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60 geborgene Leichen: Opfer des Fährunglücks werden mit Dias identifiziert

zuletzt aktualisiert: 05.02.2006 - 19:23

Safaga (rpo). Nach dem verheerenden Schiffsunglück im Roten Meer wurden mittlerweile 60 Leichen aus dem Wasser geborgen. Mit Hilfe von Dias der Leichen haben die ägyptischen Behörden nun die Identifizierung der Opfer vorangetrieben. Rund 350 Angehörige wurden in einer Halle in der Hafenstadt Safaga zusammengerufen, wo ihnen im Abstand von 20 Sekunden Aufnahmen geborgener Leichen gezeigt wurden.

Viele der Angehörigen brachen angesichts der Bilder in Tränen aus. Nach dem Untergang der Fähre "El Salam Boccaccio 98" wurden 385 Überlebende gezählt. Rund tausend der 1415 Passagiere gelten als vermisst. Unter den Passagieren waren viele Ägypter aus armen Familien, die Arbeit in den Golfstaaten angenommen hatten, sowie Pilger, die auf dem Rückweg von Mekka waren.

Verkehrsminister Mohammed Mansur zufolge führte ein Brand zum Untergang der äyptischen Fähre. Nach Behördenangaben brach das Feuer in einem Lastwagen an Bord aus. Augenzeugen berichteten, das Feuer habe sich vom Maschinenraum aus ausgebreitet. Aus Schifffahrtskreisen hieß es, der Kapitän habe beschlossen, in den saudiarabischen Hafen Duba zurückzukehren, habe das Manöver aber nicht richtig ausführen können, weil es sehr stürmisch gewesen sei. Die Fähre habe Schlagseite bekommen und sei rasch gesunken.

Überlebende warfen der Besatzung vor, nicht angemessen reagiert zu haben. "Der Brand ging eine ganze Weile weiter, und (die Crew) sagte immer nur, dass sie ihn unter Kontrolle bekommt", berichtete ein 48-jähriger Überlebender. Andere Überlebende berichteten über zu wenig Rettungsboote an Bord. Der Kapitän habe das Schiff zudem als erster verlassen, anstatt die Rettungsarbeiten zu beaufsichtigen.

Kapitän zuerst von Bord

Von den über 1.400 Passagieren und Besatzungsmitgliedern wurden nach Angaben der Behörden bislang lediglich 379 lebend aus dem Wasser gezogen, 136 Leichen wurden geborgen. Überlebende berichteten von einem Brand und Explosionen an Bord, bevor die "Al Salaam Boccaccio 98" in der Nacht zum Freitag auf dem Weg von Saudi-Arabien nach Ägypten sank.

"Wir forderten die Mannschaft auf: Lasst uns umkehren, lasst uns um Hilfe rufen", sagte Ahmed Abdel Wahab. Die Besatzung habe jedoch erklärt, es sei alles unter Kontrolle. Als einige Passagiere in Panik geraten seien, hätten Besatzungsmitglieder mehrere Frauen in ihren Kabinen eingeschlossen. "Nach einer Weile bekam das Schiff Schlagseite, und sie konnten das Feuer nicht mehr im Griff halten. Dann hörten wir Explosionen, und fünf Minuten später sank das Schiff." Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte starker Wind.

Andere Überlebende widersprachen den Berichten, dass Passagiere eingeschlossen worden seien. Auch andere Fragen zum Unglückshergang waren noch ungeklärt. Während ein Sprecher von Präsident Husni Mubarak sagte, an Bord der "Al Salaam Boccaccio 98" seien nicht genügend Rettungsboote gewesen, dementierte das Verkehrsministerium die Aussagen. Es habe mehr als genug Rettungsboote gegeben, sagte Generalmajor Scherin Hassan.

Auch Medienberichte, wonach der Kapitän und Teile der Besatzung das sinkende Schiff in einem der ersten Rettungsboote verlassen haben sollen, wurden in Frage gestellt. Der Kapitän werde weiterhin vermisst, erklärte Hassan. Der Schiffsunternehmer El Salam Maritime Transport betonte, sowohl vom Kapitän als auch von einem Großteil der Crew fehle jedes Lebenszeichen.

"Wo sind unsere Kinder?"

Angehörige der Vermissten harrten auch zwei Tage nach der Katastrophe weiter bangend vor dem Hafen von Safaga aus, den die Fähre hätte anlaufen sollen. Zahlreiche Menschen reagierten zunehmend verzweifelt auf ausbleibenden Berichte über das Schicksal der Vermissten. Am Samstag warfen einige Wartende Steine auf die Sicherheitskräfte und verletzten mehrere Polizisten. "Wo sind unsere Kinder?" riefen die Menschen. "Wo sind die Toten? Wir wollen wissen, was mit unseren Kindern passiert ist!"

Präsident Mubarak flog am Samstag nach Hurghada nördlich von Safaga, wo er Verletzte in Krankenhäusern besuchte. Er sicherte den Familien der Toten jeweils umgerechnet rund 4.300 Euro zu, jeder Überlebende soll rund 2.150 Euro erhalten.

Die EU bot Ägypten Unterstützung an. Das Mitgefühl Europas gelte den Betroffenen, erklärte die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik für die EU-Präsidentschaft. An Bord der "Al Salaam Boccaccio 98" waren 1.200 Ägypter, 112 Passagiere anderer Nationen und 96 Besatzungsmitglieder.

Quelle: afp

 
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