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Als Taschendiebe auf der Suche nach Nahrung: Neu-Delhi will die Affen loswerden

zuletzt aktualisiert: 22.11.2003 - 12:24

Neu-Delhi (rpo). Sie beißen, stehlen und kappen Stromleitungen. Die Einwohner von Neu Delhi haben von Affen die Nase voll. Indiens Oberster Gerichtshof hat die Stadt zur affenfreien Zone erklärt. Doch so leicht lassen sich die Tiere nicht verscheuchen.

Leichter gesagt als getan. Der Versuch, die Armee der Rhesusaffen mit Hochfrequenz-Lautsprechern zu vertreiben, ist fehlgeschlagen. Der Plan, sie in andere Regionen umzusiedeln, ist am Widerstand der dortigen Behörden gescheitert. Es gibt sogar eine Affen-Patrouille: Languren, die an der Leine herumgeführt werden. Aber wann immer sich ein Langur nähert, verziehen sich die kleinen Rhesusaffen einfach und suchen sich ein anderes Plätzchen auf dem Gelände.

"Bitte die Affen nicht füttern", steht auf einem Schild auf dem Raisina Hill, wo sich der Präsidentensitz, das Parlament und die Kabinettsbüros befinden. Eine sinnlose Bitte. Hindus verehren den Affengott Hanuman. Jeden Dienstag kommen Gläubige auf den Raisina Hill und bringen den Tieren Bananen.

Die Affen scheinen auch zu wissen, wie man sich die Aufmerksamkeit der internationalen Presse sichert. Im vergangenen Jahr beispielsweise begrüßten sie Journalisten, die zu einer Pressekonferenz mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kamen, mit gellenden Schreien.

"Es ist wirklich ein großes Problem, besonders abends", sagt Amitabha Chakrabarti, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Affen brechen seinen Angaben zufolge nachts in die Büroräume ein und durchwühlen Aktenstapel auf der Suche nach Futter. "Wer lange arbeitet, muss vorsichtig sein, wenn es dunkel ist", sagt Chakrabarti.

Von den mehr als 5.000 Makaken in Neu-Delhi leben nach Schätzung der Stadtbehörden mindestens 1.500 auf dem Raisina Hill. Beim jüngsten Versuch, sich ihrer zu entledigen, wurden etwa 400 Tiere auf dem Gelände eingefangen und in ein Gehege außerhalb der Stadt gebracht. Anschließend sollten sie in den Wäldern der angrenzenden Unionsstaaten ausgewildert werden. Doch die Regierungen dieser Staaten haben sich geweigert, die Affen aufzunehmen, mit der Begründung, sie hätten selbst mehr als genug davon.

"In den Affenhimmel umgesiedelt"

Maneka Gandhi, Schwiegertochter der verstorbenen indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi und Abgeordnete im Parlament, plädiert dafür, die Affen in Ruhe zu lassen. Die Tierschützerin, die bereits ein Programm zur Sterilisation beziehungsweise Kastration streunender Hunde zu Fall gebracht hat, glaubt, dass die eingefangenen Affen für Tierversuche an Labors weitergegeben wurden oder in der Gefangenschaft gestorben sind. "Sie wurden in den Affenhimmel umgesiedelt", sagt Gandhi.

Die Regierung erklärt dagegen, dass allein mehr als 200 Tiere in Gandhis Wahlkreis gebracht wurden, der etwa 200 Kilometer östlich von Neu-Delhi liegt. Die Abgeordnete dementiert dies. "Das ist Unsinn", sagt sie. Nicht ein einziger Affe sei dort angekommen.

Die Tierschutzorganisation Wildlife Institute of India (WII) appelliert, statt der Symptome die Ursachen des Problems zu bekämpfen. Die Affen gehörten in die Wälder, sagt Atul K. Gupta vom WII. Doch Abholzung und Besiedelung hätten sie auf der Suche nach Nahrung in die Städte getrieben. Die Makaken seien geschickte Taschendiebe, wüssten, wie man einen Kühlschrank öffnet, und klauten unverfroren die Lunchpakete der Regierungsangestellten. "Sie haben sich Tricks angeeignet, um in der städtischen Umgebung etwas zu fressen zu finden", sagt Gupta. Die Lösung des Problems liege in der Rettung der Wälder. "Andernfalls wird es nur noch schlimmer."


 
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