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Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Nigeria
Boko-Haram-Kämpfer töten Wähler an der Urne

Die Sekte Boko Haram
Die Sekte Boko Haram FOTO: dpa, axs
Birin Bolawa. Die Befürchtungen der nigerianischen Regierung haben sich bewahrheitet: Die Terrorsekte Boko Haram gibt auch am Tag der Wahl keine Ruhe. Mindestens sieben Menschen sind bei Anschlägen schon ums Leben gekommen. Am Tag zuvor sollen 23 Menschen enthauptet worden sein.

Überschattet von islamistischer Gewalt und technischen Pannen haben in Nigeria am Samstag Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattgefunden. In einigen Wahlbezirken musste die Abstimmung wegen technischer Probleme bis Sonntag ausgesetzt worden. Bei Anschlägen, die der Islamistenmiliz Boko Haram zugerechnet wurden, starben mindestens sieben Menschen.

Knapp 70 Millionen Menschen hatten sich in die Wahllisten eingetragen. Unter den 14 Bewerbern um das Präsidentenamt war erstmals eine Frau. Ernsthafte Chancen wurden nur dem christlichen Amtsinhaber Goodluck Jonathan aus dem Süden und dem Muslim Muhammadu Buhari, einem ehemaligen Putschgeneral aus dem Norden, eingeräumt. Zwischen den beiden Politikern wurde ein knappes Rennen erwartet. Buhari hatte in den Jahren 1983 bis 1985 schon einmal an der Staatsspitze gestanden.

In einer nicht näher angegebenen Zahl von Wahlbezirken wurde die Abstimmung wegen technischer Probleme bei der elektronischen Erfassung von Wählern ausgesetzt. In den betroffenen Gegenden solle die Abstimmung am Sonntag erfolgen, teilte die Wahlkommission mit. Demnach gab es Schwierigkeiten mit den Kartenlesegeräten zur Registrierung der Wähler. Welchen Umfang die Panne hatte, wurde nicht mitgeteilt, die Rede war lediglich von "vielen" Orten.

Auch Staatschef Goodluck Jonathan, der vor der Wahl Kopf an Kopf mit Oppositionsführer Muhammadu Buhari lag, brauchte mehrere Anläufe für die Registrierung. Nigeria ist mit 173 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Urnengang war wegen des Vormarschs von Boko Haram im Norden des Landes um sechs Wochen verschoben worden. In den Wochen vor der Wahl meldete die nigerianische Armee Erfolge im Kampf gegen die Extremisten.

Neue Gewalt

Dennoch gab es am Samstag neue Gewalt: Zwei Angriffe ereigneten sich laut Bewohnern und einem Wahlhelfer in den Dörfern Birin Bolawa und Birin Fulani im nordöstlichen Bundesstaat Gombe. Dem Wahlhelfer zufolge riefen die Angreifer: "Wir haben euch davor gewarnt, zur Wahl zu gehen!" Bei weiteren Anschlägen wurden fünf Menschen getötet. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau hatte mit Anschlägen auf Wahlbüros gedroht. Die Islamisten halten demokratische Wahlen für "unislamisch".

Zwar stieg Nigeria nach Jahrzehnten politischer Instabilität unter Jonathan zu Afrikas größter Wirtschaftsmacht auf, doch gelang es dem Präsidenten nicht, Boko Haram zu stoppen. Jonathans Partei PDP ist seit der Rückkehr zu einer zivilen Regierung vor sechs Jahren an der Macht, muss sich aber einer erstarkten Opposition stellen. Insgesamt bewarben sich 2537 Kandidaten von 28 Parteien für die 469 Parlamentssitze.

23 Menschen enthauptet

Bereits einen Tag zuvor sollen es zu einem Massaker gekommen sein: Mutmaßliche Boko-Haram-Kämpfer haben im Nordosten des Landes nach Angaben eines örtlichen Abgeordneten 23 Menschen enthauptet. Die Extremisten hätten am späten Freitag die Stadt Buratai im Bundesstaat Borno angegriffen und dort auch zahlreiche Häuser in Brand gesteckt, sagte der Parlamentarier Mohammed Adamu am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Eine Krankenschwester der nächstgelegenen größeren Klinik in der Stadt Biu bestätigte, dass viele Menschen bei dem Angriff enthauptet worden seien. In das Krankenhaus seien 32 Verletzte gebracht worden.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram mittlerweile von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt.

(AFP)
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