Mehr als 20 Tote nach Raketenangriff: Pakistanische Taliban ernennt neuen Führer
VON ANWARULLAH KHAN - zuletzt aktualisiert: 22.08.2009 - 20:00Khar/Islamabad (RPO). Gut zwei Wochen nach dem vermuteten Tod des pakistanischen Taliban-Führers Baitullah Mehsud hat die radikalislamische Miliz einen Nachfolger bestimmt. Mehsuds bisheriger Stellvertreter Hakimullah Mehsud sei zum neuen Führer ernannt worden, sagten ranghohe Kommandeure am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Sein Vorgänger war allem Anschein nach am 5. August bei einem US-Raketenangriff getötet worden.
Ein 42-köpfiger Rat der Taliban habe Hakimullah am Freitag einstimmig ernannt, da Baitullah erkrankt sei, sagte ein enger Vertrauter von Maulvi Faqir Mohammad, einem weiteren Stellvertreter Baitullahs. Die Taliban-Führung hatte Baitullahs Tod in den vergangenen Wochen immer wieder dementiert. Beweise dafür, dass er noch lebt, gab es aber nicht. Anfang der Woche räumte ein gefangen genommener Taliban-Sprecher ein, dass Baitullah getötet worden sei.
Hakimullah galt bereits zuvor als aussichtsreicher Nachfolger von Baitullah. Der 28-Jährige hatte den Ruf, der skrupelloseste unter Baitullahs Stellvertretern zu sein. Er befehligte bisher die Taliban in drei Stammesregionen. Nach Angaben der Behörden stand er hinter mehreren Anschlagsdrohungen auf ausländische Botschaften. Hakimullah bekannte sich auch zu dem Anschlag auf das Luxushotel Pearl Continental in Peshawar im Juni, bei dem mindestens elf Menschen getötet wurden. Auf ihn ist ein Kopfgeld von 10 Millionen Rupien (84.000 Euro) ausgesetzt.
Auch Kinder unter den Opfern in Nord-Waziristan
Im Nordwesten von Pakistan wurden unterdessen einen Tag nach einem mutmaßlichen US-Raketenangriff weitere Leichen aus den Trümmern geborgen. Die Gesamtzahl der Toten erhöhte sich bis Samstagmittag auf 21, wie die Behörden mitteilten. Örtlichen Stammesführern zufolge befanden sich unter den Opfern auch sechs Kinder. Der Angriff ereignete sich am Freitag in der Ortschaft Dande Darpa Khel in Nord-Waziristan nahe der Grenze zu Afghanistan. Er galt offensichtlich dem afghanischen Taliban-Führer Siradsch Hakkani, der dort seine Hochburg hat.
Ob Hakkani getroffen wurde, blieb unklar. Er wird für zahlreiche Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht. Sein Vater Dschalaludin Hakkani, ein ranghoher Taliban der ersten Stunde, soll enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida haben. Die USA werden für mehr als 40 Luftangriffe seit Jahresbeginn in den nordwestlichen pakistanischen Stammesgebieten verantwortlich gemacht.
Im Swat-Tal sprengte sich am Samstag laut Militärangaben ein Selbstmordattentäter in die Luft, um seiner Festnahme zu entgehen. Soldaten hätten den Mann während einer Razzia in einem Wohngebiet in der Ortschaft Kanju nördlich von Mingora entdeckt, sagte ein Militärsprecher. Er sei vor den Sicherheitskräften in ein Haus geflüchtet und habe sich dort in die Luft gesprengt. Ob es weitere Opfer gab, sagte der Sprecher nicht. Lokale Medien berichteten, zwei Sicherheitsbeamte seien getötet und zwei weitere verletzt worden.
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