Somalia: Niederländische Marine befreit Piraten-Geiseln
zuletzt aktualisiert: 19.04.2009 - 16:29Den Haag/Berlin (RPO). Vor der Küste Somalias hat die niederländische Marine zahlreiche Piraten-Geiseln befreit und mehrere Seeräuber festgesetzt. Die Soldaten eilten einem griechischen Tanker nach einem Überfall zu Hilfe, wie NATO und die Regierung in Den Haag am Samstag mitteilten. Vor Beginn eines Prozesses gegen neun von Deutschland an Kenia überstellte Piraten kritisierte ein deutscher Anwalt die mangelnden Rechte der Angeklagten.
Die unter NATO-Flagge fahrenden niederländischen Marine-Mitglieder seien dem Tanker "Handytankers Magic" im Golf von Aden zu Hilfe geeilt, nachdem dieser einen Notruf abgesetzt habe, sagte NATO-Kommandant Alexandre Fernandes. Die Piraten flohen daraufhin mit kleinen Booten zu einem gekaperten arabischen Fischerboot. Dieses wurde laut einem NATO-Sprecher von einem Schiff der britischen Marine in Schach gehalten, bis die niederländische Fregatte eingetraf. An Bord entdeckten die Niederländer neun mutmaßliche Seeräuber und 16 jemenitische Geiseln.
Die Piraten wurden den Angaben zufolge entwaffnet und die Geiseln befreit. Auf Order eines NATO-Geschwader-Kommandeurs mussten die mutmaßlichen Seeräuber aus rechtlichen Gründen jedoch freigelassen werden, wie der niederländische Außenamtssprecher Robin Middel sagte.
Im Golf von Aden konnte in der Nacht zu Sonntag ein Angriff auf ein unter norwegischer Flagge fahrendes Schiff abgewehrt werden. Ein Schiff der britischen Marine verhinderte nach NATO-Angaben mit Unterstützung aus der Luft die versuchte Einnahme des Tankers "MV Front Ardennes". Sieben mutmaßliche Piraten wurden festgenommen.
Die belgische Regierung bestätigte eine Geiselnahme auf einem belgischen Schiff. Die "Pompéi" wurde den Angaben zufolge 150 Kilometer nördlich der Seychellen gekapert. Angesichts der häufigen Piratenangriffe untersagte die philippinische Regierung Seefahrern ihres Landes Fahrten in die Region vor Somalia. Mehr als hundert Philippiner befinden sich derzeit in den Händen von Piraten.
Vor Beginn des Prozesses gegen neun mutmaßliche Piraten wegen des Angriffs auf den deutschen Frachter "MV Courier" am Mittwoch kritisierte der Frankfurter Rechtsanwalt Oliver Wallasch, die Rechte der Angeklagten seien mangelhaft. Da ein kenianischer Anwalt die möglicherweise verschiedenen Interessen von neun Somaliern vertreten müsse, sei die von EU und Kenia vereinbarte "konkrete und effektive" Verteidigung nicht mehr gewährleistet, sagte Wallasch. Wallasch und zwei weitere Anwälte bemühen sich um Zulassung als Rechtsbeistände für die Somalier. Die mutmaßlichen Piraten waren Anfang März von der Bundeswehr im Golf von Aden gefasst und nach Mombasa überstellt worden.
Im vergangenen Jahr haben somalische Piraten nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros mehr als 130 Handelsschiffe gekapert, was im Vergleich zu 2007 ein Zuwachs um 200 Prozent ist. Die schwerbewaffneten Seeräuber arbeiten häufig von hochmodernen Schnellbooten aus und halten die Schiffe oft wochenlang in ihrer Gewalt, bevor sie sie gegen hohe Lösegelder freigeben. Auch der deutsche Frachter "Hansa Stavanger" mit fünf Deutschen an Bord ist seit Anfang April in der Hand von Piraten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Sonntag in Berlin, der Krisenstab bemühe sich weiter intensiv um eine Lösung.
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