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Nizza
Trotz und Zuversicht am Tag danach

Nizza: Eine Stadt unter Schock
Der berühmte Strand von Nizza – am Freitag fast menschenleer. FOTO: ap, BO
Nizza. Nizza am Tag nach dem Anschlag. Die Stadt ist ungewöhnlich ruhig. Die Cafés sind leer, im stahlblauen Meer schwimmt nur ein einziger Mann. Beobachtungen von Saskia Nothofer.

"Mörder, Mörder, Mörder" schreien zwei Frauen, als schwarze, gepanzerte von der Polizei eskortierte Autos an ihnen vorbei fahren. Links neben ihnen liegt ein Meer aus Blumen, Kuscheltieren und kleinen Briefen, die an die Verstorbenen des Attentats erinnern. Die Wut der Frauen richtet sich gegen Regierungsmitglieder, die wohl in den Autos saßen. Den "Männern in den schwarzen Anzügen" geben die Frauen die Schuld an dem Massaker: "Nur wegen Hollande wüten die Terroristen hier", sagen sie.

Generell ist die Stimmung in Nizza gedrückt. Die sonst quirlige Stadt ist ruhig. Lediglich in der Nähe der Stelle, an der der Lkw gestoppt werden konnte, haben sich viele Menschen versammelt. Von weitem kann man das große weiße Fahrzeug sehen. Kennt man die Bilder aus den Medien, kann man aus der Ferne auch die Einschusslöcher erkennen. Einheimische sind gekommen. Genauso auch Touristen. Gewöhnliches Sightseeing machen sie nicht. Eher sind sie Schaulustige, die den Ort des Geschehens sehen wollen.

"Die Ruhe in der Stadt ist sehr ungewöhnlich"

Das Gelände rund um die Promenade ist weiträumig abgesperrt. Polizisten bewachen die Gitter. Der Strand, sonst voll mit Urlaubern, ist wie leer gefegt. Nur ein einziger Mann schwimmt in dem stahlblauen Meer. "Die Ruhe in der Stadt ist sehr ungewöhnlich", sagt Sophie Douchet, die aus Nizza kommt. "Die Straßen sind so leer wie sonst nie und nur wenige Leute sitzen in den Restaurants."

Im Café Balthazar, das an der Promenade und nur wenige Meter entfernt von dem Ort des Schreckens liegt, ist genau diese Stimmung zu spüren. Eigentlich hat das Café geschlossen, die Stühle im Innenraum stehen auf den Tischen. Trotzdem sind einige Kellner gekommen und Gäste haben sich auf der Terrasse zusammengefunden, um zu trauern. Gegessen oder getrunken wird hier nicht. Einige Menschen liegen sich in den Armen. Auch vor dem Café wurde eine Gedenkstätte mit Blumen eingerichtet. Darüber weht eine Frankreich-Flagge. Sogar die Marseillaise wird gespielt.

"Es war einfach nur verrückt", erzählt Agustin Casini, der als Kellner im Balthazar arbeitet und auch während des Attentats zur Schicht eingeteilt war. "Die Leute sind gerannt wie die Verrückten. Manche von ihnen haben bei uns Schutz gesucht. Sind regelrecht bei uns eingefallen", so der 29-Jährige. Es habe Panik geherrscht und auch er habe große Angst gehabt.

"Alle sind viel hilfsbereiter"

Beim Gang durch die engen Gassen ist die gedrückte Stimmung trotz wunderschöner Häuserfassaden und strahlend blauem Himmel zu spüren. Einige Menschen tragen in Plastikfolie eingepackte Blumen mit sich, um sie an den Gedenkstätten zu platzieren. Auch die Souvenirläden sind leer. Doch Ahmed Abdelfattah, der einen solchen führt, ist zuversichtlich. "Ich denke nicht, dass sich etwas ändern wird. Anschläge können überall passieren, die Menschen werden trotzdem noch nach Nizza kommen."

Ähnlich optimistisch ist auch die 20-jährige Douchet: "Das was geschehen ist, ist schrecklich, aber es wird die Menschen und das Verhalten der Menschen nicht verändern. Wir lassen uns davon nicht einschüchtern." Noch sitze der Schock aber tief, die Menschen in der Stadt seien ganz anders als sonst. "Alle sind viel hilfsbereiter", sagt Douchet. Und jeder würde fragen, ob man eines der Opfer kenne. Zum Glück können sie das verneinen.

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