| 15.12 Uhr

Bewegende Aufnahmen
Omrans Gesicht zeigt das Leid von Aleppo

Omran Dagneesh: Video eines Fünfjährigen zeigt das Leid von Aleppo
Omran wurde von einer Explosion verwundet. Inzwischen hat er das Krankenhaus wieder verlassen. FOTO: ap
Aleppo. Das Video eines Fünfjährigen, der aus den Trümmern der umkämpften, syrischen Stadt Aleppo gerettet wurde, geht um die Welt. Denn im blutverschmierten Gesicht des Kindes zeichnet sich das ganze Grauen des Bürgerkrieges ab. Täglich gibt es viele solcher Bilder, doch nur wenige stechen so heraus. Von Marcel Romahn

Syrische Oppositionsaktivisten haben die bewegenden Aufnahmen veröffentlicht. Der Film wurde am späten Mittwochabend vom Aleppo Media Center veröffentlicht. Es zeigt ein verletztes Kind im Sitz eines Krankenwagens. Es wirkt apathisch und abgekämpft, Gesicht und Körper sind mit Staub und Blut bedeckt.

Laut der behandelnden Ärzte hat das Kind mehrere Kopfverletzungen erlitten. In dem Film ist außerdem zu sehen, wie ein Mann den Jungen nach einem Luftangriff auf einen von Rebellen gehaltenen Bezirk Aleppos aus dem Schutt befreit und wegträgt.

Die Aufnahmen verdeutlichen einmal mehr, welche Folgen die Schrecken des Bürgerkriegs für die einheimische Bevölkerung haben. In den sozialen Netzwerken werden das Video und das Foto mit großer Anteilnahme geteilt.

Alltag in Aleppo

Wie ein Korrespondent des britischen "Telegraph" berichtet, soll es sich bei dem Jungen um den fünfjährigen Omran Daqneesh handeln. Er sei mit einer Gruppe von mehreren Kindern und Erwachsenen zusammengewesen, als es zu einer Explosion kam. Dabei beruft sich der Korrespondent auf die Angaben der behandelnden Ärzte.

Nach der Behandlung habe Omran das Krankenhaus wieder verlassen können. Was mit seinen Eltern geschehen ist, sei bislang unklar. Insgesamt seien an diesem Tag noch zwölf weitere Kinder – allesamt jünger als 15 Jahre – in dem Krankenhaus behandelt worden. "Morgen wird es weitere Angrife geben und noch mehr Kinder wie Omran werden verletzt werden", ist sich der Korrespondent sicher.

Hunger und mangelnde medizinische Versorgung

Seit 2011 wurden im syrischen Bürgerkrieg mehr als 400.000 Menschen getötet. Aleppo ist als zweitgrößte Stadt Syriens derzeit Hauptkriegsschauplatz. Der Großteil der Stadt ist vollständig zerstört. Die Bevölkerung leidet an Hunger und mangelnder medizinischer Versorgung.

Die Menschen in Aleppo sind nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef in akuter Lebensgefahr. Das gelte insbesondere für Kinder, sagte der Sprecher von Unicef Deutschland, Rudi Tarneden, am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Sie seien sehr schlecht ernährt und von Kreislaufzusammenbrüchen und Krankheiten wie schwerem Durchfall oder Cholera bedroht. Neben dem "lauten Sterben" durch Bomben drohe "ein stiller Tod für die Kinder".

Nachdem ein Umspannwerk "vermutlich absichtlich" zweimal bombardiert worden sei, sei die Versorgung mit Trinkwasser in Aleppo unterbrochen, so Tarneden. Die Menschen nutzten vielfach Wasser aus verschmutzten Brunnen, so dass jederzeit Seuchen ausbrechen könnten. Die Hilfswerke brächten zwar Tankwagen mit Wasser in die Stadt, "aber das ist nicht nachhaltig".

Das Bild von Omran erinnert an jenes von Aylan Kurdi, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Der syrische Junge war ertrunken an einem Strand in der Türkei entdeckt worden. Eine Aufnahme davon ging als Symbol für die Flüchtlingskrise und die Folgen des syrischen Bürgerkriegs um die Welt.

Mit Agenturmaterial.

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