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Eröffnung in der Schweiz
Der neue Gotthard-Tunnel – ein Bauwerk der Superlative

Das ist der neue Gotthard-Tunnel
Das ist der neue Gotthard-Tunnel FOTO: Ben Grotjahn, RP
Erstfeld. Die Schweiz feiert an diesem Mittwoch am Gotthard die Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt. Die zwei Röhren ziehen sich 57 Kilometer lang durch die Alpen.  Von Jan Dirk Herbermann

Ein Pfeifen. Der Ton wird immer schriller. Dann setzt ein Dröhnen ein. Wackelt der Berg? "Da rollt gerade ein Test-Zug durch eine der beiden Röhren", ruft Renzo Simoni und formt seine Hände zu einem Trichter. Er zeigt auf das Ende eines Zugangsstollens, der hier auf eine der beiden Röhren des Gotthard-Basistunnels stößt.

Eröffnung des neuen Gotthard-Tunnels FOTO: afp, fc

Trotz des fahlen Lichts im Gotthardmassiv sind dem drahtigen Renzo Simoni die Zufriedenheit und der Stolz anzusehen: Der Bauingenieur aus Graubünden und seine Truppe schreiben sich in diesen Tagen in die Geschichtsbücher der Schweiz ein, ja, sie können sich sogar eines Weltrekordes rühmen: Simoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Alptransit Gotthard AG, und seine Männer haben den längsten Eisenbahntunnel der Welt vollendet: den Gotthard-Basistunnel.

"Europa wird durch unseren Tunnel näher aneinanderrücken"

Die zwei Röhren ziehen sich 57 Kilometer lang durch die Alpen. Vom Nordportal Erstfeld, Kanton Uri in der Zentralschweiz bis zum Südportal Bodio im Kanton Tessin. Heute wird das mehr als zwölf Milliarden Franken teure Jahrhundertwerk offiziell und mit großem Bahnhof eröffnet – die Schweizer erwarten Bundeskanzlerin Angela Merkel, den französischen Präsidenten Francois Hollande und Italiens Premier Matteo Renzi. "Europa wird durch unseren Tunnel näher aneinanderrücken", verspricht Alptransit-Chef Simoni. "Mehr als 20 Millionen Menschen allein im Einzugsgebiet zwischen Süddeutschland und Norditalien können von der neuen Verbindung profitieren." 

Das größte Bauprojekt, das die Schweiz jemals gesehen hat, erfüllt auch eine übergeordnete umwelt- und verkehrspolitische Mission: Die Eidgenossen wollen den Transport von Gütern und Menschen mehr und mehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Die einzigartige Alpenlandschaft soll somit vor der Zerstörung bewahrt werden. Den Zeit-Horizont steckten die Eidgenossen auch schon ab: "Unser Bauwerk ist für mindestens 100 Jahre Nutzungsdauer ausgelegt", macht Simoni klar.

Mehr als 28 Millionen Tonnen Material wurden aus dem Gotthard herausgeholt, mit Bohrungen und Sprengungen. Das Gestein und Geröll würde einen 7100 Kilometer langen Güterzug füllen: von Zürich bis Chicago. Der Clou des Basistunnels: "Die Strecke weist nur minimale Steigungen und Kurven auf", sagt Simoni. Mehr Güterzüge, mehr Personenzüge können so sicherer und schneller durch das Innere der Alpen sausen. Die erste Flachbahn durch die Alpen macht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern möglich. "Nach Abschluss der Arbeiten auf der gesamten Gotthard-Achse werden Reisende zwischen Zürich und Lugano rund 45 Minuten einsparen", wirbt Simoni. Die gesamte Gotthard-Achse umfasst auch den kleineren Ceneri-Basistunnel im Tessin: Er wird 2019 eröffnet.

Bis zu 2300 Meter unter der Oberfläche des Gotthards

Im historischen, 1882 fertiggestellten Gotthard-Scheiteltunnel kommen noch heute Schiebeloks zum Einsatz: Ohne sie könnte so mancher Güterzug die Bergstrecke nicht überwinden. Durch den neuen Basistunnel jedoch, vollgepackt mit bester Eisenbahntechnik, gleiten die bis zu 750 Meter langen Güterzüge mit 2000 Tonnen Anhängerlast ohne Hilfe dahin.

Hier sehen Sie eine Übersicht über die längsten Eisenbahntunnel der Welt.

Infografik: Der Gotthard-Basistunnel im Vergleich | Statista
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Der Tunnel liegt bis zu 2300 Meter unter der Oberfläche des Gotthards. Auch das ist Weltrekord – und verursacht Probleme. Weil die starken Spannungen die Röhren zu verformen drohten, tüftelten Ingenieure lange an einer Lösung: Sie entwarfen flexible Stahlbögen, diese schieben sich bei aufkommenden Druck zusammen und verhindern somit eine Katastrophe.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auch während der Bauarbeiten musste Alptransit den Verlust von Mitarbeitern beklagen: Neun Männer ließen in den vergangenen Jahren im Gotthard-Massiv ihr Leben. "Es waren tragische Unfälle, Unachtsamkeit, ein Mitarbeiter fiel von der Leiter", erzählt Simoni mit ernster Miene. Hinter ihm ist im Kerzenlicht eine Statue der heiligen Barbara zu sehen, der Schutzpatronin der Bergleute. Die Hinterbliebenen gedachten gestern an einem Tunneleingang der Toten – am heutigen Mittwoch werden die Megaröhren eröffnet. Und Mitte Dezember sollen die Züge dann regulär nach Fahrplan durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt rauschen.

Quelle: RP
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