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  Foto: KCNA/FILES, AFP
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"Maßnahme zur Selbstverteidigung": Nordkorea führt weiteren Atomtest durch

zuletzt aktualisiert: 25.05.2009 - 19:50

Seoul (RPO). Nordkorea lässt erneut die Muskeln spielen: Die kommunistische Diktatur führte am Montag nach eigenen Angaben den zweiten unterirdischen Atomtest seit 2006 durch. Im direkten Anschluss wurde einem Bericht zufolge eine Kurzstreckenrakete zu Testzwecken abgefeuert. Der Bericht über den Atomtest erscheint glaubwürdig: Unabhängige Geologen melden die Messung eines künstlichen Bebens. US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt.

Die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur KCNA meldete, der Atomtest sei erfolgreich verlaufen. Es ist offenbar nicht die einzige Drohgebärde der Diktatur an diesem Tag. Nach der Bekanntgabe des Tests feuerte Nordkorea laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap eine Kurzstreckenrakete zu Testzwecken ab.  Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte erstmals im Oktober 2006 einen Atomsprengsatz gezündet.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete den neuen nordkoreanischen Atomtest als "Bedrohung für den internationalen Frieden". Der Präsident kündigte in einer am Montag in Washington veröffentlichten Erklärung eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft an. Das Vorgehen Pjöngjangs sei zwar keine Überraschung, aber "Grund zu tiefer Besorgnis für alle Nationen". "Nordkoreas Versuche, Atomwaffen zu entwickeln, ebenso wie sein ballistisches Raketenprogramm stellen eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit dar", hieß es in der Erklärung.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kündigte für den Abend (22.00 Uhr MESZ) eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zu dem Atomtest an. Lawrow äußert sich in einer Erklärung aus Beirut "beunruhigt", wie mehrere russische Nachrichtenagenturen meldeten.

Zuvor hatte Japan eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats gefordert, wie der stellvertretende Außenminister Mitoji Yabunaka laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo erklärte. Kabinettsekretär Takeo Kawamura sagte, wenn Nordkorea tatsächlich einen Atomtest durchgeführt habe, wäre das eine klare Verletzung der UN-Resolutionen. "Wir werden das mit Sicherheit nicht zulassen."

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums in Moskau setzte die in Nordkorea erzeugte unterirdische Explosion Messungen zufolge eine Energie von zehn bis 20 Kilotonnen frei. Die von den USA 1945 über Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte eine Sprengkraft von rund 15 Kilotonnen.

Bei dem nun erfolgten unterirdischen Atomtest sei die Sprengkraft größer und die Kontrolltechnologie besser gewesen als beim ersten Test 2006, berichtete auch Nordkoreas KCNA. Der neue Test sei "Teil der Maßnahmen, um die nukleare Abschreckung zur Selbstverteidigung zu stärken", hieß es weiter.

Geologen in den USA, Japan und Korea berichteten von Erderschütterungen in Nordkorea. US-Wissenschaftler registrierten im Nordosten des Landes ein Beben der Stärke 4,7 in einer Tiefe von zehn Kilometern. Die meteorologische Behörde in Japan bemühte sich zu überprüfen, ob die Erschütterungen von einem Atomtest verursacht sein könnten. Südkoreanische Seismologen maßen ein Beben der Stärke 4,5 bei Kilju in der Provinz Hamgyong.

Nordkorea will offenbar Druck erhöhen

Der Test kann als Signal nach innen und außen gedeutet werden: Internationale Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea mit dem neuerlichen Atomtest den Druck auf die internationale Gemeinschaft erhöhen will. Andererseits kann der Versuch aber auch als eine nach innen gerichtete Machtdemonstration von Regierungschef Kim Jong-Il interpretiert werden. Die Online-Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" zitiert die Nordkorea-Expertin des Shanghaier Instituts für internationale Beziehungen, Yu Yingli, mit der Einschätzung, der Test könnte den Zweck haben, die Kontrolle des Diktators über das Land zu stärken.

Internationale Bestürzung

Die Nachricht über den erneuten Atomtest hat international Bestürzung ausgelöst. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner äußerte sich am Montag während eines Besuchs in Thailand sehr besorgt. Ihr läge noch keine offizielle Bestätigung des Tests vor, "aber wenn es so ist, wäre das sicherlich sehr, sehr beunruhigend", erklärte sie. Ein solcher Schritt müsse verurteilt werden. Die japanische Regierung sprach sich für eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats aus, wie Vize-Außenminister Mitoji Yabunaka in Tokio erklärte.

Die US-Regierung nahm Konsultationen mit ihren Verbündeten auf. So sollten mehr Informationen über den Atomtest zusammengetragen werden, erklärte ein Mitarbeiter des Außenministeriums in Washington, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Sanktionen nach Atomtest 2006

Nach dem ersten Atomtest 2006 hatten die Vereinten Nationen Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Im April dieses Jahres startete Nordkorea eine Langstreckenrakete. Nach ihrer Verurteilung im UN-Sicherheitsrat kündigte die kommunistische Regierung eine Wiederaufnahme ihres Atomprogramms und einen Boykott der Sechs-Parteien-Gespräche mit Südkorea, Japan, China, Russland und den USA an.

Erst Anfang dieses Monats sprach das Regime in Pjöngjang von einem Ausbau seines Atomwaffenarsenals. Die feindliche Haltung der USA dauere weiter an, erklärte das Außenministeriums damals. Der US-Sondergesandte für Nordkorea, Stephen Bosworth, hatte dem Land daraufhin mit "Konsequenzen" gedroht, sollte es zu einem neuen Atomwaffentest kommen.

Quelle: AP

 
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