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Braunau am Inn
Regierung will das "Hitler-Haus" endlich loswerden

Das ist das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau
Das ist das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau FOTO: dpa, axs vfd
Braunau. Österreichs Minister haben genug von Rechtsextremisten, die zum Geburtshaus von Adolf Hitler pilgern. Um den "Hitlertourismus" in Oberösterreich zu unterbinden, soll die Hausbesitzerin jetzt enteignet werden. Das hat die rot-schwarze Koalition am Dienstag in Wien beschlossen.  Von Sebastian Bergmann

Sie brechen Putz von der Wand ab, um ihn als Souvenir mitzunehmen, lassen sich vor dem Haus fotografieren oder verteilen positive Bewertungen bei Google: Immer wieder reisen Rechtsradikale ins oberösterreichische Braunau am Inn, um Hitlers Geburtshaus zu besuchen.

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands warnte zuletzt, es bestehe die Gefahr, dass eine Pilgerstätte entstehe. Zuletzt sei ein verstärkter europaweiter Trend beobachtet worden, nach Braunau zu reisen. 

Haus war Werkstätte für Menschen mit Behinderung

Hitler wurde1889 in dem Haus mit der Adresse "Salzburger Vorstadt 15" geboren. Seitdem war das Gebäude nahe der deutschen Grenze unter anderem schon Standort einer Bank, einer Bücherei, einer Schule und einer Behindertenwerkstatt. Die österreichische Regierung ist seit 1972 Hauptmieter, zahlt monatlich 5000 Euro für das seit fünf Jahren leerstehende Gebäude. Nachdem Verhandlungen über einen Kauf mit der Eigentümerin immer wieder scheiterten, kommt es jetzt zur Enteignung.

Abriss wäre "die sauberste Lösung"

Wegen seiner Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert steht das Haus zwar unter Denkmalschutz. Wenn der Nationalrat die Enteignung aber wie erwartet im September auch formal absegnet, würde dieser aufgehoben. Eine Kommission will dann auch Vorschläge zur Zukunft des Hauses vorlegen.

Auch ein Abriss ist denkbar. Dafür plädiert Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP). "Für mich wäre ein Schleifen (Anmerkung der Redaktion: Schleifen bedeutet Abriss) sauberste Lösung", sagt er. Wörtlich geht es dem Ministerrat um die "dauerhafte Unterbindung der Pflege, Förderung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts".

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