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Orlando-Schütze
Omar Mateen wollte professionelle Körperpanzerung kaufen

Orlando: Mindestens 50 Tote bei Schießerei in Nachtclub
Orlando: Mindestens 50 Tote bei Schießerei in Nachtclub FOTO: dpa, pt
Orlando . Während US-Präsident Barack Obama der Stadt Orlando und den Familien der 49 Todesopfer des Schwulenclub-Massakers Mut zugesprochen hat, wird bekannt, dass der Attentäter vor dem Massaker in einem Waffenladen eine Körperpanzerung und 1000 Schuss Munition erwerben wollte.

Dies sei ihm verwehrt worden, weil der Kunde dadurch Verdacht erregt habe, dass er einen typischerweise von Strafvollzugsbehörden verwendeten hochwertigen Körperschutz kaufen habe wollen, sagte der Mitbesitzer des Geschäfts in der Stadt Jensen Beach, Robert Abell.

Den Angaben zufolge kam der spätere Attentäter rund fünf Wochen vor dem Massaker in den Waffenladen. Der Mann habe das Geschäft mit leeren Händen verlassen müssen, sagte Abell. Zudem sei das FBI alarmiert worden. Da allerdings kein Kauf getätigt worden sei, sei auch nicht die Identität des Kunden festgestellt worden. Den Behörden habe man deshalb keinen Namen geben können, sagte Abell. Erst nach dem Schusswaffenmassaker im Schwulenclub "Pulse" in der Nacht zum vergangenen Sonntag hätten Mitarbeiter den Schützen in Medienberichten wiedererkannt. Jensen Beach befindet sich rund 200 Kilometer südöstlich von Orlando. Beide Städte liegen im US-Staat Florida.

Obama kondoliert

Derweil hat US-Präsident Barack Obama der Stadt und den Familien der 49 Todesopfer Mut zugesprochen. Sie durchlebten eine Trauer, die nicht zu beschreiben sei, sagte Obama am Donnerstag nach einem Treffen mit Angehörigen der Opfer, Überlebenden und Polizisten, die im Einsatz waren, als ein bewaffneter Angreifer in der Nacht zum Sonntag im Club "Pulse" das Feuer eröffnete. "Auch unsere Herzen sind gebrochen", sagte er - und forderte abermals schärfere Waffengesetze.

An einem provisorischen Gedenkort für die Opfer betonte Obama, dass die Schreckenstat ein Beweis dafür sei, dass die USA verschiedene Schritte benötigten, um den durch eine "verwirrte" Person verübten Schaden künftig zu limitieren. Das Militär könne mit seinen Einsätzen gegen Extremisten im Ausland solche Terrorangriffe wie in Orlando oder wie vergangenes Jahr in San Bernardino nicht aufhalten. Diese seien nicht von gut strukturierten Terrorzellen verübt worden, sondern von gestörten Einzeltätern mit Zugang zu Waffen.

"Die Motive sind unterschiedlich - die Waffen die gleichen"

Die Motivation für diese und auch für andere Angriffe wie in Orlando, in Aurora und in Newtown sei vielleicht unterschiedlich, doch die verwendeten Waffen seien die gleichen, sagte Obama. Es seien Sturmgewehre gewesen, die in den USA viel zu leicht zu erwerben seien. Ein Verbot dieser Waffen sei ebenso notwendig wie striktere Hintergrundchecks für Waffenkäufer.

Er hoffe auf Einsicht unter den Senatoren in Washington. Diejenigen, die den einfachen Zugang zu Angriffswaffen verteidigten, sollten die Familien in Orlando treffen und ihnen erklären, warum ihr Vorgehen einen Sinn ergebe, so Obama.

Seine Worte waren auch auf die Kritik der Republikaner gemünzt, die ihm vorgeworfen hatten, nicht entschlossen genug gegen Extremisten vorzugehen. Der republikanische Senator John McCain sagte am Donnerstag, Obama sei "direkt verantwortlich" für den Angriff von Orlando, weil er zugelassen habe, dass die Terrormiliz Islamischer Staat wachse. Kurz darauf machte McCain teilweise einen Rückzieher, indem er mitteilte, sich versprochen und Obamas Entscheidungen zur nationalen Sicherheit, nicht den Präsident selbst gemeint zu haben.

In der wieder aufgeflammten Debatte um schärfere Waffengesetze bleiben die Parteien weiterhin gespalten. Der demokratische Senator Chris Murphy hielt eine 15-stündige Dauerrede - einen sogenannten Filibuster -, der bis in die Nacht zum Donnerstag andauerte, um den Forderungen seiner Partei Nachdruck zu verleihen. Die Republikaner blieben aber bei ihrer Ablehnung. Mehrheitsführer Mitch McConnell bezeichnete den Filibuster als reine Wahlkampfshow.

(felt/ap)
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