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Erdbeben in Nepal
Neue Lawine verschüttet möglicherweise rund 250 Menschen

Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet
Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet FOTO: afp, ras/fk
Kathmandu. Bei einem erneuten Lawinenabgang nach dem schweren Erdbeben in Nepal sind am Dienstag möglicherweise rund 250 Menschen verschüttet worden. Die Lawine sei in Ghodatabela an der beliebten Trekking-Route Langtang ins Tal gerast, sagte ein Behördenvertreter.

In Nepal bleibt die Lage nach dem verheerenden Erdbeben vom Wochenende vielerorts lebensgefährlich. Am Dienstag begrub eine Lawine das Dorf Ghodatabela in einem bei Trekking-Touristen beliebten Naturpark unter sich, 250 Menschen wurden vermisst. "Wir versuchen sie zu retten, aber schlechtes Wetter und Regen behindern die Bemühungen", sagte der Governeur des Rasuwa-Distrikts, Uddhav Bhattarai. Das Erdbeben droht sich zur größten Katastrophe auszuweiten, die das Land je getroffen hat. Bis zu 10.000 Menschen könnten getötet worden sein, sagte Ministerpräsident Sushil Koirala der Nachrichtenagentur Reuters. Damit wäre das verheerende Beben von 1934 übertroffen, bei dem rund 8500 Nepalesen starben.

Fotos: Viele Tote bei Erdbeben in Nepal FOTO: dpa, ns bjw

Bislang sind mehr als 4680 Opfer bestätigt. Darunter befindet sich auch ein Deutscher. Die Universität Göttingen bestätigte, ein 67 Jahre alter Geografie-Professor sei bei einer Expedition durch Steinschlag ums Leben gekommen. Die 15 ihn begleitenden Studenten seien leicht verletzt worden. Das Auswärtigen Amt hatte noch keinen Überblick über die Zahl der vermissten Deutschen, die auf über hundert geschätzt wurde. Nach neuesten Zahlen sind über 7000 Menschen bei dem Beben und den Nachbeben verletzt worden. Nach UN-Angaben sind acht Millionen der 28 Millionen Einwohner direkt betroffen. Rund 1,4 Millionen Menschen sind demnach auf Nahrungsmittel-Lieferungen angewiesen.

Internationale Hilfe kommt nur zögerlich 

Die internationale Hilfe traf zögerlich ein. Der Flughafen von Kathmandu gleicht einem Nadelöhr, das Helfer und Güter passieren müssen. Zudem war der kleine Flughafen überlaufen mit Tausenden Menschen, die das Land so schnell wie möglich verlassen wollen. Über die Lage in entlegenen Landesteilen wurde zunächst nur wenig bekannt. Viele Straßen sind durch Erdrutsche blockiert, Dörfer von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten. Wegen der wenig ausgebauten Infrastruktur, die zudem durch das Beben teils schwer beschädigt wurde, konnten Hilfsgüter nicht in alle Regionen transportiert werden.

52 ISAR-Helfer fliegen nach Nepal FOTO: dpa, rwe lof

Besonders schwer hatten es Rettungskräfte im Bergland. In Barpak im Norden des Landes fanden Hubschrauber keinen Landeplatz. Darauf machten sich Soldaten auf den Weg, erst im Bus und dann weiter zu Fuß. Im Distrikt Gorkha, der Heimat der weltbekannten Gurkha-Soldaten, sind nach Angaben örtlicher Behörden bis zu 1700 Häuser zerstört worden. Lebensmittelpakete wurden von Hubschrauber über den Siedlungsbebieten abgeworfen.
"Es ist schlimmer auf Hilfe zu warten als selbst zu graben", sagte Pradip Subba, der mit bloßen Händen in den Trümmern des historischen Dharahara-Turm in der Hauptstadt Kathmandu nach seiner Schwägerin suchte.

Hochlager am Everest evakuiert

Das aus dem 19. Jahrhundert stammende Gebäude stürzte am Samstag zusammen, als Touristen seine spiralförmige Treppe bestiegen. "Unsere Hände sind jetzt die einzigen Maschinen, die wir haben", sagte der 27-Jährige. Schweres Bergungs- und Räumgerät könne durch die engen und zum Teil auch durch Schutt blockierten Straßen der Hauptstadt kaum herangebracht werden, sagte ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes.
Entwarnung gab es in den Bergsteiger-Gebieten im Himalaya.

Alle Hochlager am Mount Everest seien mit Helikoptern evakuiert worden, berichteten Bergsteiger. Bei dem Erdbeben waren in der Region 17 Bergführer und Bergsteiger umgekommen. Im österreichischen Rundfunk rief der Extrembergsteiger Reinhold Messner dazu auf, die Hilfen auf die Nepalesen zu konzentrieren. "Die Everest-Besteiger haben Ärzte oben, die haben Hubschrauber", sagte er im ORF. "Das primäre Problem ist in Kathmandu-Vally und in Langtang und nicht oben am Everest, wo sich die Leute wichtig tun."

Auch die Zerstörung der berühmten Kulturstätten rund um Kathmandu sei eine "riesige Katastrophe", sagte die Chefin der Unesco, Irina Bokowa, am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Drei von sieben verehrten Stätten in und nahe Kathmandu seien ernsthaft beschädigt worden. Zudem habe mit einem Naturpark um den Mount Everest ein weiteres Weltkulturerbe Schaden genommen, dessen Ausmaß noch nicht bekannt sei.

(AFP/REU)
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