten zu versorgen. Dafür würden 116,5 Millionen Dollar benötigt, teilte die Organisation mit und bat um Spenden.

Die Lage am Mount Everest blieb weiter unübersichtlich. Mindestens 18 Menschen waren ums Leben gekommen, als eine durch das Beben ausgelöste Lawine Teile des Basislagers verschüttete. Mehr als 150 Bergsteiger wurden seit Montag aus den höheren Lagen des Massivs in Sicherheit gebracht.

Auch ein Deutscher kam bei dem Beben ums Leben. Der Professor der Universität Göttingen wurde zusammen mit 15 Geografie-Studenten und einem weiteren Wissenschaftler während einer Exkursion in einem Gebiet nordwestlich von Kathmandu von dem Beben überrascht, wie die Universität mitteilte. Der Wissenschaftler verunglückte dabei tödlich, den Studenten geht es den Angaben zufolge den Umständen entsprechend gut. Sie sollten am Dienstag nach Kathmandu gebracht werden und wenn möglich am Mittwoch den Heimflug antreten.

Laut einem Bericht des "Göttinger Tageblatts" war der 67-jährige Geografieprofessor ein erfahrener Expeditionsleiter. Er galt als ausgesprochener Himalaya-Experte. Die Umstände seines Todes waren zunächst unklar.

Unterdessen kommen aus aller Welt weitere Hilfszusagen - unter anderem stockten die USA ihre Ersthilfe auf zehn Millionen Dollar (9,2 Millionen Euro) und Australien auf 4,7 Millionen Dollar auf. Auch die ersten Teams von internationalen Hilfsorganisationen erreichten inzwischen das Erdbebengebiet.

(AFP)
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